Freude bei der Kirchengemeinde

Mit Liebe und Engagement: Vachs neuer Kindergarten

11.9.2021, 16:00 Uhr
Pfarrer Markus Pöllinger vor dem neuen Vacher Kindergarten mit dessen Leiterin Verena Ließ.

Pfarrer Markus Pöllinger vor dem neuen Vacher Kindergarten mit dessen Leiterin Verena Ließ. © Foto: Hans Böller

Es riecht ein bisschen, auf angenehme Weise, nach Kuhstall, Vach ist ja immer noch ein Dorf – mit 13 Bauernhöfen. Auf einer Terrasse entsteint ein Ehepaar Zwetschgen, man grüßt sich, der Blick geht auf die vor über tausend Jahren erbaute Sankt-Matthäus-Kirche. Sandstein im Sonnenlicht, ein prächtiger, 140 Jahre alter Ginkgo-Baum, ein bunter Bauerngarten – hier, denkt man unwillkürlich, möchte man Pfarrer sein.

Markus Pöllinger ist es, Pfarrer in Vach, der zweiunddreißigste seit der Reformation, "ein Geschenk", sagt er, sei das für ihn. Geboren in Hof, kam er vor 15 Jahren aus Marktredwitz nach Vach, es war Liebe auf den ersten Blick. Die Kirche ist wunderschön, die Kanzel trägt ein geschnitzter Moses, in Nazi-Franken war das schwierig. Wer den Moses zerstört, lässt die Kanzel einstürzen, das hat der damalige Pfarrer Kurt Klein gesagt. Es gibt viele spannende Geschichten – und jetzt eine neue.

Es brauchte Glaube und Liebe

Wer mit dem 53 Jahre alten Markus Pöllinger unterwegs ist, trifft viele Leute, die ihrem Pfarrer zuwinken. Sich so willkommen zu fühlen, sagt er, und die Freude der Menschen am Ehrenamt zu spüren, habe ihm damals Mut gemacht für ein besonderes Projekt – denn es fehlte ja trotzdem etwas. Ein neuer Kindergarten.

Zwei Gruppen mit 50 Kindern gab es vor 15 Jahren. Fürth wächst, auch Vach verändert sich, ein Generationswechsel, sagt Pöllinger, sei unübersehbar, es gibt immer mehr junge Familien. Heute sind es 260 Kindergartenkinder in 13 Gruppen, "Kinder wollen behütet aufwachsen", so, sagt Pöllinger, hört er es immer wieder, "und Angebote dazu haben den Generationswechsel beschleunigt".


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"Den Gedanken, dass es Platz für Kinder braucht, muss eine Gemeinde glaubwürdig leben", findet der Pfarrer, in Vach hat das Tradition, 1904 eröffnete die erste Kinderbewahranstalt. Damals hatte Vach 1200 Einwohner, heute sind es über 4000, der alte Kindergarten am Markt reichte selbst mit seinen Nebengebäuden nicht mehr aus. Vor vier Jahren war endlich ein Grundstück gefunden, der erste Spatenstich für einen Neubau fiel dann mit dem ersten Corona-Lockdown zusammen, es brauchte: Glaube, Hoffnung, Liebe – die Worte stehen im Eingang des Neubaus am Schönblick.

Markus Pöllinger schlägt vor, mit dem Fahrrad hinüberzufahren, von der Kirche aus am Fluss entlang durch die Regnitzwiesen, vorbei an einem Maisfeld, nach ein paar Minuten ist man an der Hollersbacher Straße, Hausnummer eins – es ist der Weg, den die Gemeinde nach dem Gottesdienst am kommenden Sonntag mit Fürths OB Thomas Jung zur Einweihung nehmen wird.


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Verena Ließ, die Leiterin des Kindergartens, ist schon am 12. Juli vorausgegangen, "mit Fahnen und Gesang", wie sie erzählt, und mit den 75 Kindern, die hier auf 1400 Quadratmetern in drei Gruppen betreut werden. Der Weg bis zum Baubeginn dauerte länger, manchmal hat Markus Pöllinger in all den Jahren schlecht geschlafen. Es war ein großes Unternehmen, rund drei Millionen Euro kostete der Bau, 800 000 davon fielen auf die kleine Kirchengemeinde mit ihren gut 2000 Mitgliedern.

Bist du verrückt?

Geht das überhaupt? Bist du verrückt? Das, erzählt der Pfarrer, hat er sich manchmal schon gefragt. Aber, sagt er, "die Kirche trägt Verantwortung für die Wertschätzung von Kindern", ob sie dieser Verantwortung immer gerecht wird, überlegt er leise, könnte man fragen.

Markus Pöllinger musste sie in Vach nicht alleine tragen, "unendlich viele Menschen haben mitgeholfen", sagt er. "Wir tun es für Vach", das, sagt Arwit Lehmann, sei immer der Gedanke gewesen. Der Kirchenpfleger gehörte dem Bauausschuss an, im Förderverein halfen Eltern und Freunde mit, auch am Bau und bei der Einrichtung. Das Haus ist offen für alle, für viele Menschen, sagt Pöllinger, "führt der Weg ins Dorf über den Kindergarten". Er hat schon Väter und Mütter von Kindergartenkindern getauft, die ohne einen Bezug zum Glauben aufgewachsen waren.


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"Früh grüßt uns die Sonne über dem Maisfeld", sagt Verena Ließ, sie führt strahlend durch das Haus und zeigt die Piazza, ein helles Atrium für die Mittagspausen, den Turnraum, eine Kuschelhöhle. Im Garten, der ein Naturgarten werden soll – mit Matschgrube und Bienenhotel – steht ein Schäferwagen.

Sie geht mit den Kindern gerne hinaus in die Wiesen und Felder – und in die Bauernhöfe, "Kinder können hier noch mit der Natur aufwachsen", sagt sie.

"Guten Morgen, lieber Gott", ruft ein Fünfjähriger hinaus in den Garten. Wer gemeint ist, darf der Phantasie überlassen bleiben. Vielleicht tatsächlich der liebe Gott? Markus Pöllinger lächelt.

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