Mit Maske: Herbstvergnügen statt Michaelis-Kirchweih

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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24.9.2020, 18:30 Uhr
Das Riesenrad hält auch beim Herbstvergnügen die Stellung auf der Fürther Freiheit.

Das Riesenrad hält auch beim Herbstvergnügen die Stellung auf der Fürther Freiheit. © Hans-Joachim Winckler

Schon den ganzen Sommer über liegt ein Hauch von Kirchweih über der Fürther Innenstadt: mit dem Riesenrad auf der Freiheit, dem Vesper-Carré am Paradiesbrunnen und weiteren Kärwa-Schmankerln am Bahnhofplatz. Die Stadt kommt damit Schaustellern und Marktkaufleuten entgegen, die so Umsatzverluste abfedern können.

Das immerhin 16-tägige Herbstvernügen vom 3. bis 18. Oktober dient demselben Zweck. "Wir tun es vor allem für die Schausteller-Familien", sagte Oberbürgermeister Thomas Jung beim Pressetermin vor dem Riesenrad. Wie in etwa das Ersatz-Event aussehen soll, stand schon vorher fest, diesmal ging es um die Details.

Herbstvergnügen statt "Kärwa light"

Dass die Michaeliskirchweih diesmal nicht wie sonst stattfinden kann - groß, bunt, pulsierend und mitten auf einer Bundesstraße im Herzen der Stadt - nannte der OB bitter. Ihn stimme das traurig. Das Ersatz-Event mögen weder er noch Wirtschafts- und Kirchweihreferent Horst Müller ("Wenn der OB traurig ist, bin ich tieftraurig") als "Mini-Kirchweih" oder als "Kärwa light" bezeichnen.

Das Herbstvergnügen sei "besser als nix", befand Jung, ein Vergnügen im Herbst eben. Aber: "Wir haben ein strenges Gesundheitsamt in Fürth, und wir sind an die Grenzen des Vertretbaren gegangen."

In Zahlen heißt das: Statt 271 Imbiss-, Markt- und Fahrgeschäften wie 2019 kommen 55 zum Zug, ein Fünftel. Ausgewählt wurden sie nach dem Motto "Fürth first". "Damit sich die Menschen nicht ballen", so Müller, gibt es vier Schauplätze oder Sektoren: die Fürther Freiheit, die benachbarte Kleine Freiheit, den Hallplatz und den Bahnhofplatz.

Auf der Freiheit werden Fahrgeschäfte stehen, darunter weiterhin das Riesenrad, ein Kettenkarussell und Autoscooter. Ein Imbiss- und Gastrobereich mit elf Ständen, darunter der beliebte Baggers-Stand, ist auf der Kleinen Freiheit geplant, wo es auch einen abgegrenzten Biergarten mit 200 Sitzplätzen und Registrierungspflicht geben soll.

Auf dem Bahnhofplatz ist ein Mix aus Imbissbuden und Spielbetrieb vorgesehen. Und auf dem Hallplatz bieten 21 Händler ihre Waren an, darunter der Messer-Mo und die Pfannen-Gundel. Schmerzlich vermisst werden dürfte der Billige Jakob. Kärwa-Urgestein Georg Huber habe leider abgesagt, erklärte Schausteller-Sprecher Eduard Wentzl auf Nachfrage.

Referent Müller sprach von einem schwierigen Spagat: "Die Menschen sollen kommen, aber nicht zu viele." Anders als beim Nürnberger Herbstmarkt wird es in Fürth zwar keine Einbahnregelung geben. Dennoch dienen weitere Vorsichtsmaßnahmen einem kontrollierten und pandemie-konformen Ablauf.

Herbstvergnügen ohne Erntedankfestzug

So müssen publicityträchtige Ereignisse wie die Eröffnungszeremonie mit Fassanstich oder der große Erntedankfestzug entfallen. Reine Ausschankbetriebe wird es nicht geben, nur Imbisstände, die Bier in Flaschen anbieten.

Außerdem herrschen auf dem gesamten Herbstvergnügen-Gelände Abstandsgebot und Maskenpflicht. Bei der Stadt hatte man gehofft, eine Regelung wie auf dem Wochenmarkt finden zu können, wo die Maske nur beim Verkaufsvorgang getragen werden muss. Aber, so Müller: "Es geht nicht anders." Das Gesundheitsamt habe auf der Maskenpflicht bestanden.

Entzerrend auswirken soll sich laut Müller auch die längere Zeitspanne von 16 statt zwölf Tagen, die den Betrieb an drei Wochenenden ermöglicht. Die Öffnungszeiten: sonntags bis donnerstag von 11 bis 20 Uhr, freitags und samstags von 11 bis 21 Uhr.

Abgespeckter Weihnachtsmarkt?

Auch wenn Fürth alles andere als ein Corona-Hotspot ist, die 7-Tage-Inzidenz pro 100. 000 Einwohner, die in München den Warnwert 50 überschreitet, lag in Fürth zuletzt bei 21,14: Das Herbstvergnügen, betonte Jung, stehe dennoch unter Corona-Vorbehalt.


Ranking: Fürth hat Bayerns beliebtesten Weihnachtsmarkt


Es sei aber auch ein Test für den Weihnachtsmarkt, bei dem "wohl Abstriche" nötig werden. Müller: "Wir wissen beim besten Willen noch nicht, wie wir die heimelige Atmosphäre des Weihnachtsmarkts in Einklang bringen mit größeren Buden-Abständen." Am 12. Oktober geht es im Kirchweihausschuss um Abspeckvarianten und die eventuelle Verlegung des Mittelaltermarkts auf den Hallplatz. 

Fest steht: Die Verantwortlichen im Fürther Rathaus wollen, das Weihnachts- und Mittelaltermarkt stattfinden. Lösungsansätze dafür dürften sich auch in der Nachbarstadt finden lassen. Denn für eine corona-konforme Umsetzung des Nürnberger Christkindlesmarktes liegen inzwischen konkrete Vorschläge einer Unternehmensberatung vor.