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Von der Putzfrau zur Prinzessin: "Cinderella" in Fürth als zauberhaftes Tanzmärchen - 09.03.2019 17:29 Uhr

Eine Klasse für sich: Primaballerina Nadezhda Illarionova (links hinter Evgenija Krechetova und Vera Tchachenko) besticht durch grazile Eleganz – selbst in schwierigen Passagen. © Foto: Thomas Scherer


Sergej Prokofiews weiche Klänge erzählen weniger die Handlung, sondern sind eher lyrisch. Es ging dem Komponisten hörbar um die große Liebe zwischen dem Mädchen und dem Königssohn. Dann endlich hebt sich der Vorhang, das Haus des "Aschenbrödels" wird sichtbar. Zunächst schrubbt es Töpfe, dann tauchen die streitenden Stiefschwestern auf. Evgenija Krechetova und Vera Tchachenko sind schön biestig mit geschmeidigem Ausdruck.

Schon tanzt die böse Stiefmutter herein, diabolisch-hinterhältig und aufgeblasen angelegt von Anna Rudik. Der Tanzmeister kommt zu Besuch, um eine Einladung zum Ball im Schloss zu überbringen (Egor Evlanov vollendet elegant). Vergeblich versucht er in einer heiteren Szene, den wenig begabten Stiefschwestern das Tanzen beizubringen.

Dann endlich steht Nadezhda Illarionova als Cinderella im Blickpunkt, die alleine zu Hause zurückbleibt. Die Primaballerina ist eine Klasse für sich. Majestätisch und dennoch ohne Dünkel, klar, ohne jede Arroganz, lieblich, bescheiden und stolz zugleich tanzt sie ihre Rolle. Ihr Rücken ist über die Maßen biegsam und geschmeidig, die Knick- und Bückbewegungen gelingen absolut wackelfrei, während sie auf den Zehenspitzen so rasant dahinwirbelt und schwebt wie ein Zauberbesen. Eine Patin aus dem Feenreich, zusammen mit den Feen der vier Jahreszeiten, erscheint und schenkt ihr ein herrliches Gewand, damit sie auch zu dem Fest gehen kann.

Es folgt der prachtvolle Palast, ein höfischer Tanz in großer Runde. Der Prinz hat seinen Auftritt. Dansaran Vandanov als Solist überzeugt mit makellosen, extra hohen, vor Lebensfreude sprühenden Sprüngen, besonders, als er die schöne Cinderella entdeckt. Die beiden tanzen zusammen und vergessen die Welt um sich.

Die hohen Hebungen mit langer Balance, die furiosen Sprünge, auch in der Rotunde, haben internationales Format. Nadezhda Illarionovas hinteres Bein ist beim diagonal in die Luft gesprungenen Spagat leicht angebeugt, Arme und Oberkörper ranken sich harmonisch wie ein Dach darüber.

So sieht ein glücklich verliebtes Mädchen aus, das bald Prinzessin wird. Da mögen sich die beiden temperamentvollen Stiefschwestern noch so ärgern, noch so sehr um den Prinzen bemühen. Für Cinderella, die zuvor noch ihren Schuh verliert, wie es die Legende vorsieht, wird in dieser klassischen Choreographie alles gut. Der Prinz findet sie durch den Schuh, der nur ihr passt, sie erhält auch von der Fee ihr traumhaftes Ballkleid im Braut-Stil zurück und ist glücklich. Hand in Hand tanzt das Paar der Liebe entgegen. Wie schön.

Claudia Schuller

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