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Mühlen im Landkreis: Mehr als nur optische Attraktionen

Wissen über uralte Handwerkstechnik soll aufleben - Wanderwege und Infotafeln - 08.01.2019 21:00 Uhr

In der Dorfmühle in Wilhermsdorf wurde einst nicht nur Getreide gemahlen, auch ein Sägewerk, das noch existiert, gehörte dazu. Heute ist sie ein Wohnhaus mit viel Platz für Esel, Schafe und Hühner. © Foto: Heinz Wraneschitz


Es gibt noch viele Hundert Stauwehre in Westmittelfranken. Naturschützer hatten sie schon in den 1980er Jahren aufgelistet. Die einst dazu gehörenden Mühlen existieren beileibe nicht mehr alle. Und nur noch ganz wenige davon üben heute ihre früher so wichtige Funktion aus: Sie mahlten Getreide, wurden als Säge-, Walk-, Loh- und Gipsmühle genutzt.

Oft nur noch Dekoration sind die Mühlräder am rauschenden Bach. © Foto: NN


Dass es ehemals hier sogar einige Windmühlen gab, davon künden heute nach wie vor Namen von Weilern oder Gasthäusern. Wassermühlen-Gebäude aber existieren alleine an der 49 Kilometer langen Zenn noch immer 51, an den 83 Kilometern des Flusslaufs der Aisch sind es sogar 100. Wenn überhaupt, dann wird die Kraft ihrer Wasserräder heute dazu genutzt, um Strom zu gewinnen. Meist jedoch lehnen die Mühlsteine nur noch zur Zierde an einer Hausmauer, drehen sich die Räder allein aus nostalgischen Gründen. Im Freilandmuseum Bad Windsheim sind zwei in Funktion zu bewundern: Mit großteils hölzerner Technik wird dort Getreide gemahlen und Öl gepresst.

Doch an den Flüssen sind Mühlen häufig lediglich als optische Attraktionen zu bewundern, viele gar verschwunden. Deshalb wissen nur noch wenige Menschen, wie wichtig sie früher waren. So waren Walkmühlen für die Stoff- und Tuchherstellung notwendig. In Lohmühlen wiederum wurden pflanzliche Gerbmittel zerkleinert: Sie wurden zur Behandlung von Leder gebraucht.

Das Bewusstsein, welche wirtschaftliche Bedeutung die Mühlen einst hatten, scheint in den hiesigen Leader-LAG schon länger gewachsen zu sein. Jedenfalls entstanden in allen Regionen eigene Projekte: Die LAG Region Romantische Straße entwickelt eine "Mühlenroute". In der LAG Aischgrund hat deren früherer Vorsitzender die Mühlengeschichte der Region und ihres Umfelds (Zenngrund, Steigerwald, Rangau) sehr gut aufgearbeitet – in Form von Büchern und Zeitschriftenartikeln. Die LAG Region Landkreis Fürth hat ein Projekt "Mühlenerlebnis im Zenngrund" konzipiert.

Alle Einzelprojekte können mit EU-Mitteln gefördert werden. Durch die Kooperation der drei Arbeitsgemeinschaften steigt der mögliche Anteil der europäischen Mitfinanzierung sogar von 50 auf 70 Prozent der jeweiligen Kosten. Den Rest übernehmen die Beteiligten, also vor allem die LAG-Vereine und die Gemeinden. Aber auch einige Mühlenbesitzer machen mit.

Kulturelles Erbe

Am "Mühlenerlebnis im Zenngrund" beispielsweise beteiligen sich die Kommunen der so genannten Zenngrund-Allianz: Langenzenn, Seukendorf, Veitsbronn und Wilhermsdorf. "Mühlenstandorte ausfindig machen und zukünftig als Magnete für den Tourismus nutzen, das kulturelle Erbe der Region bewahren" steht als Motiv im Projektantrag.

Allein in Wilhermsdorf sollen sieben Mühlen Teil dieses regionenverbindenden Großprojekts werden. Alle Gebäude sollen eigene Hinweistafeln bekommen. Und weil im Aischgrund ohnehin "zahlreiche Rad- und Wanderwege an Mühlen vorbeigehen, wird den Nutzern der Freizeitwege dadurch ein Zusatzangebot zu einer regionaltypischen Besonderheit gemacht", heißt es in dem Papier weiter.

Doch Schilder und Wanderwege sind längst nicht alles: Schüler des Reichsstadtgymnasiums Rothenburg betreiben beispielsweise in einem so genannten "P-(Projekt-)Seminar" Mühlenforschung, lassen deren Funktionen wieder erlebbar werden. Im Rahmen des Kooperationsprojekts soll eine Wanderausstellung entstehen sowie ein Informationsflyer nebst Übersichtskarte. Auch ein Konzept für Erlebnispädagogik ist vorgesehen.

Bis Ende 2020 werden die verschiedenen Beteiligten an dem Projekt mitarbeiten, natürlich auch engagierte Bürgerinnen und Bürger. So wie Herwig Vieröther, Wilhermsdorfer CSU-Marktgemeinderatsmitglied und selbst Besitzer der Denzelmühle. Der gab den praktischen Hinweis: Die Schilder sollten nicht einfach auf unbefestigtem Untergrund, sondern auf "etwa zwei Quadratmeter gepflasterter Fläche" aufgestellt werden.

"Mühlen prägen die Geschichte der drei Regionen bereits seit langer Zeit. Durch das Projekt wollen wir das Wissen über die sie und das uralte Handwerk zusammentragen und erhalten", sagt Pia Grimmeißen-Haider. Die LAG-Geschäftsführerin der Region an der Romantischen Straße koordiniert das Vorhaben.

Weniger Europaskepsis

Grimmeißen-Haider hegt aber noch eine weitere Hoffnung: "Mit der Förderung profitieren die Menschen hier direkt von Europa. So ist es viel einfacher, den Menschen Leader näher zu bringen." Das sei gerade angesichts der heutigen Europaskepsis umso wichtiger.

Und vielleicht wird am Ende ja sogar Grimmeißen-Haiders Vision der Mühlenroute als der Beginn eines Fränkischen und Bayerischen Mühlenweges und als Partner von anderen Deutschen und Europäischen Mühlenwegen Wirklichkeit. 

Heinz Wranschitz

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