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Mysteriöser Ton in Fürth bewegt auch die Leser

Zahlreiche Kommentare zum FN-Bericht über ein merkwürdiges Geräusch - 01.07.2014 16:00 Uhr

Ein Trafo im alten Umspannwerk in der Stadelner Hauptstraße ist für den Pfeifton nicht verantwortlich. © Winckler


Was die Reaktionen beflügelt hat, war das von Anwohnern aufgezeichnete Geräusch, das online abgerufen werden kann (siehe unten). Auch ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts hat sich inzwischen bei Michael Mettcher, dem Wortführer der lärmgeplagten Anwohner, gemeldet und um ein genaues Protokoll der weitgehend unregelmäßig auftretenden Störung gebeten, deren Herkunft bisher nicht zu orten war.

Am vergangenen Wochenende hat Mettcher den zehn Sekunden bis drei Minuten lang anhaltenden Ton mit gewisser Systematik über einen Zeitraum von sieben Stunden registriert. Einem Online-Kommentar sei man bereits nachgegangen und habe die Heizungen im Bereich der Vacher Straße 127 untersucht. Als Geräuschquelle könnten sie danach ausgeschlossen werden, sagt Mettcher.

Wie Josef Pschierer vom Umweltmanagement der infra auf FN-Anfrage versichert, komme auch das als Tonquelle in Erwägung gezogene Blockheizkraftwerk an der Friedrich-Ebert-Straße nicht in Frage. Und das Blockheizkraftwerk an der Vacher Straße verfüge über keinen Motor, der Geräusche von sich geben könne. Fehlanzeige meldet ferner das Röntgen-Entwicklungszentrum des Fraunhofer-Instituts für integrierte Schaltungen nebenan. Dessen Leiter, Randolf Hanke, betont gegenüber den FN, dass es weder eine Geräuschquelle gebe, noch Klagen aus der unmittelbaren Nachbarschaft.

Der Physiker hält es jedoch für durchaus möglich, dass Nachrichtentechniker des Instituts den geheimnisvollen Ton orten können. Mit einem Richtmikrofon will die Stadt nach dem Worten von Ordnungsamtschef Hans-Peter Kürzdörfer Jagd auf die Geräuschquelle machen.

Ein FN-Leser hat den Ton gemessen, der sich anhört wie das frühere Signal für den Sendeschluss im Fernsehen und eine Schwingung von exakt 569,2 Herz festgestellt. Es handelt sich seiner Ansicht nach um einen Sinuston, wie er von einem Frequenzgenerator erzeugt wird. Ein Trafo im Umspannwerk Vacher Straße komme deshalb nicht in Frage, weil der nur 50 Herz absondere. Zudem ist das Umspannwerk bereits erfolglos vom Ordnungsamt überprüft worden.

Nachforschungen bei der Kläranlage

Dafür wird die Frequenz nach Angaben eines Musikers häufig als Planetenklang in der Esoterik-Musik verwendet. Vielleicht mache sich ja jemand einen Spaß und spiele solch einen Ton immer wieder mit einem mp3-Player ab, meint er. Nicht ernst gemeint ist dagegen der Leserhinweis, dass sich mit dem Geräusch vielleicht Aliens zu Wort melden.

Dass der Wind ein senkrecht im Boden steckendes offenes Rohr wie eine Panflöte zum Klingen bringen könnte, meint Helga Krause. Die Strahlenschutzexpertin des Bundes Naturschutz in Fürth hat so etwas selbst schon erlebt. Mobilfunksender schließt sie als Ursache jedoch aus. Die würden lediglich einen Brummton erzeugen.

Etliche Leser tippen auf eine Pumpe der Fürther Kläranlage als Geräuschquelle. Dagegen spricht, dass aus der benachbarten Wohnbebauung bislang keine Klagen laut geworden sind. Dennoch will man auch im Kläranlagen-Betrieb Nachforschungen anstellen, wie Leiterin Gabriele Müller den FN versichert.

Einsatz ist teuer

Bahngleise, die unter mechanischer Belastung einen Ton von sich geben, ein in die Erde versenkter Maulwurfvertreiber oder ein Marderschreck am Carport, die Breitbandantenne eines Amateurfunkers, Rückkopplung eines Lautsprechers oder die Schwingung einer Dachrinne sind weitere Verdachtsmomente, die von FN-Lesern in Betracht gezogen werden. In einem Herzogenauracher Biergarten registrierte eine Leserin zudem einen ähnlichen Ton immer dann, wenn ein Elektrobus an der nahen Ampel anhalten musste.

Das Rätselraten geht zwangsläufig weiter, so lange keine verlässlichen Messungen angestellt werden. Diese müssten nach Ansicht eines Lesers wiederholt über einen 24-stündigen Zeitraum mit exakter Dokumentation von Zeit und Umweltverhältnissen erfolgen. Erst danach könnte man sich mit Erfolg ans Orten der Tonquelle machen.

Deutlich wird auch gemacht, dass das alles natürlich Geld kostet - selbst wenn taugliche Messgeräte bereits für 40 Euro erhältlich seien. Schließlich schlägt vor allem der Personaleinsatz zu Buche. Dies insbesondere dann, wenn den Kontrolleuren keine näheren Zeitvorgaben gemacht werden können. Kürzdörfer hat gegenüber den FN zwar selbst Nachtarbeit nicht ausgeschlossen, der Erfolg einer solchen Aktion ist ohne nähere Hinweise jedoch fraglich.

Die Fürther Nachrichten nehmen unter fn-redaktion@pressenetz.de und per Kommentarfunktion Hinweise auf die Tonquelle entgegen.

 

 

Hinweis:
Um den Ton hören zu können, stellen Sie bitte den Lautstärkeregler an Ihrem Computer laut!
Beispiel Nr. 1 - Geräusch in Fürth
Beispiel Nr. 2 - Geräusch in Fürth
Beispiel Nr. 3 - Geräusch in Fürth

 

Volker Dittmar

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