Tipps von der Kripo

Nach tödlichem Streit in Fürth: So reagieren Nachbarn bei häuslicher Gewalt richtig

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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6.9.2022, 11:30 Uhr
Für die Frau kam die Hilfe zu spät, die Beamten fanden sie leblos vor: Am Tatort kümmerten sich Experten der Kriminalpolizei um die Spurensicherung.

© NEWS5 / Oßwald Für die Frau kam die Hilfe zu spät, die Beamten fanden sie leblos vor: Am Tatort kümmerten sich Experten der Kriminalpolizei um die Spurensicherung.

Die Polizei fand die Frau leblos in ihrer Wohnung vor, der Ehemann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft: Eine Gewalttat mit tödlichem Ausgang, zu der es in einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt kam, sorgt in Fürth für Bestürzung. Auch wenn die genauen Umstände noch unklar sind: Vieles deutet darauf hin, dass die 36-Jährige durch häusliche Gewalt ihr Leben verlor.

Weil Nachbarn oftmals etwas mitbekommen, sich aber scheuen, die Polizei zu rufen, appelliert Kriminalhauptkommissarin Annegret Steiger von der Fürther Kripo, Präventionsbeamtin und Beauftragte für Kriminalitätsopfer, an die Bürgerinnen und Bürger, nicht wegzuschauen: „Wir raten ihnen, hinzusehen, eine Meldung zu machen, wenn jemand schreit oder wenn sich etwas nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung anhört. Damit von der Polizei nachgeschaut werden kann.“

Bei eskalierender Gewalt: Schnell den Notruf wählen

Oft habe das Opfer in einem eskalierenden Streit selbst keine Möglichkeit, den Notruf zu wählen, weil das Handy schon weggenommen, vielleicht auch kaputtgetreten wurde. „Wenn man Hilfeschreie hört: Bitte nicht weghören und sagen, das ist eine Privatangelegenheit. Es ist die oberste Pflicht, da zu helfen“, sagt Steiger. Allerdings empfehle sie niemandem, selbst an der Tür zu klopfen, um die Auseinandersetzung zu unterbinden. Stattdessen sollte man so schnell wie möglich den Notruf wählen, damit die Polizei nach dem Rechten sehen und deeskalieren kann.

Beim Verdacht auf häusliche Gewalt werden die Beamten die Partner getrennt voneinander befragen und das Opfer – meist sind das Frauen, manchmal werden aber auch Männer misshandelt – auf das Angebot der Interventionsstelle hinweisen. Sie bietet in Notsituationen unkompliziert Beratung und Unterstützung und geht „proaktiv“ auf die Frauen zu. Ziel ist es, dass eine Gewaltspirale – ob körperliche, emotionale, soziale oder wirtschaftliche Gewalt – durchbrochen wird.

Der Ablauf: Ist die Frau einverstanden, übermitteln die Beamten ihre Kontaktdaten per Fax den Beraterinnen. Eine von ihnen versucht an drei aufeinanderfolgenden Tagen, Kontakt aufzunehmen. Steiger: „Das kann auch in einem vereinbarten Zeitfenster sein oder unter einer bestimmten Nummer.“

Nachbarn oder Bekannte, die vermuten, dass eine Frau zuhause Bedrohung und Gewalt erlebt, können ihr zum Beispiel eine Karte/einen Flyer vom Frauenhaus oder von anderen Hilfsangeboten geben, sagt Steiger. Dafür sollten sie einen Moment wählen, in dem der Partner nicht dabei ist.

Die Polizei rät Frauen, die bedroht werden, Nachbarn einzubinden. Damit - falls der Partner nicht mehr im Haus wohnt - etwa darauf geachtet wird, die Haustür immer zu schließen.

Es gibt viele Hilfsangebote

Die Polizei hat auf ihrer Internetseite www.polizei.bayern.de/mittelfranken anlässlich der Corona-Krise Tipps für Konfliktsituationen im familiären Umfeld zusammengestellt. Unter anderem empfiehlt sie, ein Signalwort festzulegen, mit dem eine Eskalationsspirale unterbrochen wird.

Gewalt ist immer Unrecht, betont die Polizei, sie zerstört die Grundlage für menschliches Zusammenleben. „Bei häuslicher Gewalt werden häufig zuerst Sachen beschädigt. Danach erfolgen Handgreiflichkeiten und schließlich kommt es zu ernsthaften Verletzungen.". Die Experten raten, die Spirale früh zu stoppen: durch klare Ansagen, einen Ortswechsel oder die Einbindung von Nachbarn oder anderen Personen: „Opfer sind stärker, als sie glauben.“

Betroffene – und Menschen aus dem Umfeld, wenn sie sich nach dem richtigen Vorgehen erkundigen wollen – können sich außerdem ans bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 08000 116 016 (rund um die Uhr) oder www.hilfetelefon.de, wenden, an die Beratungsstellen von Frauenhäusern oder die Beauftragten der Polizei wie in Fürth Annegret Steiger (Telefon 0911-75 90 53 17, weitere Ansprechpartner werden hier genannt). Männer finden Hilfe unter 0800 123 99 00 oder unter www.maennerhilfetelefon.de

Hilfreiche Verhaltenstipps gibt die Polizei auch auf ihrer Internetseite.

Zur Homepage des Frauenhauses Fürth geht es hier, rund um die Uhr ist die Hotline (0911) 72 90 08 erreichbar.

Inzwischen gibt es auch "Respekt!", eine Anlaufstelle für Täterinnen und Täter häuslicher Gewalt, die ihre Aggressionen in den Griff bekommen wollen: Tel. (09 11) 27 47 69 615, respekt@treffpunkt-nbg.de (hier geht's zur Homepage)

Noch mal der Hinweis: Wenn Gewalt eskaliert, sollte man sofort über den Notruf 110 die Polizei rufen. Bei Verletzungen sollte man unbedingt zum Arzt gehen.

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