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Natur im Landkreis braucht mehr Wiese

Projektstart für den Stieglitz & Co. - 18.06.2017 06:00 Uhr

Ein Stieglitz, auch Distelfink genannt, hält sich geschickt zwischen zwei Halmen fest. Der Anblick des Vogels ist inzwischen selten geworden im Landkreis Fürth, denn die Piepmätze finden wegen der aufgeräumten Flur und der vielen versiegelten Flächen immer weniger Nahrung oder Brutplätze. Das Foto entstand daher auch in der Nähe von Frankfurt. © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa


Wer etwas bewegen will, braucht für seine Kampagne ein Gesicht, eines, das sich einprägt und gleichzeitig sympathisch daherkommt. So gesehen ist der Distelfink oder Stieglitz mit seinem farbenfrohen schwarz-weiß-roten Köpfchen eine Idealbesetzung. Kein Wunder, dass gleich das gesamte Projekt nach ihm benannt wurde.

Den Rückgang artenreicher Wiesenbiotope, die Flächenversiegelung und intensive Bewirtschaftung, das sind die Faktoren, die Martin Sommer von der UNB aufzählt. Sie machen dem farbenfrohen Singvogel, aber auch Insekten wie Schmetterlingen, Bienen und Hummeln das Leben im Landkreis zunehmend schwer. Zwar gibt es bezogen auf das Fürther Land keine konkreten Zahlen. Aber es liegen Schätzungen des Dachverbands Deutscher Aktivfaunisten vor, demnach ist der Bestand des Distelfinks zwischen 1990 und 2013 bundesweit angeblich um 48 Prozent eingebrochen. Rainer Poltz, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe, geht davon aus, dass sich die Entwicklung beim Vogel des Jahres 2016 im Landkreis ebenfalls nicht anders verhält.

Weniger mähen

Nun geht es darum, gegenzusteuern, funktionieren soll das wie folgt: 62 Flächen haben BN- und LBV-Aktivisten im Landkreis ausgemacht, die sich sicher oder wahrscheinlich in kommunalem Besitz befinden. Sie sollen seltener gemäht werden, das heißt einmal oder maximal zwei Mal im Jahr. Wichtig ist dabei, dass die dort wachsenden Pflanzen vor der Mahd aussamen können. Über den Winter sollte das Grün stehen bleiben, das verbessert das Nahrungsangebot in den kargen Monaten. Nach dem Mähvorgang muss das Schnittgut außerdem entfernt werden. Dadurch wachsen nicht nur Wildblumen besser, der Boden magert auch aus, das fördert die Artenvielfalt der Flora. Es wachsen genau jene "Unkräuter", die der Stieglitz liebt, genau wie der im Landkreis ebenfalls rar gewordene Feldhase.

Dafür müssen freilich die Kommunen mit ins Boot. Zwar sind sie ohnehin gehalten, ihre eigenen Grundstücke im Sinne des Naturschutzes zu bewirtschaften. Das besagt zumindest das bayerische Naturschutzgesetz. Und Rainer Poltz führt weitere Argumente ins Feld: effizienter Artenschutz, die ästhetische Aufwertung, die Blühwiesen gegenüber monotonen Grünflächen bringen sowie die verbesserten Ernte, weil die Blütenbestäuber unterstützt werden. Verlockender ist aber wohl eher die Aussicht, dass der Bauhof seltener zu Pflegeeinsätzen ausrücken müsste und sich Geld sparen ließe.

Stieglitze aus Holz entstanden an der Mittelschule Langenzenn. © Foto: Harald Ehm


Gleichzeitig gibt aber es noch ein Problem: Nicht immer bestechen die Flächen durch farbenfrohe Pracht, die Bürger könnten dann schnell Schlamperei wittern und im Rathaus vorstellig werden. Das Zauberwort dafür heißt: Information. Deshalb sollen auf allen Flächen Tafeln aufgestellt werden. Unter dem Stichwort "Lebensraum Wildblumenwiese" wird das Projekt erläutert. Außerdem könnte jede Blühwiese von einem gemähten Streifen umrandet sein, auch das wirkt ordentlich. Jede Gemeinde, die mit von der Partie ist, wird bis zu zehn Schilder erhalten. Zusätzlich soll ein bunt bemalter Stieglitz aus Holz, befestigt an einem Stab, für sein Wohnquartier werben. Dafür haben sich die Jugendlichen der "Arbeitsgruppe Biotop" der Mittelschule Langenzenn ins Zeug gelegt. Lehrerin Sabine Lindner, gleichzeitig BN-Kreisvorsitzende, hat das Projekt Bastelarbeiten initiiert.

Bei den einzelnen Kommunen ist man schon gut vorangekommen: Wilhermsdorf will mitmachen, hier verteilt die BN-Ortsgruppe auch Päckchen mit Saatgut für den privaten Garten. Auch in Ammerndorf sollen mehrere Areale angelegt werden. In Veitsbronn werden am 21. Juni um 16 Uhr an der Insektennistwand im Zenngrund, zwischen Rathaus und Mittelschule, die ersten Schilder und Holzstieglitze aufgestellt. In Zirndorf, Roßtal und Langenzenn laufen noch Gespräche mit den Verantwortlichen im Rathaus. "Es braucht", das weiß Rainer Poltz schon jetzt, "einen langen Atem für das Projekt". Und eben ein bisschen Unordnung auf dem Grün. Nicht nur der Stieglitz dürfte das danken.

Wer sich über das Stieglitzprojekt informieren oder mitmachen möchte: Rainer Poltz, Tel. (09 11) 13 04 99 49 oder fuerth@lbv.de

HARALD EHM

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