Dienstag, 28.01.2020

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Nazi-Verbrechen: Fürther Delegation besucht Torun

Der OB und das Bündnis gegen Rechts nahmen an einer Gedenkfeier teil - 30.10.2019 07:20 Uhr

Barbarka heißt der Wald nahe der Stadt Torun, in dem die Nazis Hunderte Polen umbringen ließen. Die Fürther Delegation mit Oberbürgermeister Thomas Jung und mehreren Stadträten legte an der dortigen Gedenkstätte einen Kranz nieder. Auch das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus war vor Ort. © Foto: Slawomir Kowalski


Auf dem verblichenen Foto stehen sie gut gelaunt und dicht zusammen. Mittendrin Nazi-Oberbürgermeister Franz Jakob, daneben Adolf Schwammberger und mehr als ein Dutzend weitere Fürther, die während des Zweiten Weltkriegs die Verwaltung der besetzten polnischen Stadt Torun am Laufen hielten.

Ihre Namen tauchen beschämend oft in einer Ausstellung auf, die aktuell im Hof des historischen Rathauses von Torun zu sehen ist. Die Fürther waren an den Schaltstellen der Stadt gesessen, sie trugen damit die Verantwortung für die abscheulichen Verbrechen, die in einem nahen Wald begangen wurden.

An der Gedenkfeier für die Opfer in Torun nahm am vergangenen Wochenende das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus teil – im zweiten Jahr in Folge. Zum ersten Mal legte dort eine Delegation aus dem Rathaus samt Oberbürgermeister einen Kranz nieder. "Wir schämen uns ohne Ende für das Leid und die Verbrechen, die Menschen aus Fürth hierher gebracht haben", sagte Thomas Jung, dessen Rede vor Ort ins Polnische übersetzt wurde.

Am 7. September 1939 hatte die Wehrmacht Torun besetzt, das fortan wieder den deutschen Namen Thorn trug. Wenige Wochen später übernahmen Fürther Beamte die Stadtverwaltung, an der Spitze der berüchtigte Franz Jakob, der die Kleeblattstadt wegen diverser Verfehlungen verlassen musste.

Am 28. Oktober begannen die Erschießungen. Bis Dezember starben mindestens 600 Polen, womöglich noch viele, viele mehr, weil sie entweder zur sogenannten Intelligenz, also zur Elite, zählten oder den Nazis anderweitig nicht ins Konzept passten. Die Menschen wurden in einem ehemaligen Fort, später dann im nahen Wald Barbarka ermordet und in Massengräbern verscharrt. Die Täter: überwiegend Volksdeutsche und nicht selten die Nachbarn ihrer Opfer, doch Franz Jakob und seine Beamten aus Fürth hatten das Morden abgesegnet.

Auch der Gauleiter war Fürther

Hierzulande blieb das lange unerwähnt. Erst seit der Hobby-Historiker und Grünen-Stadtrat Kamran Salimi daran forscht, dringt es ins Bewusstsein. "Die Gedenkfeier hat mich tief bewegt. Es ist gut, dass wir uns dieser Verantwortung stellen", sagte Salimi auf FN-Anfrage. Das Bündnis gegen Rechts äußerte sich per Pressemitteilung: "In Anbetracht des geschichtlichen Hintergrunds empfinden wir es als große Ehre, dass wir hier mit offenen Armen empfangen wurden", schreiben die beiden Sprecher Niklas Haupt und Anja Schmailzl. Auch beim Oberbürgermeister hinterließ die Reise Spuren: Jung beauftragte bereits Stadtarchivar Martin Schramm mit weiteren Recherchen zu dem Thema, zumal mit Albert Forster, Gauleiter von Danzig, noch ein Fürther Kriegsverbrechen in der Region begangen hat. Die Kontakte nach Torun sollen ausgebaut werden, auf Jungs Einladung reist voraussichtlich im kommenden Jahr eine Delegation aus Polen nach Fürth.

Wie berichtet, hatte das neu gewonnene Wissen um die Verbrechen der Fürther bereits unmittelbare Folgen: Am Rand der Altstadt trägt seit 2018 eine Straße, die nach dem langjährigen Fürther Archiv- und Museumsleiter Adolf Schwammberger benannt war, den Namen der jüdischen Mitbürgerin Bella Rosenkranz.

JOHANNES ALLES

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