Samstag, 20.04.2019

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Neue Mitte: Jury startet mit Eklat

Denkmalschützer steigt aus Architekten-Wettbewerb aus - 20.12.2008

So hatten im Juli erste Skizzen von Sonae Sierra für das Fürther Einkaufszentrum ausgesehen, Kritiker sprachen von einem «Flughafenterminal». Der Wettbewerb soll nun neue, städtebaulich hochwertige Impulse geben. Repro: FN


Er sehe keine Basis, die von ihm vertretenen Belange in das Verfahren einzubringen, so Walter. Unter anderem moniert er, dass die «Grundlagen des geplanten Shopping-Centers« nicht noch einmal «frei diskutiert werden können«, dass die geplante Größe – rund 25000 Quadratmeter Verkaufsfläche – nicht mehr veränderbar und damit eine denkmal- und stadtverträgliche Lösung ausgeschlossen sei. Gleiches gelte für den – so Walter – «größten städtebaulichen Fehler des Projekts, nämlich die Umwidmung von öffentlichem Straßenraum zum Erschließungs- und Repräsentationsbereich eines Einkaufszentrums«.

Keinerlei Verständnis für diese Reaktion zeigt Fürths Baureferent Joachim Krauße. Er sehe zwar ein, dass eine Denkmalschutz-Fachbehörde nicht zustimmen will, wenn es um den Abriss entsprechender Gebäude geht. Doch wie Krauße, Vertreter des Investors und der voraussichtliche Jury-Vorsitzende, der international renommierte Architekt Stefan Behnisch, unisono betonen, werden die eingeladenen Architektenbüros einige Freiheiten haben.

So könnten sie auch Entwürfe einbringen, in denen die Bausubstanz erhalten bleibt. Das bisher diskutierte Konzept sei «eine Grundlage, aber kein Dogma«. Walters Schlussfolgerung, gar nicht erst als Preisrichter teilzunehmen, sei für ihn deshalb «nicht nachvollziehbar«, sagt Krauße – zumal auch die Architektenkammer bestätigt hatte, dass beim Wettbewerb, entgegen zuvor geäußerter Kritik, alles seine Ordnung habe.

Noch weniger will Krauße in den Kopf, dass Walter mit der Einbeziehung der Breitscheidstraße ins Center argumentiert, denn dieser Aspekt habe mit Denkmalschutz nichts zu tun. Es sei, findet Krauße, «ungewöhnlich, dass sich eine Fachbehörde der politischen Diskussion anschließt«.

Einen Ausstieg aus der Jury hatte zunächst auch der eingeladene Heimatpfleger der Stadt Fürth, Alexander Mayer, erwogen. Wegen der Zugeständnisse, die nun doch noch gemacht wurden, werde er aber bei der Stange bleiben, so Mayer im Gespräch mit den FN. Es sei «nicht mehr unmöglich, allerdings nach wie vor sehr unwahrscheinlich«, den von Mayer vehement kritisierten Abriss der Baudenkmäler zu verhindern.

Keine Information

Für Irritationen dürfte allerdings sorgen, das weder der Auslobungstext, also die Bedingungen für die Wettbewerber, noch die Namen der Juroren und der teilnehmenden Büros preisgegeben werden. Es handele sich um allgemein gültige Verfahrenvorschriften; missachte man sie, mache man sich juristisch angreifbar, begründet der für den Investor Sonae Sierra tätige Projektentwickler Wolfgang Janowiak diese Abschottung. Es sickerte jedoch durch, dass neben dem Heimatpfleger für die Stadt OB und Baureferent im Gremium sitzen.

Wie Sonae-Sierra-Vertreter Martin Philippen auf FN-Anfrage zudem einräumte, sieht er bei der Größenordnung des Centers tatsächlich wenig Spielraum, Gleiches gelte für die Integration der Breitscheidstraße. Stefan Behnisch wiederum hält es für wenig sinnvoll, sich zu stark auf die Größendiskussion zu versteifen. Man könne nicht an der Einwohnerzahl festmachen, wie viele Shopping-Center eine Stadt verträgt, sondern müsse in jedem Einzelfall die wirtschaftliche und städtische Situation genau betrachten. Eine «gewisse kritische Masse« sei für ein Einkaufszentrum zwingend, sonst könne es nicht attraktiv sein. Er habe nach einem Rundgang in Fürth das Gefühl, es gebe «ein großes Potenzial« an Bausubstanz, das nicht genutzt werde.

Die Diskussion um die Aufgabe öffentlichen Raums halten sowohl Behnisch als auch Fürths Baureferent für zu zugespitzt. Thema des Wettbewerbs sei, so Krauße: «Wie kann ich ein Maximum an öffentlicher Qualität erhalten«. Und Behnisch sekundiert: Es gebe gute Beispiele für in Center integrierten öffentlichen Raum, bei denen der Unterschied kaum noch wahrnehmbar sei. Für ihn gehe es darum, «wie man den Straßenraum attraktiv halten kann, damit er zu einem neuen Platz der Stadt wird«.

Mehr zur Debatte über die Neue Mitte lesen auch auf einer Sonderseite in der Printausgabe der FN vom Wochenende. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Stadt, Investor, Handel und Bürgerinitiative veranstalten die Fürther Nachrichten am Montag, 19. Januar (19.30 Uhr), in der Stadthalle. 

Wolfgang Händel

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