Neuer Wanderführer zeigt die grüne Vielfalt Fürths

6.4.2014, 11:00 Uhr
Auch der Solarberg bei Atzenhof — hier von einer Schafherde okkupiert — ist Teil einer Wandertour.

Auch der Solarberg bei Atzenhof — hier von einer Schafherde okkupiert — ist Teil einer Wandertour. © Hans-Joachim Winckler

Zur Vorstellung der neuen Broschüre kommt Oberbürgermeister Thomas Jung mit einem silbernen Mercedes. Allerdings wird das Fahrzeug von Muskelkraft angetrieben und ist umweltfreundlich — es handelt sich um ein Fahrrad der schwäbischen Luxus-Automarke.

Auf zwei Rädern hat auch Gerhard Brunner alle zehn Touren seines neuesten Ratgebers abgefahren. Manchmal musste er jedoch über einen Trampelpfad schieben. Zehn Wege hat sich der Biologe aus Schwabach insgesamt ausgedacht, zu jedem gibt es ein eigenes Faltblatt, das mit einer Karte und Fakten über Höhepunkte und Umgebung der Route informiert. „Wir wollen den Leuten die Augen für die Natur direkt vor der Haustür öffnen“, sagt Reinhard Scheuerlein, Vorsitzender des örtlichen Bundes Naturschutz (BN), der Brunner bei Recherche und Umsetzung half.

Fürth hat viel zu bieten, findet Brunner: 13 Landschaftsschutzgebiete, 16 Naturdenkmäler und 430 Biotope zählt er auf. Herausragend seien jedoch der Bucher Landgraben und das Farrnbachtal mit ausgedehnten Feuchtgebieten. „Die findet man so weder in Erlangen noch in Nürnberg“, sagt der Experte. Sie sind die Heimat vieler Arten, etwa der schilfähnlichen Röhrichtpflanzen. Auch Fürths OB ist vom Reichtum der Kleeblattstadt überzeugt: „Bei uns werden wieder Störche, Biber und Forellen heimisch“, sagt er. Das sei ein Zeichen für steigende Umweltqualität.

Vorstellung der neuen Naturwander-Broschüre für die Kleeblattstadt mit Gerhard  Brunner (Biologe).

Vorstellung der neuen Naturwander-Broschüre für die Kleeblattstadt mit Gerhard Brunner (Biologe). © Thomas Scherer

Zwischen zwei und dreieinhalb Stunden ist man zu Fuß pro Spaziergang unterwegs. Wer sich die Röhrichtbestände ansehen will, absolviert Tour fünf. Sie führt vom Bahnhof Vach an Ausläufern des Knoblauchslands vorbei über die Gründlach-Mündung bis zum Regnitzufer. Wie bei allen Wegen sind Start- und Endpunkt mit dem ÖPNV zu erreichen.

Über ein Jahr und hunderte Stunden hat Brunner über dem Naturführer gebrütet. Der Biologielehrer ist beileibe kein Neuling auf dem Gebiet: Für Nürnberg, Erlangen und Schwabach hat er bereits ähnliche Wegweiser entworfen. Damit Fürth nicht außen vor bleibt, ist er mit seinem Projekt auf die Stadt zugegangen. Nicht nur das Rathaus unterstützte die Idee: Auch die Sparkasse Fürth und die infra haben je 2000 Euro spendiert. Insgesamt hat das Projekt etwa 10000 Euro gekostet.

Doch nicht nur die schönen Seiten sind in der Fibel Thema. „Ich will die Leute auch zu Diskussionen und zum Nachdenken anregen“, sagt Brunner. So sei die Natur beispielsweise von dem geplanten Hüttendorfer Talübergang bedroht. Bürger aus Vach erhoffen sich dadurch Entlastung vom Durchgangsverkehr, der BN hingegen kritisiert das Vorhaben. Nicht immer ist jedoch der Mensch schuld: Im Sumpfgebiet des Fuchswaldes etwa wuchert das Himalaya-Springkraut und bedroht damit andere Pflanzen.

Thomas Jung will einige der Touren testen: „Ich mache eine Probewanderung und gebe dann Rückmeldung“, sagt er, bevor er auf den Silberpfeil steigt und davonbraust.

Der Wanderführer „Natur in Fürth“ kostet 3 Euro und kann ab Montag in der Bürgerinformation am Rathaus (Königstraße 86), der Touristeninformation (Bahnhofplatz 2) und beim Bund Naturschutz (Mohrenstraße 2) gekauft werden.

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