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"next to normal": Abschied vom Erfolgsmusical

Für eine Produktion der Superlative fällt am Sonntag der Vorhang im Stadttheater - 31.05.2015 12:20 Uhr

Interessanter Stoff, starke Musik, sehr starke Hauptdarsteller: "next to normal" wurde zum Erfolg. © Thomas Langer


Stehende Ovationen und viele, sehr viele feuchte Zuschauer-Augen: „next to normal“, von Regisseur und Übersetzer Titus Hoffmann nach Fürth geholt, hatte alles, was man gemeinhin einen Theatercoup nennt - ein gut erzählter, irritierend interessanter Stoff, starke Musik und sehr starke Hauptdarsteller aus der Ersten Musical-Liga. Was sich bei der Deutschsprachigen Erstaufführung am 11. Oktober 2013 im Fürther Haus abspielte, machte nicht nur in Fachkreisen blitzschnell die Runde. Hoffmann hatte zweifellos ein goldenes Händchen, als er sich die Rechte für Tom Kitts und Brian Yorkeys Werk ergatterte. Und Intendant Werner Müller hat ein Problem mehr: Wie lässt sich solch ein Erfolg wiederholen?

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Erfolgsmusical "next to normal": Am Sonntag fällt der Vorhang

Vor anderthalb Jahren wurde die Premiere bejubelt, nun muss sich Fürth vom preisgekrönten Musical verabschieden: "Fast Normal - next to normal" wird am Sonntag zum letzten Mal auf der Bühne des Stadttheaters zu sehen sein.


Auf die zehn Abende der vorangegangenen Spielzeit - hier entstand die Live-Originalaufnahme auf Doppel-CD - ließ das Stadttheater 2014/15 eine Wiederaufnahmeserie von weiteren zehn Aufführungen folgen, die letzte geht nun am Sonntag um 18 Uhr über die Bühne. Für Pia Douwes, gefeierte Darstellerin der Diana Goodman, waren es jedoch nicht ganz 20 Vorstellungen.

Am 8. Mai erreichte Intendant Werner Müller mitten in der Präsentation der neuen Spielzeit der Anruf der maladen niederländischen Sängerin und Schauspielerin; sie sei nicht imstande, die Abendvorstellung von „next to normal“ zu singen. Zwar traf sie mit dem Flieger rechtzeitig in Nürnberg ein, doch der Abend geriet zur improvisierten Nummer ohne Netz und doppelten Boden - und ohne Douwes, dafür aber mit Hoffmann, der den Zuschauern erzählte, welchen Song sie nun eigentlich hätten zu hören kriegen sollen. Aus der Vorstellung wurde laut Stadttheater-Pressesprecher Christof Goger „eine ausgedehnte Autogrammstunde“, eine Ersatz-Vorstellung gab es tags darauf am Nachmittag.

Inzwischen war Kristin Hölck vom Landestheater Linz eingetroffen, just dort hatte „next to normal“ im Januar 2014, also knapp drei Monate nach den Fürthern, Österreichische Erstaufführung. Linz spielte die Hoffmann-Übersetzung ebenso wie Hildesheim, das im Frühjahr 2014 als bislang letzte deutschsprachige Bühne folgte; erst in wenigen Tagen ist das Berliner Renaissance-Theater an der Reihe. Sprich: Aktuell sind kaum mehr als drei, vier Sängerinnen in der Lage, die „next to normal“-Diana in deutscher Sprache zu geben. Ein Alptraum für Intendanten und Disponenten. Einspringerin Kristin Hölck, mit drei Monate altem Säugling im „Gepäck“, sang in Fürth am Nachmittag des 9. Mai und an den beiden folgenden Abenden von der Seite, Douwes agierte stumm auf der Bühne. Der Jubel: grenzenlos.

Gute Nachricht für alle, die der Dernière am Sonntag beiwohnen: Douwes ist vollständig wiederhergestellt. Gute Nachricht auch für Douwes-Fans, die sich auf ein Wiedersehen und -hören mit ihr freuen: „Träume“ heißt ihr neues Soloprogramm mit Songs zwischen Pop, Musical, Country und Blues. Premiere ist im Stadttheater im Herbst. Für diesen Abend ist der Vorverkauf vorgezogen worden, es gibt also bereits Karten.

„Träume“: Pia Douwes (Gesang) und Bernd van den Bos (Klavier), 25. November, 19.30 Uhr, Stadttheater. Karten (11-46 Euro) im FN-Ticket-Point, Rudolf-Breitscheid-Straße 19, Tel. 77 98 70).

Der Text wurde am 31. Mai aktualisiert. 

MATTHIAS BOLL

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