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Nicht nur in Zirndorf: Kitas in finanziellen Nöten

Obwohl der Freistaat die ausgesetzten Elterngebühren erstatten will, gibt es Probleme - 25.05.2020 06:55 Uhr

Noch sind im Kinderhaus in der Zirndorfer Kernstadt viele Hausschuhe ungenutzt. „Doch die Kinder werden mehr, Personal und Räume nicht“, sagt Gabi Bohrer. © Foto: Rike Siebenhaar


Obwohl der Freistaat zugesagt hat, die Elterngebühren zu erstatten, steuern Sie bis Ende August auf ein Defizit von 161 000 Euro zu. Wie das?

Rechnen kann ich mit dem, was mir schriftlich zugesagt ist. Doch bisher wissen wir als freie Träger nur über drei Ecken und aus den Medien, dass die Elterngebühren erstattet werden sollen. Als den Betreuungseinrichtungen freigestellt wurde, die Beiträge auszusetzen und das Angebot des Freistaats anzunehmen, war noch von einer Erstattung die Rede. Mit den Elternbeiträgen decken wir 33 Prozent unserer Kosten. Hinterher hat sich dann herausgestellt, dass es nur Pauschalen werden. Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen.

 

Gabi Bohrer (58) gehörte 1996 zu den Mitbegründern des Familienzentrums (FZ). Als freier Träger kümmert sich der eingetragene Verein an vier Standorten in Zirndorf um die Betreuung von 270 Kindern im Alter von wenigen Monaten bis zehn Jahren. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitete von Beginn an in verantwortlicher Stellung mit, heute ist sie geschäftsführende Vorsitzende des Familienzentrums. © Foto: Thomas Scherer


Was ist das Problem mit den Pauschalen?

Die Rede ist von 200 Euro für jedes Krippenkind und von jeweils 150 Euro für Kindergarten- und Schulkinder im Hort – unabhängig von den Betreuungszeiten. Da ergeben sich riesige Differenzen, und das trifft alle Einrichtungen. Selbst wenn wir die Pauschale vom Freistaat bis Ende August erhalten, fehlen uns 21 500 Euro, bei denen nicht klar ist, von wem die kommen sollen.

 

Und an wen können Sie sich wenden in Sachen Defizitausgleich?

Dazu haben wir über CSU-Stadträtin Ines Spitzer von der Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger die Information erhalten, dass wir uns dann doch an die Kommune als eigentlichen Träger der Kinderbetreuung wenden mögen. Was vielleicht daran liegt, dass man im Landtag davon ausgeht, dass viele Kommunen selbst ihre Kindergärten betreiben. Aber die Landschaft ist bunt. In Zirndorf gibt es keinen einzigen kommunalen Kindergarten.

Wir wollen jetzt alle diese freien Träger informieren, um uns gemeinsam mit dem Problem an die Stadt zu wenden.

 

Die wird sich freuen...

Das ist mir klar, denn sie muss selbst mit erheblichen Einnahmeausfällen rechnen. Interessant ist auch, dass der Freistaat etwas anordnet, wofür dann letztlich die Kommunen geradestehen sollen. Fakt ist, wir kriegen von den Eltern derzeit nichts mehr und von der Regierung noch nichts.

 

Aber Sie können Ihre laufenden Geschäftskonten sicher nicht so massiv überziehen. Wie finanzieren Sie das Personal weiter?

Zurzeit aus unseren Rücklagen, was aktuell noch funktioniert, weil selbst wir als eingetragener Verein zumindest die Gehälter unserer 74 Mitarbeiter für drei Monate vorhalten müssen. Sonst würden wir jetzt ganz schön alt aussehen.

 

Und mit welchen Gefühlen begegnen Sie den angekündigten Lockerungen?

Da schlagen, ehrlich gesagt, zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits sehe ich die Not der Eltern, die an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen, und die der Kinder, die eigentlich die Strukturen des Kita-Alltags bräuchten. Andererseits: Wenn wir ab nächster Woche Vorschulkinder und deren Geschwister aufnehmen sollen, sind wir gezwungen, unser Hygienekonzept, das Basis der bisherigen Notbetreuung ist und auch gut funktioniert, aufzuweichen. In Kindergarten und -krippe "mittendrin" im Pinderpark besuchen derzeit 14 Kinder die Notbetreuung in vier Gruppen. Im Kinderhaus "klitzeklein & riesengroß" in der Kernstadt betreuen wir 42 Kinder in sieben Gruppen und zwar so, dass sie sich trotz des offenen Raumkonzepts nicht begegnen. Sie müssen sogar gestaffelt kommen. Noch können wir die Kinder also in relativ kleinen Gruppen in abgeschlossenen Bereichen wie in einer Blase betreuen. Zusätzliche Gruppen können wir nicht bilden, dazu fehlen uns die Räume und das Personal, also müssen die bestehenden erweitert werden. Ich gehe davon aus, dass es den anderen Einrichtungen genauso geht. Diese Perspektiven machen mir Sorge, denn ich sehe unsere Verantwortung – für die Kinder und für unsere Mitarbeiter.

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