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Oberasbach: Architekturstudenten liefern Ideen für urbanes Quartier

Mit viel Fantasie haben sie Visionen für den östlichen Stadtrand entworfen - 06.11.2020 10:15 Uhr

Das Areal zwischen Rothenburger Straße und Hainberg, auf dem auch der alte Kreisbauhof liegt, bietet sehr viel Potential. Die angehenden Architekten der TH Nürnberg durften, frei von Zwängen jeder Art, mit Blick auf künftige Nutzungsmöglichkeiten, ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

01.11.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Aufgrund des starken Gefälles wird bei Entwurf „Nr. 5“ das Gelände mit Treppen erschlossen.

01.11.2020 © Entwurf: Marie Lohbauer/Lousa Samfaß, Fak. Architektur/TH Nürnberg


Manchmal gibt es wunderbar bildhafte Vergleiche – etwa den: Oberasbach sei die Schweiz des Landkreises. Der Satz stammt von Birgit Huber. Die Bürgermeisterin hatte dabei aber weder die Kassenlage vor Corona noch die Petershöhe im Sinn. Nein, ihr ging es mehr um die Größe ihrer Stadt. Doch wo liegt das Problem?


Bedrängtes Gewerbe in Oberasbach


Oberasbach ist klein, sollte das heißen. Bemerkbar macht sich das regelmäßig immer dann, wenn sich die Diskussionen um Flächen für Wohnen oder Gewerbe drehen. Viele Menschen möchten hier leben oder ihr Geschäft dort betreiben. Doch die Frage lautet: Wo?

Wobei, ein entsprechendes Areal, zehn Hektar groß und für beide Zwecke geeignet, gäbe es. Am östlichen Stadtrand, verkehrsgünstig an der Rothenburger Straße und in wenigen Jahren sowohl am geplanten Radschnellweg, als auch nahe am Endhaltepunkt der U-Bahnlinie 3 gelegen, dazu direkt angrenzend ans Naturschutzgebiet Hainberg.

Was wäre auf so einer Fläche eigentlich möglich? Darüber haben sich 70 Studentinnen und Studenten der Architektur an der Technischen Hochschule Nürnberg (TH) bereits im abgelaufenen Wintersemester Gedanken gemacht. Die Zusammenarbeit mit der TH hat in Oberasbach schon eine gewisse Tradition, so hatten sich vor achte Jahren ebenfalls angehende Architekten, Gedanken gemacht, wie man die inzwischen realisierte Stadt-Promenade gestalten könnte.

Die Corona-Pandemie kippte die vorgesehene Ausstellung inklusive Präsentation. Letztere übernahm nun Professor Ingrid Burgstaller jüngst im Stadtrat. Vorab wurden die Kommunalpolitiker gleich zwei Mal gewarnt: "Nicht wundern, da steckt viel Fantasie drin", riet Norbert Schikora, der die Sitzung für die erkrankte Bürgermeisterin leitete. Und auch Ingrid Burgstaller schickte noch einen Satz hinterher: "Keine Angst, wenn mal ein Häuschen weg ist."

Frei von Zwängen gestalten

Von Bestehendem sollten sich die angehenden Architekten schließlich nicht unbedingt bremsen lassen, "sondern vielmehr frei von Zwängen nachdenken" und ohne jegliche Selbstbeschränkung sehr ungewöhnliche und kreative Ideen erarbeiten. Die Aufgabe: ein urbanes Gebiet mit unterschiedlichen Nutzungen zu entwerfen.

Wer die 160 Seiten starke Broschüre mit Plänen, Modellskizzen und Fotos durchblättert, erkennt eines sofort: Die Fünftsemester haben sich nicht nur mit Akribie und hohem Aufwand mit der Aufgabenstellung beschäftigt. Sie verkaufen ihre Ideen auch bereits in bestem PR-Sprech. So finden sich unter den 32 Entwürfen klangvoll betitelte Werke wie "Griff ins Grüne" , "9 Blocks", "Hainberg Hand" oder einfach nur "Projekt H".

Das Beste kommt zum Schluss

Dass es sich lohnt zu warten, erfuhren die Stadträte nach rund 30 Minuten, als Ingrid Burgstaller mit ihrer Präsentation schließlich bei "Nr. 5" angelangt war: Die Professorin lobte das Konzept von Marie Lohbauer und Louisa Samfaß als "beste Arbeit".

Eine "Dorfstraße" führt bei "Nr. 5" in Ost-West-Richtung durch das Quartier. Daran angebunden sollen kleine Plätze mit Cafés und Läden sowie ein Hauptplatz mit Gemeindehaus für einen belebten Charakter sorgen. Von der bestehenden Wohnsiedlung aus den 1960er Jahren leitet die Dorfstraße weiter zum Gewerbegebiet, das aufgefüllt den Lärmpuffer zur Rothenburger Straße bildet. Als Übergang zum Wohnareal übernimmt ein Sportplatz die Aufgabe als "Interaktionsfeld".

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Von der Hauptroute gehen drei kleinere Nebenstraßen ab. Ansonsten, auch um das starke Gefälle auszugleichen, wird das Areal über Treppen erschlossen. Plätze oder ein gemeinschaftlich genutzter Innenhof fungieren als "Austauschplattformen". Autos werden verbannt, in Parkhäuser an den westlichen und östlichen Eingängen zur Siedlung. Das Zweierteam habe den Entwurf nicht nur intensiv durchgearbeitet, sondern auch "immer weiter verfeinert", sagte Burgstaller.

Wo sind die Einfamilienhäuser?

Doch dann fehlte doch etwas: Christian Jäger (SPD) vermisste bei all den Planspielen die Einfamilienhäuser. Das sei für Oberasbach die charakteristische Bebauung, erwiderte Ingrid Burgstaller. Aber zum einen docke man an Mehrfamilienhäuser an, zum anderen sei verdichtete Bebauung eben genau jene Wohnform, die der Stadt fehle. Und wenn man an so etwas denke, "dann ist das der richtige Ort".

Darüber Gedanken machen werden sich die Kommunalpolitiker, wenn es darum geht, den Flächennutzungsplan zu überarbeiten. "Das wollen und müssen wir tun", sagte Norbert Schikora. Hilfreich seien die Gedanken der angehenden Architekten gewesen. Denkanstöße lieferten sie, um zu sehen, was denkbar wäre: "Mehr war nicht beabsichtigt." Um sein Häuschen muss also kein Oberasbacher bangen.

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