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P&P: Keine Hauruck-Aktionen

Erklärungen zum Bauprojekt Möbel Maag in Dambach — Altlasten im Erdreich - 27.07.2012 16:00 Uhr

Zwei Schilder am Rand von Dambach markieren, was schwer zu vereinbaren ist: die sensible Nahtstelle zwischen Wasserschutz- und Wohngebiet. © Mark Johnston


Es geht um ein Grenzgebiet, um die sensible Nahtstelle zwischen Wasserschutz- und Wohngebiet am Rand des Wiesengrunds in Dambach. Hier, in der „engeren Wasserschutzzone“, will P&P „keine Hauruck-Aktionen“, wie Geschäftsführer Michael Peter jetzt versicherte. Doch wolle man einen „städtebaulichen Schandfleck beseitigen“. Im zunehmend verfallenden Möbelhauskomplex sollen „nicht ganz 20“ Wohnungen entstehen, und gegenüber, auf brachliegenden Grundstücken, die P&P Stadt und infra abgekauft hat, drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus mit Pkw-Stellplätzen sowie einem Spielplatz.

Der Stadtrat hat das im Mai mehrheitlich abgesegnet. Harald Riedel (Grüne) stimmte dagegen. „Wir haben bei solchen Projekten sonst dicke Unterlagen“, kritisierte er. Doch hier habe die Entscheidungsgrundlage aus einer halben Seite Text bestanden. Reinhard Scheuerlein, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) in Fürth, sprach gar von einer „geheimen Kommandosache“. Baureferent Joachim Krauße konterte: „Wir betreiben keineswegs Geheimniskrämerei.“ Er verwies auf öffentliche Sitzungen, auch als das betreffende Areal im Jahr 2010 zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, und auf einen „intensiven Schriftwechsel“ mit dem BN. Zu manch schwammiger Formulierung in den Unterlagen, wo etwa vage von einer „maßvollen Bebauung“ die Rede ist, meinte Krauße: „Das konnten wir nicht anders schreiben, die Planung war ja noch nicht so weit fortgeschritten.“ Der Referent versicherte, alle beteiligten Behörden hätten „sehr intensiv um eine positive Lösung gerungen“ — und diese mit dem geplanten Lückenschluss zwischen dem Maag-Komplex und dem Rest von Dambach seiner Ansicht nach auch gefunden.

Dass das Wasserwirtschaftsamt an dieser Stelle überhaupt eine Ausnahme vom Bauverbot in einem Schutzgebiet macht, erklärte Krauße, liege auch daran, dass es hier schon „relativ viel Baubestand gab“, als die Wasserschutzzone festgelegt wurde. Wie berichtet, hat P&P seine anfänglichen Pläne abgespeckt. Von mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern ist keine Rede mehr. Die in den Talraum ragenden Ausstellungshallen von Möbel Maag sollen abgerissen, die Fläche renaturiert werden. 2400 Quadratmeter Grund seien aktuell auf dem gesamten Gelände versiegelt, sagte Peter und kündigte an, später wären es 500 Quadratmeter weniger.

„Städtebaulicher Schandfleck“: Die in den Talraum ragenden früheren Ausstellungspavillons von Möbel Maag sollen abgerissen werden. © Mark Johnston


Mit den Abbruch- und Bauarbeiten möchte der P&P-Chef im Herbst oder Frühjahr beginnen. Seine Firma muss dann aber zunächst für voraussichtlich 100.000 Euro Altlasten beseitigen. Peter zufolge ist in einem Keller des Maag-Komplexes vor Jahren aus einem leckgeschlagenen Tank Öl in den Untergrund gesickert. 2009, noch bevor P&P Grundstückseigentümer wurde, habe das ein Gutachter festgestellt, bestätigte Jürgen Tölk, stellvertretender Leiter des Amtes für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz. Rund 50 Kubikmeter Erdreich seien auszukoffern. Tölk sprach von einem „vergleichsweise hohen Schaden im Wasserschutzgebiet“. Aber: Die Trinkwasserbrunnen der Stadt seien mehrere Hundert Meter entfernt und nicht bedroht, wie Kontrollen zeigten.

P&P darf, das ist eine Auflage des Wasserwirtschaftsamtes, auf dem gesamten Gelände nicht in die Tiefe bauen. Keller wie Tiefgaragen sind tabu. Also hat der Bauträger vor, Carports und, an der Fuchsstraße, Kfz-Stellplätze anzulegen. Kalkuliert werde pro Wohnung mit einem Parkplatz, sagte Peter. Nicht nur dem BN-Vorsitzenden Scheuerlein erschien das „knapp bemessen“. Allgemeine Skepsis zeigte sich unter den rund 60 Zuhörern im Saal auch bei dem Hinweis, dass P&P 31 von 46 Bäumen stehen lassen will: Sie frage sich, wie die Bagger diese umfahren wollen, meinte eine Frau, und wie viele Bäume dann wirklich überleben. Klar ist, dass P&P ein Artenschutz-Gutachten vorlegen muss. Dort, wo die Firma bauen will, sollen streng geschützte Tierarten wie der Gartenrotschwanz und die Zwergfledermaus vorkommen.

Was man sich unter einem „maßvollen Ausbau der Weiherhofer Straße“ vorzustellen habe, wie es in den Unterlagen zum jüngsten Stadtratsbeschluss heißt, wollten die Anwohner ferner wissen. Ob da womöglich bald der Durchgangsverkehr durchrollt? Baureferent Krauße winkte ab. Das P&P-Projekt, stellte er klar, erfordere keinen Straßenausbau. Zu regeln sei lediglich ein Kuriosum, da sich in der Weiherhofer Straße ein Stück öffentlicher Kanal auf privatem Grund befinde. Dazu aber werde es eine gesonderte Bürgeranhörung geben. 

VON BIRGIT HEIDINGSFELDER

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