Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Fans

4.10.2011, 18:00 Uhr
Unter den Augen der Polizei verlassen SpVgg-Fans das Karlsruher Stadion. Der Zusammenstoß hatte sich allerdings noch vor der Partie ereignet.

Unter den Augen der Polizei verlassen SpVgg-Fans das Karlsruher Stadion. Der Zusammenstoß hatte sich allerdings noch vor der Partie ereignet. © Wolfgang Zink

Fünf Stunden Fahrt lagen hinter den 200 SpVgg-Anhängern, die Sonntagmittag mit dem Zug im Karlsruher Bahnhof ankamen. Dort warteten bereits zwei Gelenkbusse, um sie zum Stadion zu bringen. Doch dann eskalierte die Situation.

Die Polizei spricht von „tumultartigen Szenen, ausgehend von 40 Fürther Ultra-Fans“. Einsatzkräfte seien beleidigt, eine Beamtin durch einen Tritt verletzt worden. „Zur Bereinigung der Lage kam es zu einem kurzfristigen Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken“, teilte ein Sprecher der baden-württembergischen Polizei auf FN-Anfrage mit. Dass etwas vorgefallen sein musste, war auch im Stadion deutlich zu sehen. Einige SpVgg-Anhänger setzten sich auf der Gäste-Tribüne so zusammen, dass die Zahlen 1-3-1-2 entstanden, was den Buchstaben ACAB entspricht. Dahinter wiederum steckt nach Polizeierkenntnissen der englische Satz „All Cops are Bastards“, zu deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde.

Vonseiten der SpVgg heißt es, man trage noch Informationen zu dem Vorfall zusammen. Nicolas Heckel, der Fan-Beauftragte des Vereins, bestätigte aber schon einmal, dass es zu einem Zusammenstoß gekommen ist. Heckel war wie üblich mit den Anhängern im Zug angereist, die Stimmung sei friedlich gewesen. „Da ist nicht mal eine Bierflasche umgefallen.“

Nach seinen Worten hinderte die Polizei am Bahnhof die vorwärtsdrängenden Fans daran, in die Busse einzusteigen, die für sie bereitstanden. „Warum das so war, weiß ich nicht“, betont Heckel. Auch der Polizeisprecher konnte am Dienstag dazu nichts sagen. Feststeht: Ein junger Fürther Anhänger musste wegen des Pfeffersprays im Krankenhaus behandelt werden. Laut Heckel erwägt er, Anzeige zu erstatten. Der SpVgg-Fanbeauftragte will am Mittwoch mit weiteren Augenzeugen sprechen und erst einmal die Stellungnahme der Polizei abwarten, „bevor wir reagieren“.

Erinnerungen an München

In den Grundzügen ähnelt der Vorfall den Vorkommnissen beim Pokalspiel der SpVgg gegen den FC Bayern in der Münchner Allianz-Arena im Februar 2010. Wie ausführlich berichtet, drängten auch damals Fürther Fans, die wegen des Schneetreibens zu spät gekommen waren, aus den Bussen in ihren Block. Die Polizei ging überhart gegen die Anhänger vor. Im Nachhinein wurden Disziplinarverfahren gegen vier Beamte eingeleitet.

Allerdings: Laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa) ereignete sich an diesem Sonntag auf der Rückreise von Karlsruhe ein weiterer Zwischenfall. Beim Umsteigen im Würzburger Hauptbahnhof sollen 100 SpVgg-Fans versucht haben, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, um zehn Fans des Bayernligisten Würzburger FV anzugreifen. „Die meisten von ihnen seien betrunken und gewaltbereit gewesen. Mit Pfefferspray konnten die Einsatzkräfte die Fans zurückdrängen und eine Prügelei verhindern“, schreibt die dpa offenbar unter Berufung auf die Polizei.

Der Fan-Beauftragte Heckel macht klar, dass er dazu nicht viel sagen kann. In Würzburg hatten die Fans 20 Minuten Aufenthalt. Als es zu dem Polizeieinsatz kam, habe er bereits im Anschlusszug gesessen und auf die Weiterfahrt nach Fürth gewartet. Später habe ihn dann im Zug ein Kontaktbeamter der Polizei per Handy darüber informiert, dass es im Bahnhof zu einem „Gerangel“ gekommen sei.

Die dpa-Meldung hält er daher für übertrieben. „Das klingt, als wären wir kurz vor kriegsähnlichen Zuständen gewesen“, sagt Heckel. „Und das hätte ich dann schon mitbekommen.“

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