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Pilotprojekt: Mittelfranken hat Futsalliga für Mädchen

Bei den Fürther Fußballvereinen ist die Meinung darüber gespalten - 09.01.2019 19:01 Uhr

Das Thema Futsal spaltet wie bei den Männern auch die Fußballerinnen: Die einen mögen es, die anderen verachten es. Die SpVgg Greuther Fürth, hier Jule Schneider (in Grün), ist in der U 15-Bezirksliga dabei. © Andreas Goldmann


„Ich bin eben eine Verrückte“, sagt Kornelia Bayer, die Bezirksvorsitzende Frauen- und Mädchenfußball beim Bayerischen Fußballverband, lachend auf die Frage, wie sie zu der Idee kam, eine Futsalliga zu gründen. „Das war eine Schnapsidee. Ich habe bei meinen Vereinen angefragt, ob sie Lust hätten, mitzumachen, und es haben sich gleich einige gefunden.“

Futsal ist eine Variante des Hallenfußballs ohne Bande und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. So soll 2020 bei den Männern sogar eine eigene Futsal-Bundesliga eingeführt werden. Bei den Frauen und Mädchen ist daran wohl noch nicht zu denken. Bis dato gab es in ganz Bayern den Futsal im Frauenbereich nur in Turnierform. Mittelfranken hat nun dieses bisher einmalige Pilotprojekt als Liga gestartet – und die Resonanz ist gut.

Auf den ersten Blick kann man leicht den Überblick verlieren. Parallel zu den Futsal-Bezirksligen findet nämlich noch die bekannte Hallenmeisterschaft – zunächst auf Kreis-, dann aber eben auch auf Bezirksebene – statt. Auch da wird nach Futsalregeln gespielt. Der größte Unterschied liegt in der Spielzeit. Während bei den Turnieren maximal zwölf Minuten gespielt wird, hat ein Ligaspiel zwei Halbzeiten zu je 20 Minuten. In der Liga wird an mehreren Spieltagen gespielt, während die Turniere immer an einem Tag abgespult werden.
„Viele Spielerinnen, Eltern und Trainer haben keinen Bock mehr, einen ganzen Tag in der Halle zu verbringen. Da sind die Futsalliga-Spieltage weniger langwierig“, berichtet Bayer.

Der gleichen Meinung ist auch Jürgen Batroff, Trainer des TSV Zirndorf: „Ich finde die Futsalliga prima. Technisch anspruchsvoller, weniger Gebolze und aufgrund der Spielzeit ist man nicht so lange in der Halle.“

Das sehen aber längst nicht alle Beteiligten als Vorteil. Jessica Metzner, Stürmerin des SV Poppenreuth, findet: „Das ist nicht so das Wahre, mit den einzelnen Spieltagen. Vielleicht sollte man lieber die Spielzeit etwas verkürzen und dafür ein Wochenende durchkicken.“

Nicht allen gefällt es

Futsal selbst gefällt Metzner aber immerhin ganz gut, was auch nicht alle ihre Kolleginnen so sehen. Manche Spielerin wünscht sich gar den klassischen Hallenfußball mit Rundumbande zurück. Dazu wird es aber wohl nicht mehr kommen: „Futsal ist das kommende Ding“, ist sich Bayer sicher und kann sich bestätigt fühlen.

Bei den Frauen sind immerhin neun Teams am Start. Neben dem SV Poppenreuth – der als einzige Fürther Mannschaft in allen vier Altersklassen bis hinunter zur U 13 dabei ist – mischt auch der TSV Zirndorf mit. Bei der U 17 wäre gerne auch die SpVgg Greuther Fürth mit in der Liga dabei. „Das wäre für uns sehr interessant gewesen, aber wir haben das durch unseren Spielplan terminlich leider nicht unterbekommen“, bedauert Peter Münz. Dafür sind die Kleeblätter bei der U 15 dabei. Für Trainerin Lena Bieber stehen dabei drei Dinge besonders im Fokus: der Spaß, die Möglichkeit, sich direkt für die Hallenbezirksmeisterschaft in der nächsten Saison zu qualifizieren, und die Spielpraxis, die sich ihre Spielerinnen beim Futsal holen können.

„Ein wenig an der Technik feilen“, ist auch eines der Ziele, die Jürgen Batroff mit der Teilnahme seiner Zirndorferinnen verfolgt.
Genau diese Möglichkeit wird in anderen Bezirken allerdings eher argwöhnisch verfolgt. „Das ist ja fast Wettbewerbsverzerrung, wenn die dann gegen uns auf bayerischer Ebene spielen“, war in den sozialen Medien mehrmals zu lesen. Diesen Einwand kann Kornelia Bayer so nicht stehen lassen: „Die sind doch selbst schuld“, sagt sie schulterzuckend, „die könnten ja auch eine Futsalliga gründen.“

In Mittelfranken scheint sich der Futsal bei den Frauen und Mädchen zu etablieren. „Die Vereine, die dieses Jahr schon dabei sind, wollen alle auch im nächsten Jahr wieder mitspielen, und ich habe jetzt schon wieder welche, die beim nächsten Mal einsteigen wollen“, freut sich Bayer über die große und positive Resonanz auf ihre „Schnapsidee“. 

Andreas Goldmann

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