Platz zum Flanieren

24.5.2013, 13:00 Uhr
Ihr Vorschlag, wie das Umfeld des markanten Rathaus-Oktogons gestaltet werden könnte, machte das Rennen im Architekten-Wettbewerb (von rechts): Michaela Messmer, Edgar Tautorat und Jörg Franke.

Ihr Vorschlag, wie das Umfeld des markanten Rathaus-Oktogons gestaltet werden könnte, machte das Rennen im Architekten-Wettbewerb (von rechts): Michaela Messmer, Edgar Tautorat und Jörg Franke. © Thomas Scherer

Frauen können manchmal Dinge ganz wunderbar in Worte packen. „Sie haben Ihre Rathaus-Passagen lieb gewonnen“, sagte Michaela Messmer, die zusammen mit ihrem Kollegen Jörg Franke und dem Landschaftsplaner Edgar Tautorat das Rennen gemacht hatte, an die Adresse der im Rathaus-Foyer versammelten Kommunalpolitiker und städtischen Mitarbeiter. Vom Charme der 70er Jahre, „der sich einem vielleicht nicht sofort erschließt“, sprach die Architektin mit Blick auf die angejahrten und wenig attraktiven Ladenzeilen. Und, dass es darum gehe, dem Areal „alte Lebendigkeit zurückzugeben“. Wie sich die Wettbewerbsgewinner das vorstellen, davon können sich die Oberasbacher bis zum 31. Mai noch selbst ein Bild machen. So lange ist die Ausstellung im Rathaus mit den Plänen aller sieben Teilnehmer zu sehen.

Interessant ist dabei vor allem, was sich die Experten für die Fläche nördlich des Rathauses vorstellen, die von der Vorderen Hochstraße und der Kurt-Schumacher-Straße abgegrenzt wird. Wo sich heute das wenig ansehnliche Parkdeck über der städtischen Tiefgarage und die Wiese des Festplatzes erstreckt, soll künftig „ein Platz entstehen, auf dem suburbanes Leben stattfindet“, wie es der Architekt Jörg Franke formulierte.

Im Wesentlichen sieht der Entwurf zwei Baukörper vor, die im Osten des jetzigen Festplatzes stehen und dabei zusammen in der Formgestaltung an den nach vorne offenen Bug eines Schiffes erinnern. Wer die Pläne genauer studiert, kann auch schon die Überlegungen zu einer möglichen Nutzung lesen: Technisches Rathaus, Bibliothek oder VHS ist da vermerkt, aber auch Läden und SeniorenWohnungen.

An der Vorderen Hochstraße in Richtung des jetzigen Parkdecks haben die Architekten ein sogenanntes „Stadtmöbel“ platziert. Das meint, wie Bürgermeisterin Birgit Huber auf FLN-Nachfrage erläutert, eine mit Glas durchsetzte Wand. Dort könnte sich zur Straße hin die Bushaltestelle wiederfinden. Auch Rad-Parkplätze sind geplant. Außerdem, so die Planungsfachleute, böte das „Möbel“ zum Platz hin eine ideale Fläche für eine Leinwand. So bestünde die Chance, dass die Oberasbacher irgendwann einmal gemeinsam bei WM- und EM-Fußballspielen mitfiebern.

Raum für Feste

Da dieser Part als „Realisierungswettbewerb“ definiert war, hatte die Stadt den Architekten ganz bestimmte Vorgaben gemacht, beispielsweise, was die Funktionalität des Platzes anging: Kirchweih, Weihnachts- und Trempelmarkt sollen schließlich auch in Zukunft hier stattfinden. 60 Parkplätze sind außerdem oben vorgesehen, dazu kommen noch Kapazitäten unter der Erde. Dafür muss nicht nur die alte städtische Tiefgarage abgerissen und neu gebaut werden. Die besagten beiden Gebäude im Osten des Platzes sollen ebenfalls unterirdischen Parkraum bekommen, wobei die beiden Tiefgaragen über eine gemeinsame Zufahrt erschlossen werden sollen.

In einer zehnstündigen Marathonsitzung im Rathaus hatte das 15-köpfige Preisgericht mit Vertretern aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung, der Regierung von Mittelfranken, des Landratsamtes und der Stadt Anfang Mai in einer anonymisierten Konkurrenz die Gewinner gekürt. Nach vielen Diskussionen und Vorträgen sicherte sich das Trio Franke, Messmer und Tautorat den mit 16000 Euro dotierten ersten Platz. Rang zwei, mit einem Preisgeld von 10000 Euro, belegte die Nürnberger Architektin Brigitte Sesselmann im Team mit Kristina Vogelsang und dem Landschaftsarchitekten Christoph Gräßle.

Wer jetzt schon einen wesentlichen Bestandteil des Oberasbacher Stadtentwicklungskonzepts kurz vor der Realisierung und sich selbst vor dem geistigen Auge über die neue Oberasbacher Mitte flanieren sieht, den bremst Birgit Huber aus. Zunächst sollen die Oberasbacher Anregungen zum Siegerentwurf geben dürfen. Dann muss der Stadtrat den Auftrag zur Überarbeitung des bestehenden Bebauungsplans beschließen. Die Stadt selbst muss ein Raumprogramm für die vorgesehenen Baukörper erstellen, Gleiches gilt für die Planung der neuen Tiefgarage. Investoren müssen gesucht und gefunden sowie die Gewerbetreibenden rund ums Rathaus ins Boot geholt werden. Und natürlich wollen die Möglichkeiten, Geld aus der Städtebauförderung zu bekommen, aus der bereits der Architektenwettbewerb finanziert wurde, ebenfalls abgeklopft sein.

Bis sich für die Bürger sichtbar etwas tut, wird also noch viel Wasser den Asbach hinunterfließen. Zunächst, sagt die Bürgermeisterin, müsse man einen Zeitplan konkretisieren. Wenigstens der soll bis zu den Sommerferien stehen.

 

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