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Playoffs! Die Fürth Pirates wittern ihre Chance

Das Baseball-Team klopft erneut an die Tür zur Zweiten Liga - 07.08.2019 12:04 Uhr

Ein junger Piratenkapitän mit Weitblick: Jason Metcalf beobachtet von der Ersatzbank aus das Geschehen im Ballpark in Burgfarrnbach, wo die Fürth Pirates bald um die Rückkehr in die zweite Liga kämpfen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Pirates-Chef Georg Barth blickt auf die Uhr, es ist halb sechs. Eigentlich Trainingszeit. Diesmal jedoch nicht. Das Vereinsgelände im Burgfarrnbacher Westen ist weitgehend verwaist. Es regnet zu stark. Nur einige wenige hartgesottene Spieler lassen sich nicht abschrecken und sind trotzdem gekommen.

"Bei diesem Wetter macht Baseballtraining leider nicht so viel Sinn", sagt Michael Becker, Barths Vizevorsitzender und Spieler der 2. Mannschaft. Dem vertrockneten Spielfeld tut der lang ersehnte Niederschlag hingegen gut. "Im letzten Sommer sah der Platz noch schlimmer aus", erinnert er sich.

Den trainingsfreien Abend hat sich das Team aber durchaus verdient. Schließlich qualifizierte man sich in einer stärker gewordenen Bayernliga Nord wie schon in der vergangenen Saison vorzeitig für die Playoffs. Und das, obwohl man den Ausfall einer langzeitverletzten Stammkraft kompensieren musste.

Im Großen und Ganzen ist der Baseball-Coach deshalb zufrieden mit seinen Mannen, die sich in dieser Spielzeit gegen die Regensburger Legionäre III, die Kronach Royals und die Garching Atomics behaupten mussten.

Nun gilt der Fokus den alles entscheidenden Playoffs, in denen die Pirates jedes Spiel mit dem Credo angehen, "es gewinnen zu wollen". Da wird es auf den Zuschauertribünen des Ballparks auch mal etwas enger als zu gewöhnlichen Heimspielen. Um die 300 Zuschauer drückten den Pirates im Entscheidungsspiel der Vorsaison die Daumen.

Die Stimmung sei unbeschreiblich gewesen, schwärmt Trainer Jason Metcalf. "Das sind die Momente, auf die wir ein ganzes Jahr lange hinarbeiten", erzählt er und versichert, dass eine so hauchdünne Niederlage wie gegen die Baldham Boars hier keiner noch einmal erleben wolle.

Am 18. August beginnt die Playoff-Zeit und gleich zu Beginn wartet ein echter Gradmesser auf die Fürther: Die Füssen Royal Bavarians, Tabellenführer der Bayernliga Süd. Alle im Verein hoffen, dass es diesmal mit dem Aufstieg klappt.

Urlaub als Problem

Metcalf zeigt sich selbstbewusst: "Das sportliche Potential wäre auf jeden Fall da, um in der zweiten Liga oben mitzuspielen." Doch der 23-Jährige weiß genau, dass in solchen Spielen oft Kleinigkeiten und Glück entscheiden. "Außerdem finden die Entscheidungsduelle immer während der Haupturlaubszeit statt."

Doch das viel größere Problem sei der gesamte Modus, sind sich Trainer und Vorstand einig. Dass die Ergebnisse der regulären Saison nicht in die Playoffs mitgenommen werden können, ist den beiden schon länger ein Dorn im Auge. Da die zwei Bayernliga-Staffeln aber nicht über dieselbe Teilnehmerzahl verfügen, sei dieser Modus nur schwer zu optimieren.

Trotzdem: Von diesen Problemen lassen sich die Pirates nicht beunruhigen. Auf dem Vereinsgelände an der Würzburger Straße gibt es genug andere Baustellen, so zum Beispiel die Anzeigetafel. "Dieses Jahr mussten wir sie schon viermal reparieren", hadert Georg Barth.

Jetzt habe sie wohl endgültig den Geist aufgegeben. Deshalb muss sich der Verein demnächst um einen Ersatz kümmern, denn eine intakte Anzeigetafel ist auch Lizenzbedingung für den Liga-Spielbetrieb. Doch Geld ist auch bei den Pirates nicht im Überfluss vorhanden. Seit vielen Jahren steht am Ende des Jahres in etwa die schwarze Null. "Manchmal bleiben ein paar Euro über. Aber immer wenn man denkt, es geht aufwärts, kommt ein neues Problem."

Es gibt aber auch positive Neuigkeiten bei den Bayernpokalsiegern von 1990 und 2002. So stellte der Verein im Vorjahr eine eigene Fanartikel-Kollektion mit Onlineshop auf die Beine. Darauf sind die 150 Mitglieder der Pirates sehr stolz. Verheißungsvolle Effekte brachte auch die Zusammenlegung der 1. und 2. Mannschaft im Trainingsbetrieb. "Wir erhoffen uns dadurch noch mehr Teamgeist und Miteinander", sagt Barth.

Rimmel in den USA

Zudem blickt man regelmäßig mit großem Interesse in die USA, denn dort hat das Fürther Eigengewächs Niklas Rimmel eine große MLB-Karriere (Major League Baseball) vor Augen. Der 19-Jährige wechselte vergangenen Sommer vom Sportinternat des Erstligisten Regensburger Legionäre in ein Nachwuchsteam der Minnesota Twins.

"So professionell wie er sind in Deutschland nur sehr wenige Baseballer. Ihm ist der große Sprung absolut zuzutrauen", prognostiziert der Pirates-Vorstand und fügt mit einem Augenzwinkern an: "Er kann auch keinen anderen Sport außer diesen."

Und Georg Barth ist einer, der es wissen muss. Seit 30 Jahren bekleidet er das Vorstandsamt und durfte dabei schon zahlreiche "Homeruns" bejubeln. "Er hat alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht", beschreibt ihn Metcalf. Unabhängig davon, wie lange er dieses zeitintensive Ehrenamt noch ausübt – in einem ist sich Barth sicher: "Diese Tätigkeit ist mein drittes Kind neben meinen zwei leiblichen."

Die Playoff-Termine:

Sonntag, 18. August, 13 Uhr: Füssen Royal Bavarians – Fürth Pirates.

Sonntag, 25. August, 13 Uhr: Fürth Pirates – Garching Atomics, Würzburger Straße 700, Fürth-Burgfarrnbach.

Sonntag, 8. September, 13 Uhr: Gröbenzell Bandits – Fürth Pirates.

Sonntag, 15. September, 13 Uhr: Garching Atomics – Fürth Pirates. 

QUIRIN SEILBECK

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