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Pleitewelle rollt durch Fürths Kneipenmeile

Nach dem Grünen Baum hat in der Gustavstraße auch das Blue Note zugemacht - «Es gibt keine Krise» - 13.07.2007

Schluss mit Tanzen bis in die Puppen: Das Blue Note sucht jetzt erst mal einen neuen Pächter. © Winckler


Am benachbarten Waagplatz steht seit einem halben Jahr das Café Insel leer, ebenfalls ein Urgestein der Fürther Gastro-Szene. Offenbar gibt es zumindest bei der Insel einen Hoffnungsschimmer: Mit dem Text «Panolio - demnächst hier» kündigt ein Transparent das Ende des Leerstandes an. Aus dem Umfeld des Vermieters heißt es, das neue Lokal «gehe in Richtung Pizzeria», ein Öffnungstermin stehe aber noch nicht fest.

Ungewiss ist hingegen, was aus dem Blue Note wird. Nach aufwändigem Umbau wurde es vor vier Jahren in den Räumen des ehemaligen Gelben Löwen eröffnet. «Ich hatte viel Spaß, habe mein möglichstes gegeben, aber es hat nicht gereicht», räumt Ex-Pächterin Sonja Durakovic offen ein. Zwar waren nach ihren Worten das Lokal sowie der Clubraum im hinteren Teil des Hauses, wo man bis in die frühen Morgenstunden tanzen konnte, an Wochenenden gut besucht, aber unter der Woche, so Durakovic, «haperte es doch sehr».

Für die Jazzreihe im Blue Note mit 14 Konzerten von Oktober bis März hat sich Organisator Burkhard Knauf bereits abgesichert. Vermieter Hermann Schadler habe zugesichert, dass die Veranstaltungen des Vereins Szene Fürth auch dann im Blue Note stattfinden können, wenn bis Herbst noch kein neuer Pächter gefunden werden konnte.

Ein paar Häuser weiter hatte bereits Ende Mai Christof Jungbauer nach gerade mal einem Jahr Bewirtschaftung im Grünen Baum das Handtuch geworfen. Jungbauer, ein erfahrener Wirt, versuchte es mit fränkischer Küche. Heute sagt er offen: «Wir haben es nicht geschafft, den Laden wirtschaftlich zu betreiben».

Ein Grund laut Jungbauer: «Vom Aufschwung profitieren bislang vielleicht Handy-Läden und Flachbildschirmverkäufer, aber nicht die Gastronomie.» Veranstalter, die den großen Saal im Grünen Baum gebucht haben, müssen sich keine Sorgen machen. «Wir lassen niemanden hängen», sagt Jungbauer, «alles, was vereinbart war, findet statt.»

Wirt trauert den 80ern nach

Café Insel, Grüner Baum, Blue Note. Hat das Fürther Kneipenviertel an Attraktivität eingebüßt? Jungbauer widerspricht: «Die Gustavstraße ist ein klasse Umfeld und Fürths heimliche Innenstadt.» Auch Jens Graeser, seit fast 24 Jahren Wirt der Kaffebohne, will von einer Krise der Kneipenmeile nichts wissen. Fachmagazinen zufolge sei es völlig normal, dass 30 bis 40 Prozent der Lokale innerhalb eines Jahres den Besitzer wechseln.

Allerdings räumt er ein, dass es in der Altstadt derzeit ungewöhnlich viele sind. «Gastronomie war schwer, ist schwer und wird schwer bleiben», betont er. Die «Goldenen 80er» etwa, als die Gäste «auch montags in Dreier-Reihen am Tresen anstanden», sind vorbei, meint Graeser. «Die Leute gehen deutlich weniger weg.»

Laut dem Bohne-Wirt belegen zahlreiche Beispiele alteingesessener Läden, dass man im Kneipenviertel in der Altstadt nach wie vor erfolgreich Gastronomie betreiben kann. Vom Alten Rentamt bis zum Bistro Galerie, vom Keimling bis zum Mephisto, von der «Bar» bis zur Stadt Venedig zählt er einige auf.

Dass es hier und dort Geschäftsaufgaben gebe, sei jedenfalls nicht ungewöhnlich, weiß Graeser aus Erfahrung: «Ich habe in 24 Jahren Gustavstraße bestimmt mehr als 100 Wirte kommen und gehen sehen.» 

Johannes Alles

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