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Sonntag, 09.08.2020

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Polizeipferd wacht über den Fürther Stadtwald

Nathan wird derzeit für die Aufgabe ausgebildet - 01.08.2020 21:00 Uhr

Sehr sensibel ist er — und noch zu schreckhaft, sagt seine Ausbilderin Lisa Kreitzer: Nathan, ein siebenjähriger Holsteiner, steht mit zehn anderen Polizeipferden in einem Stall im Knoblauchsland. An fünf Tagen die Woche stehen Lektionen auf dem Programm.

© Foto: Isabel Pogner


Nathan ist ein richtiger Hingucker. Gute 1,70 Meter groß, heller Typ, Sommersprossen. Besonders in polizeilicher Dienstkleidung bekommt auch die mutigste Krawallnudel Respekt vor ihm.

Mit stolz geschwellter Brust und hoch erhobenem Kopf steht Nathan der Weiße in der Stallgasse und lässt sich von Lisa Kreitzer das Kinn kraulen. Sie ist Nathans Ausbilderin, denn Nathan geht als fränkisches Polizeipferd gewissermaßen noch in die Schule. Das bedeutet: Bislang üben sich Nathan und Kreitzer im Streife-Reiten in ruhigeren Gebieten wie dem Fürther Stadtwald. Für Einsätze, die mit mehr Stress verbunden sind, wie etwa bei Fußballspielen oder Demonstrationen sei der siebenjährige Holsteiner noch zu schreckhaft. "Nathan ist ein sehr sensibles Pferd", sagt Lisa Kreitzer. Ein Jahr dauert das Training – gute sechs Monate hat ihr Schützling schon hinter sich.

Der Alltag des Vierbeiners sowie der zehn anderen Polizeipferde, die gemeinsam in einem Privatstall im Knoblauchsland stehen, ähnelt dem ihrer menschlichen Kollegen: Nathan muss fünf Tage die Woche arbeiten.

Dabei lernt er Dressurlektionen und muss sich im Gelassenheitstraining gegen raschelndes Absperrband und fliegende Plastikflaschen behaupten. Der grauweiße Wallach ist bei solchen Dingen allerdings noch skeptisch. Hat er die Lage nicht unter Kontrolle, stemmt er die Beine in den Boden und reißt die Nüstern auf. "Daran arbeiten wir noch", sagt Lisa Kreitzer liebevoll.

"Anfang des Jahres hat er mir einmal gezeigt, dass auf ihn Verlass ist", erzählt sie. Da wurde der neue Leiter der Reiterstaffel, Christian Schuhmann, vorgestellt.

Umringt von Journalisten

"Er wollte natürlich das schöne weiße Pferd für die Fotos auf dem Pressetermin haben", sagt Kreitzer. Nathan sei also inmitten eifrig rufender, schnipsender und knipsender Journalisten gestanden – eine Stresssituation für das Tier. "Das hat er aber so toll gemacht, da war ich echt stolz!"

Trotzdem: Lernen muss Nathan noch viel. Ruhig zu bleiben bei Schüssen mit Platzpatronen zum Beispiel. An das laute Knallen mussten sich auch die Hobby-Pferdehalter im Stall erst einmal gewöhnen. "Den anderen Einstellern im Reitstall hat das am Anfang gar nicht gepasst", sagt Kreitzer. Inzwischen habe man sich aber arrangiert. "Eine Einstellerin kommt sogar immer mit in die Halle, wenn wir Schrecktraining machen."

Privilegien gegenüber den anderen Einstellern haben die Polizisten aber keine, so Kreitzer: "Wenn wir die Pferdeäpfel nicht wegmachen, bekommen wir genauso Ärger wie alle anderen auch."

Isabel Pogner

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