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Raubbau an Fürths Brauereigeschichte

Wachsende Sorge um das alte Humbser-Sudhaus — Ein Teil des Geländes wurde inzwischen verkauft - 07.08.2012 09:00 Uhr

Am verwaisten Sudhaus samt Mälzerei an der Schwabacher Straße nagt nicht nur der Zahn der Zeit. Auch Einbrecher wollten sich hier bereits bedienen. © André De Geare


Nicht zum ersten Mal gerät eine verwaiste Fürther Brauerei ins Visier der Zerstörungswut. Schon die 1982 dem Neubau des City Centers zum Opfer gefallene Geismann-Brauerei wurde regelrecht ausgeplündert. Bevor die Behörden dem Treiben einen Riegel vorschoben, waren große Teile wie eine Holzkassettendecke und ein komplettes Treppenhaus verschwunden. Von der denkmalgeschützten Fassade ist lediglich der ins City Center integrierte Portalbogen erhalten geblieben.

Vor einem ähnlichen Schicksal will Brauer-Urenkel Felix Geismann das Humbser-Sudhaus bewahren und hat sich deshalb schon an die städtische Bauaufsicht und Oberbürgermeister Thomas Jung gewandt. Bei einer Baukontrolle konnten auf dem ehemaligen Brauereiareal allerdings keine Sicherheitsmängel festgestellt werden.

1967 hatte die Geismann-Bräu mit Humbser fusioniert, bevor die Schickedanz-Gruppe die Brauerei übernahm und unter dem Markennamen Patrizier weiterführte. 1994 erwarb schließlich Tucher den Betrieb, der 1999 letztmals modernisiert und nach dem Neubau der Brauerei auf der Stadtgrenze am Gewerbepark Süd 2009 stillgelegt wurde. Das alte Brauereiareal gehört der Münchner Inselkammer-Gruppe, dem früheren Tucher-Eigentümer. Die neue Tucher-Brauerei hingegen ist inzwischen Teil der Radeberger-Gruppe im Oetker-Konzern.

Der frühere Tucher-Geschäftsleiter und jetzige Chef der Inselkammer-Immobiliensparte, Martin Leibhard, versichert auf Anfrage der FN: „Es ist in unserem ureigenen Interesse, die historische Braustätte unversehrt zu erhalten.“ Deshalb sei das Gelände abgesperrt und werde von einem Sicherheitsdienst überwacht. Weil sich Kupferdiebe kürzlich jedoch am helllichten Tag Zutritt zum ehemaligen Sudhaus verschafft haben, sei kein Verdacht geschöpft worden.

Leibhard: „Es sah aus, als seien Monteure am Werk.“ Die Einbrecher wurden allerdings gestört und ließen ihre Beute am Tatort zurück. Der Sachschaden wird auf 100.000 Euro geschätzt. Felix Geismann wünscht sich strengere Sicherheitsvorkehrungen. Dies vor allem im Hinblick auf die Zwischennutzung des 50.000 Quadratmeter großen Geländes und auf die unterirdischen Verbindungsgänge zwischen den historischen Gebäuden.

Indes zeichnet sich ein Ende der Hängepartie um die geplante Umwandlung des Brauereiareals in einen „Wohnpark Rednitzaue“ mit 400 Wohneinheiten ab. 8700 Quadratmeter hat die Erlanger Immobilienfirma Sontowski & Partner erworben, weitere 7400 Quadratmeter die Nürnberger Bauhaus Liebe & Partner GmbH. 75 Wohneinheiten plant die Sontowski-Gruppe nach den Worten ihrer Marketingleiterin Patrizia Medla, im Oktober soll die Vermarktung starten. Der Baubeginn ist im Frühjahr 2013 geplant. Die Bauhaus GmbH will, wie berichtet, auch die historische Central-Garage in der Mathildenstraße in ein exklusives Wohnquartier verwandeln. Wegen der vorgesehenen Eingriffe in das Baudenkmal ist das Projekt allerdings umstritten.

Eigentumswohnungen

Beide Bauträger zusammen werden laut Leibhard etwa 25 Prozent der im Wohnpark Rednitzaue geplanten Geschossfläche in aufgelockerter Bebauung mit Eigentumswohnungen an der Dambacher Straße erstellen. Sontowski übernimmt zudem die Erschließung des gesamten Geländes. Erst wenn der Neubau abgeschlossen ist, will die Inselkammer-Immobilienfirma die Umwandlung des historischen Altbaubestandes in Lofts in Angriff nehmen.

Dies betrifft insbesondere das langgestreckte Backsteingebäude der ehemaligen Mälzerei aus dem Jahre 1888 an der Schwabacher Straße und das gleichaltrige Verwaltungsgebäude mit holzverschaltem Giebel an der Fichtenstraße. Das alte Sudhaus selbst ist für eine gastronomische Nutzung vorgesehen. Wie Leibhard erläutert, sei daran gedacht, für die geplanten höheren Neubauten an der Schwabacher Straße einen weiteren Bauträger mit ins Boot zu holen.

Vorrang hat jedoch ein Nürnberger Projekt: In Maxfeld entsteht auf dem Gelände der alten Tucher-Siechen-Brauerei am Schillerplatz ein noch größeres Wohnquartier mit 600 Eigentumswohnungen. Bauherr ist die Nürnberger KIB-Gruppe.

Einen Überblick über die Brauereien in der Region finden Sie in unserem Brauerei-Guide

VON VOLKER DITTMAR

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