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Renner für Schlemmer

Der Fürther Gourmetlauf ist zur Zugnummer geworden - 29.07.2014 16:00 Uhr

Flotte Käfer aus Hamburg: An der Stadtförsterei lassen sich Rosemarie Völkner und Michael Schöttler Entenbrust auf Gemüse und Apfelcidre schmecken, bevor sie der nächsten Verpflegungsstation entgegeneilen. © Hans-Joachim Winckler


Sekt und Snacks stimmen die vielfach von weit her angereisten Sportskanonen schon zum Start am Hotel Forsthaus auf das kulinarisch anspruchsvolle Unternehmen ein. Acht Versorgungsstationen wollen auf der knapp zehn Kilometer langen Runde ausgekostet werden. Zum Glück behindert keine Stoppuhr den kultivierten Fast-Food-Trip durch Fürths grüne Lunge.

Gut drauf sind die Teilnehmer allemal. Viele haben sich regelrecht in Schale geschmissen, laufen mit roten Sombreros, grünen Baströckchen, Küchenschürzen, als Käfer verkleidet und mit Slogans wie „Pure Lust“ auf den Trikots über die Waldwege. Ein Spektakel, das die vereinzelten Spaziergänger schmunzeln lässt. Schon nach wenigen Metern taucht die erste Versorgungsstation in einem Seitenweg auf. Sie ist noch vollkommen leer. Denn hier wird erst später kurz vor dem Ziel der Nachtisch gereicht: Gläschen mit blonder Dulcey-Schokolade an Passionsfrucht und Espresso.

„Wir kommen gleich“, schallt es den Helfern am Stand aus dem gemütlich vorbeiziehenden Läuferpulk zu. Der weinselige Médoc-Marathon in Frankreich stand als Ideengeber Pate für den Fürther Gourmetlauf. 120 Flaschen Sekt, Wein und Apfelcidre, 100 Liter Bier und 500 Liter Saftschorle sorgen dafür, dass der Schweiß fließen kann und dass die Beine schnell schwer werden, wie Michael Sadlo aus Cottbus nach zwei Kilometern an der Blockhütte bei der Stadtförsterei seufzend feststellt.

Auf den Fürther Lauf sind sie durch einen Beitrag in der Laufzeitschrift Runners World aufmerksam geworden, berichtet seine Frau Sabine. Vergangenes Jahr waren sie zu spät dran mit der Anmeldung. Dafür hat es diesmal geklappt. Was sie angelockt hat? Weniger der sportliche Anspruch, als vielmehr das kulinarische Drumherum, räumt die Läuferin ein.

Das gilt auch für Reino Albrecht, der mit einer siebenköpfigen Gruppe unter dem Namen „De Wattloopers“ aus Oldenburg nach Fürth gekommen ist. Nicht weniger begeistert vom Schlemmen sind die „Aloha Girls“, fünf Freundinnen, die den Lauf zum Anlass eines Wiedersehens in den Fürther Stadtfarben nutzen. Ohne Berührungsängste joggt eine schwarz-rote Männerriege unter dem Slogan „Wir sind der Club“ mit. Und die von Günther Beierlorzer angeführte Laufgruppe des TV 48 Erlangen hat für sich das Motto „slow feet, fast food“ (langsame Füße, schnelles Essen) gewählt. Mit dabei sind sie aus einem ganz einfachen Grund: „Weil’s was zu Essen gibt“, wie Beierlorzer einräumt.

Für reichlich Energieschübe sorgen zahlreiche regionale Gastronomen. So kredenzt Schirmherr Stefan Rottner an der Stadtförsterei Entenbrust mit Preiselbeeren auf Gemüse und eisgekühlten Cidre aus Plastiksektgläsern. „Rücken Sie nach“, fordert eine Helferin die Läufer auf, die es sich gut schmecken lassen. „Allmächd, wir müssen weiter, da kommen schon die nächsten“, tönt es zurück. Sieben Gruppen mit jeweils 111 Läufern müssen die rund 100 Helfer des Laufteams Fürth exquisit versorgen: eine logistische Herausforderung. Dabei liegt die Teilnahmegebühr mit 35 Euro unter der vieler größerer Laufveranstaltungen mit weitaus schlechterer Versorgung. Kein Wunder, dass neben Teilnehmern aus ganz Deutschland auch Feinschmecker aus Frankreich und der Schweiz angelockt werden. Mit Aufschriften auf den Trikots geben sich etliche Läufer als Stammgäste zu erkennen. Dass die Strecke wie die Speisekarte jährlich wechselt, erhöht den Reiz. Was den Fürther Gourmetlauf daneben auszeichnet, ist sein geselliger Anstrich. Noch bis in die Nacht hinein wird vor dem Hotel Forsthaus getanzt und gefeiert. So sehr verausgabt haben sich die Läuferinnen und Läufer zuvor eben nicht und Kalorien zum Abfeiern haben sie auch reichlich gebunkert. 

Bildergalerie im Internet unter www.fuerther-nachrichten.de 

VOLKER DITTMAR

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