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Ringen um die S-Bahn-Trasse geht in die Endrunde

Dienstag und Mittwoch: Erörterung der Einwände im Fürther Kulturforum - 04.07.2011 09:04 Uhr

So stellt sich die Stadt den künftigen Bahnhof in Stadeln vor: Um 500 Meter näher zum Siedlungsschwerpunkt nach Süden verschoben und mit einer direkten Busanbindung am Bahnsteig versehen.Grafik: Verkehrsplanung


Zeitgleich wird der von Fürth angerufene Petitionsausschuss des Bundestages seine Entscheidung treffen. Und alles deutet darauf hin, dass die Kommune auf starke Unterstützung hoffen darf. Einstimmig hat der Stadtrat am vergangenen Mittwoch eine Resolution zur S-Bahn-Frage verabschiedet. Darin heißt es: „Eine S-Bahn entlang der Bestandsstrecke könnte längst in Betrieb sein. Neueste Berechnungen der Stadt Fürth und ihrer Gutachter zeigen, dass auch die Bündelungslösung ein Nutzen-Kosten-Verhältnis deutlich über 1,00 erreicht. Damit ist aus Sicht der Stadt Fürth auch diese S-Bahn-Lösung mit Bundesmitteln förderfähig.“

Daten vorenthalten

Den von Fürth geforderten Ausbau entlang der Bestandsstrecke hat die Bahn bislang unter Hinweis auf das angeblich zu schlechte Nutzen-Kosten-Verhältnis (unter dem zur Förderung nötigen Schwellenwert 1,00) abgelehnt. Der Kommune wurden bislang allerdings wesentliche Daten zur kritischen Überprüfung der Bahn-Berechnungen vorenthalten.

Durch die Korrektur einzelner Unstimmigkeiten ihrer Berechnung kommt die Stadt inzwischen über den Schwellenwert. Dazu gehört der durch ein Verschieben der Station nach Süden erreichte höhere Nutzeffekt des Stadelner Haltepunkts. Dieser hat gegenüber dem von der Bahn geplanten Haltepunkt auf freiem Feld bei Bislohe den großen Vorteil einer guten Anbindung an das vorhandene Straßen- und Busliniennetz.

Punkten konnte Fürth beim Ortstermin von Vertretern des Petitionsausschusses am 30 Mai. Dies nicht nur mit einer Demonstration der enormen Landschaftszerstörung durch die Bahndämme der Schwenk-Trasse, sondern vor allem durch die Geschlossenheit, mit der alle politischen Lager für den alternativen Ausbau entlang der bestehenden Strecke plädieren. Und immerhin wird die Fürther Ablehnung des S-Bahn-Schwenks am 26. Juli 18 Jahre alt.

Neutrale Behörde

Obwohl der Kampf als David gegen den Goliath Bahn für Fürth nie besonders aussichtsreich war, kann Oberbürgermeister Thomas Jung rückblickend feststellen: „Es ist nicht schlecht für uns gelaufen.“ Er baut darauf, dass letztendlich nicht die Bahn über das Projekt entscheidet, sondern das Eisenbahnbundesamt als neutrale Behörde. Die Bahn hatte sich – wie berichtet – in ihrer Ablehnung des Fürther Vorschlags hinter dem Bayerischen Wirtschaftsministerium als Auftraggeber verschanzt.

Der OB wünscht sich nur, „dass alle Beteiligten fair miteinander umgehen und nicht hintenrum agieren“. Das für Großprojekten wie der S-Bahn-Bau vorgeschriebene Planfeststellungverfahren endet regulär mit dem Erörterungstermin. Dieser war ursprünglich schon Mitte April angesetzt. Doch die Stadt konnte den Aufschub erreichen, weil ihr die Bahn wichtige Informationen vorenthielt. Daran hat sich bis heute im Wesentlichen zwar nichts geändert, doch immerhin war Zeit gewonnen, dass der Petitionsausschuss auf den Plan treten konnte. Vorsorglich hat die Stadt juristische Schritte zur Freigabe der benötigten Daten und Informationen eingeleitet.

Den Vorwurf, Bremser der S-Bahn zu sein, lässt Fürth nicht zu. In ihrer Resolution unterstreicht die Stadt, dass sie den S-Bahn-Bau von Nürnberg nach Bamberg nach wie vor unterstützt. Im Interesse einer zukunftssicheren und volkswirtschaftlich sinnvollen Ausbaulösung bekräftigt sie jedoch ihre alte Forderung nach einem Verzicht auf den Schwenk. Die Bahn-Planung stammt nämlich noch aus Zeiten, als die Nachbarstädte Nürnberg, Fürth und Erlangen im Knoblauchsland einen gemeinsamen Gewerbepark planten. Der steht jedoch längst nicht mehr zur Debatte.

Fürth appelliert nun an alle Beteiligten, den Weg frei zu machen für eine vom breiten Konsens getragene „Lösung der Vernunft“.

  

VON VOLKER DITTMAR

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