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Rollende Bagger freuen in Anwanden wenigstens die Radler

Kein Routinetermin: Protest beim Spatenstich für den Kreisstraßen-Ausbau von Anwanden zum Wolfgangshof - 03.05.2018 16:00 Uhr

Sicher sind die Radler, wie hier im Biberttal, künftig auch zwischen Anwanden und dem Wolfgangshof unterwegs. Beim Ausbau der Kreisstraße FÜ 22 wird auch ein Fuß- und Radweg angelegt. © Archivfoto: Hans-Joachim Winckler


Statt für einen Spatenstich posierten die Vertreter von Politik und Straßenbauamt mit Verkehrsschildern, die auf den künftigen Radweg hinweisen sollen. Auch sonst verlief der offizielle Startschuss anders als vergleichbare Routinetermine. So protestierten nicht nur Politiker der Grünen gegen das Projekt (ruhig), sondern auch ein betroffener Landwirt (lautstark). Der rund ein Kilometer lange Ausbau sei "der größte Unsinn, den man sich vorstellen" könne, kritisierte der Traktorfahrer. Mehrmals täglich müsse er die Strecke nutzen, um zu seinen Feldern zu gelangen. Nun habe er große Umwege in Kauf zu nehmen. Abgesehen von diesem persönlichem Unbill spricht der Landwirt der Baumaßnahme grundsätzlich jede Notwendigkeit ab: "Hier fahren doch gerade einmal drei Autos am Tag."

Für Andreas Eisgruber, den Leiter des Staatlichen Straßenbauamts, ist die Kritik dagegen der Beweis dafür, dass die Kreisstraße tatsächlich eines Ausbaus bedarf. "Wenn jetzt niemand schreien würde, bräuchten wir die Straße ja wirklich nicht", so seine Argumentation. Sprich: Wenn eine Sperrung keiner mitbekommt, ist eine Straße auch sonst nicht nötig.

Die Vertreter von Bündnis90/Die Grünen trugen ihren Protest vergleichsweise zahm vor. Selbstverständlich respektiere man die demokratische Mehrheitsentscheidung des Kreistags, wolle aber anlässlich des Startschusses noch einmal die eigene Ablehnung betonen. "Unausgegoren" findet es etwa Kreisrat Wolfram Schaa, weil der Bau wegen ungeklärter Grundstücksfragen in zwei Bauabschnitten durchgeführt wird. Auch der Argumentation von Landrat Matthias Dießl, die Kreisstraße werde wegen der Unfallhäufigkeit ausgebaut, will Schaa nicht folgen: "Wir Grünen bezweifeln, dass der Ausbau mehr Verkehrssicherheit bringt, wird doch mit Sicherheit auf der ausgebauten Strecke viel schneller gefahren."

Begrüßt wurde der Baubeginn dagegen von Zirndorfs Bürgermeister Thomas Zwingel; schließlich soll bis Juni 2019 nicht nur die unübersichtliche Einmündung in die Schwabacher Straße bereinigt werden und ein Geh- und Radweg auf der Nordseite entstehen. Wichtig sei vielmehr auch, dass hinsichtlich des geplanten Neubaugebiets in Anwanden, das über die Kreisstraße angebunden wird, Planungssicherheit herrsche. Über das Vorhaben des Investors wisse die Stadt derzeit zwar nichts Konkretes, so Zwingel, "aber mit dem Ausbau der Straße halten wir uns alle Optionen offen".

"Veränderung der Mobilität"

Dießl sieht in der voraussichtlich 1,9 Millionen Euro teuren Investition einen wichtigen Baustein des Radwegenetzes. "Wir wollen eine Veränderung der Mobilität, dafür brauchen wir leistungsfähige Radwege." Dem Landwirt versprachen Vertreter des Straßenbauamts, dass er in der Regel die Äcker über die Baustellenzufahrten anfahren könne. Das hörte er jedoch nicht mehr. Er hatte bereits vor den Ansprachen das Weite gesucht. 

Armin Leberzammer

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