Rumoren in der Kirche

8.3.2021, 21:32 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Vor wenigen Tagen wurde erstmals eine Theologin zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz gewählt. Die Vertreterinnen der Protestbewegung "Maria 2.0" machen allerdings deutlich, dass sie grundlegende Reformen fordern, die entschieden darüber hinausgehen, dass Papst Franziskus im Januar das Messdiener-Amt offiziell für Frauen geöffnet hat – was in der Praxis hierzulande freilich schon lange üblich ist.

Helga Melzer-Keller

Helga Melzer-Keller © A. Floyd

Helga Melzer-Keller (53), Pastoralreferentin im Seelsorgebereich Fürth mit Arbeitsschwerpunkt City-Seelsorge, erinnert sich: "Als junges Mädchen wäre ich sehr gerne Messdienerin geworden, das war aber damals noch gar nicht möglich." Seither habe sich sehr viel verändert: "Heute gehöre ich ganz selbstverständlich als promovierte Theologin zu einem Team von geweihten und nicht geweihten Kollegen. Zu meinen Aufgaben gehören auch Wortgottesdienste, Predigten und Beerdigungen."

Kirchenaustritt keine Option

Vieles sei im Fluss, so stehe die Rolle der Frau in der Kirche aktuell auch im Fokus des "Synodalen Weges", eines zweijährigen, breitangelegten Gesprächsprozesses zwischen Kirchenleitungen und Gläubigen. Mit "Maria 2.0" melden sich engagierte Katholikinnen zu Wort, für die ein stillschweigender Kirchenaustritt keine Option ist. Ihre weitreichenden Forderungen haben sie vor kurzem als Thesenanschlag veröffentlicht. Für die Theologin ist das Engagement der Frauen ein Impuls in die richtige Richtung.

Im Rahmen ihrer Aufgaben in Fürth steht für Melzer-Keller "auf der Agenda, interessierte Frauen aus den verschiedenen Gemeinden noch mehr miteinander zu vernetzen und gemeinsame Angebote zu entwickeln". Derzeit macht Corona solchen Projekten einen Strich durch die Rechnung. Nicht möglich sind deshalb auch die allmonatlichen Treffen unter dem Stichwort "FrauenZeit", die Melzer-Keller im "mittendrin", dem Gesprächsladen der katholischen City-Seelsorge in der Blumenstraße, anbietet: "Sobald es möglich ist, wird dieses offene Angebot zum Austausch und für Impulse aber wieder aufgenommen."

Mit einem weiblichen Schwerpunkt setzte sich bereits die Doktorarbeit ("Jesus und die Frauen") der gebürtigen Wolfsburgerin auseinander. "Frauen waren auf jeden Fall in der Nachfolgegruppe Jesu dabei", fasste sie ein Ergebnis ihrer Forschung kurz zusammen. Aber waren sie am Ende vielleicht nur für Wäsche und Verpflegung zuständig?

Blick in die Zukunft

"Nein", verdeutlicht die Theologin und macht an einem Beispiel klar: "Maria Magdalena etwa war eine selbstbestimmte Frau, die nicht im Gefolge eines Mannes zu Jesus stieß. Sie war bei den Urchristen eine sehr geachtete Persönlichkeit."

Welchen Blick hat Helga Melzer-Keller persönlich auf die Zukunft der Kirche, auch mit Blick auf die Frauen? "Ich bin ein hoffnungsvoller, optimistischer Mensch", antwortet sie. In den vergangenen 2000 Jahren hätte es keine Weiterentwicklung und keine Veränderungen gegeben, wenn nicht reformwillige Menschen dabeigeblieben wären, statt zu resignieren. "Ich verliere die Zuversicht nicht und ich hoffe, viele andere tun es auch nicht."

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