S-Bahn-Schwenk: Fürth wartet auf das Urteil

3.7.2016, 10:00 Uhr

© Harald Sippel

Der Bericht des Blattes hatte Bezug auf eine Auskunft der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) genommen. Doch im Fürther Rathaus winkt man ab. Eigene Nachfragen beim zuständigen Senat des Gerichts hätten ergeben: Zwar sei eine bereits angesetzte mündliche Verhandlung für den 28. Juli abgesagt worden, weil noch wichtige Unterlagen fehlen; von einem im Herbst geplanten neuen Termin indes sei in Leipzig nichts bekannt.

Oberbürgermeister Thomas Jung, der DB ohnehin nicht gerade in inniger Zuneigung verbunden, macht aus seinem Ärger über das neuerliche Hin und Her kein Hehl. „Die Bahn bedient die Öffentlichkeit weiter mit nicht zutreffenden Informationen“, schimpft er. Zum Hintergrund: Aus Sicht des Rathauschefs und der Stadt Fürth hat das Unternehmen im Konflikt um den S-Bahn-Ausbau bereits in der Vergangenheit mit falschen Informationen operiert – etwa bei der Berechnung der Kosten für verschiedene Trassenvarianten.

Wie mehrfach berichtet, beharrt die DB auf dem Streckenverlauf quer durch das Knoblauchsland über Steinach Richtung Erlangen. Die Stadt hält diese Variante für unsinnig, weil sie wertvolle Flächen durchschneide und nicht wirtschaftlich sei. Deshalb fordert Fürth eine Verlegung der S-Bahn-Gleise entlang der bereits bestehenden Strecke nach Erlangen. Dies sei erheblich günstiger und ökologisch unbedenklicher.

Forderung erneuert

Im Herbst 2014 hatte das Bundesverwaltungsgericht einem Eilantrag der Kommune stattgegeben, den bereits in die Wege geleiteten Bau der DB-Trasse zu stoppen, bis über eine Klage Fürths dagegen entschieden ist. Seitdem wartet man auf die Verhandlung. Nach Fürther Lesart hat das Gericht aber schon in seinen damaligen Ausführungen erkennen lassen, dass eine Entscheidung im Sinne der Stadt wahrscheinlich sei.

Der OB erneuert deshalb seine Forderung an die Bahn, einzulenken und umzusteuern. Ein Gutachten habe belegt, dass schon jetzt ein S-Bahn-Betrieb zwischen Nürnberg und Erlangen im 20-Minuten-Takt möglich sei. Die bereits im „Fürther Bogen“ verlegten neuen Gleise müssten zu diesem Zweck lediglich durch Weichen an die schon vorhandene Strecke Richtung Erlangen angebunden werden.

Auch der Freistaat hat inzwischen reagiert und der zaudernden Bahn zugesagt, die Planungskosten für den Weichenbau zu übernehmen. Anfang 2019, so hoffte man, könnte der optimierte S-Bahn-Betrieb nun realisiert werden. Dass sich dennoch auch bald zwei Jahre nach dem Baustopp nichts bewegt, will Thomas Jung nicht in den Kopf. Er wünsche sich, dass die DB „endlich gemeinsam mit der Stadt neu plant“. Man werde auf diese Weise „billiger und schneller“ ans Ziel kommen.

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