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Schneisen im Stadtwald: Schuld ist der Borkenkäfer

Im Stadtwald läuft ein Wettlauf gegen die Zeit, um dem Borkenkäfer den Garaus zu machen - 14.08.2020 11:00 Uhr

Forstwirt Udo Strauß und seine Kollegen haben wie hier im Zennwald alle Hände voll zu tun, um das Schadholz zu entfernen.

© Hans-Joachim Winckler


Dem älteren Paar, das mit seinen Walking-Stöcken durch den Stadtwald läuft, steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ungläubig schaut es auf eine Senke, die komplett kahl geschlagen ist. Lediglich Baumstümpfe und einiges Astwerk liegen noch dort, wo bis vor kurzem Bäume und Sträucher standen.

"Das war der Borkenkäfer", klärt Martin Straußberger auf. Wenn der Stadtförster derzeit durch seinen Wald fährt, nutzt er immer wieder die Gelegenheit, Spaziergänger und Radfahrer darüber zu informieren, was dort gerade passiert. "Die Menschen haben Verständnis, wenn man ihnen erklärt, warum zur Zeit so viele Bäume geschlagen werden", sagt Straußberger.

Grund für die Eingriffe ist ein fünf Millimeter großes Tierchen: der Buchdrucker oder Kupferstecher, bekannt unter dem Sammelbegriff Borkenkäfer. Seit vielen Jahren schon befällt er Fichten in ganz Deutschland. So verheerend wie heuer aber waren die Schäden aber noch nie.

"Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre haben die Bäume stark geschwächt", erklärt der Förster. Kann ein Baum nicht mehr genügend Wasser aufnehmen, versiegt der Harzfluss, der Eindringlinge sonst stoppt. Dann haben die Käfer leichtes Spiel: Sie bohren sich durch die Rinde in die so genannte Bastschicht und fressen diese auf. Da sie aber für die Versorgung mit Wasser nötig ist, stirbt der Baum ab. Manchmal sind dafür nur drei Wochen und rund 500 Käfer nötig.


Fürther Bäume dürsten nach Regen


Ist der Baum aber stark befallen oder gar kaputt, ist die Gefahr längst nicht gebannt – im Gegenteil. Unter der Rinde nämlich wächst die nächste Käferpopulation heran. In wenigen Wochen sind dann bis zu 40.000 neue Schädlinge bereit, auszuschwärmen und sich über weitere Bäume herzumachen. Möglichst schnell müssen befallene Stämme deshalb aus dem Wald entfernt werden.

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Das hat Straußberger dazu bewogen, einen Harvester anzufordern. Die riesigen Maschinen können Bäume quasi im Akkord fällen. Außerdem werden die Stämme gleich vor Ort entastet – ein Verfahren, das enorm viel Zeit spare.

Kahle Flächen

Eine Woche war das Ungetüm jüngst im Stadt- und im Zennwald im Einsatz. Zurückgeblieben sind unweit von Oberfürberg zwei kahle Flächen von jeweils rund 5000 Quadratmetern sowie mächtige Stapel Holzstämme. Sie werden entweder zur Kompostieranlage gebracht, wo sie, weit genug entfernt vom Wald, lagern; oder sie werden an Ort und Stelle entrindet. Die Larven, die sich verbergen, sterben dabei ab.

Eine andere Möglichkeit, den Schädling in den Griff zu kriegen, gibt es laut Straußberger nicht. "Erst wenn die letzte Fichte im Wald verschwunden ist, bleibt auch der Borkenkäfer weg." Allzu utopisch scheint das nicht mehr zu sein: Lag der Anteil der Fichten im Wald noch vor einigen Jahren bei acht bis zehn Prozent, schätzt ihn der Stadtförster inzwischen noch auf sechs bis sieben Prozent.

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Das Holz der befallenen Bäume lässt sich übrigens nahezu komplett verarbeiten. Lediglich als Sichtholz ist es nicht mehr verwendbar, wenn es zu stark von den Fraßgängen durchzogen ist. Für Straußberger ist diese wirtschaftliche Komponente allerdings nur ein schwacher Trost – ist der Holzpreis wegen des großen Angebots doch stark eingebrochen.

Ein bunter Mix verschiedener Arten

Wenn die kahlgeschlagenen Flächen im Herbst neu aufgeforstet werden, will der Stadtförster auf Fichten verzichten. Ein Mix aus Douglasien, Ahorn, Esskastanien und Baumhasel soll die Lücken füllen.

Den im Stadtwald verbliebenen Fichten – heuer wurden schon fast 400 Festmeter und damit beinahe so viel wie im ganzen vergangenen Jahr entfernt – würde nur eines helfen: lang anhaltender Regen. Vier Wochen davon und eher kühle Witterung – das, so Straußberger, könnte die Bäume widerstandsfähiger machen. Das Problem: Zumindest derzeit ist eine derartieg Wetterlage nicht in Sicht . . .

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