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Schulfeiern im Abendkleid und mit Mundschutz

Die Pandemie erschwert Planungen massiv - 13.07.2020 16:00 Uhr

Auch das Ständchen zum Abschied wird heuer wohl meistens ausfallen. Zu groß ist die Angst, dass sich Aerosole verbreiten, die Covid-19 auslösen. Eine große Hürde für die Abschlussfeiern war aber vor allem die begrenzte Teilnehmerzahl. An einer Schule entschied man sich schweren Herzens sogar dafür, die Eltern nicht einzuladen.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Sein Abschlusszeugnis in der Hand zu halten – an diesen einmaligen Moment dürfte sich wohl jeder erinnern. Die Schullaufbahn ist damit offiziell beendet, die Tür zum Leben steht weit offen. Ganz klar, dass dies angemessen gefeiert werden muss. Mit der Familie und den Klassenkameraden, im großen und feierlichen Rahmen an der Schule oder in einem gemieteten Saal. Doch wie soll das heuer aussehen, in Zeiten mit Corona? Mit Maske zum Abendkleid, ausgewählten Gästen statt Familie in Vollbesetzung? Mindestabstand statt ausgelassenem Tanz? Lange haben viele Schulleiter gegrübelt, wie die "neue Normalität" bei Abschlussfeiern aussehen soll. Als die Konzepte dann ausgetüftelt waren, kam am Dienstag prompt noch eine Änderung aus der Staatskanzlei. 200 statt 100 Gäste dürfen ab sofort im Freien feiern, drinnen sind nun 100 statt 50 erlaubt. Die Schulleiter halten dennoch an der alten Regelung fest. Zu umständlich wäre es, jetzt noch einmal umzuplanen.

 

Am Hardenberg-Gymnasium etwa hat sich Direktor Dietmar Jungkunz mit einigen Lehrern, Vertretern des Elternbeirats und Schülervertretern zusammengesetzt und intensiv über den passenden Rahmen des Fests diskutiert. Das Problem: Mit 80 Abiturienten war schon fast die Grenze von 100 Feiernden im Freien erreicht. In geschlossenen Räumen durften es zum Zeitpunkt der Überlegungen sogar nur 50 sein. Die Frage, die man sich hier stellte, war letztendlich die, ob die Eltern mitfeiern sollen oder nicht. Nach langem Abwägen entschied man sich dagegen. Schweren Herzens, wie Jungkunz sagt. "Den Schülern ist es nicht leichtgefallen, ihre Eltern an diesem besonderen Tag nicht dabei zu haben." Schließlich hätten sie ihr Kind die ganze Schulzeit über begleitet. Groß sei aber auch der Wunsch gewesen, noch einmal als Abschlussklasse zusammen zu kommen – auch das war in den vergangenen Monaten nämlich kaum möglich.

Gefeiert wird nun am 17. Juli, bei gutem Wetter, in der Langhansanlage. In der großen Grünanlage rund um den Sportplatz finden sonst Treffen mit ehemaligen Schülern statt. Bei Regen geht es in die Sporthalle. Dann allerdings in zwei Gruppen, die nacheinander drankommen. Die Abschlussrede des Direktors wird via Livestream bei den Eltern daheim zu sehen sein, ebenso das bereits vorab aufgezeichnete Grußwort des Oberbürgermeisters. Auch wie sich die Schüler einzeln ihre Zeugnisse abholen, wird in die heimischen Wohnzimmer übertragen.

An der Max-Grundig-Schule, wo heuer rund 270 Schüler die Fach- oder Berufsoberschule abgeschlossen haben, spielen Videos ebenfalls eine zentrale Rolle. Hatte man zunächst geplant, mit rund 1000 Gästen auf dem Gut Wolfgangshof in Anwanden zu feiern, muss der Rahmen heuer viel überschaubarer bleiben. Etwa 35 Menschen werden am 29. Juli in der Aula der Schule zusammenkommen, darunter Schulleiter Thomas Schock, Bürgermeister Markus Braun, der Elternbeirat sowie die Schulband und die Klassensprecher der jeweiligen Klassen. Ihre Grußworte und Reden werden live in die Klassenzimmer übertragen, wo die Abiturienten mit ihren Lehrern zusammensitzen. Auch den Eltern soll die Möglichkeit eingeräumt werden, den Livestream zu verfolgen. Die Klassensprecher nehmen dann die Zeugnisse für ihre Mitschüler entgegen und bringen sie in die jeweiligen Klassenzimmer, wo der Lehrer sie verteilt. Davon, dass das Fest auch heuer stilvoll sein wird, ist Schock überzeugt. "Wir haben in unserer Aula alle technischen Möglichkeiten, einen feierlichen Rahmen zu schaffen."

Einen solchen soll es auch in der Mittelschule Soldnerstraße geben. Knapp 80 Schüler haben dort am 23. Juli ihre Entlassfeier. Schulleiter Claus Binder ist überzeugt davon, dass es sich die Jugendlichen nicht nehmen lassen, sich besonders aufzustylen. Dazu wird der Innenhof, wo die Feier stattfinden soll, wenn das Wetter mitmacht, besonders dekoriert und geschmückt. Auch hier galt es aber das Problem der Teilnehmerbeschränkungen zu lösen. Man entschied sich dafür, zwei Gruppen mit je zirka 40 Schülern zu bilden, so dass noch mindestens eine Begleitperson mitkommen kann. "Damit bleiben wir noch unter der Grenze von 100 Menschen", sagt Binder, der nun auch nicht mehr auf die neue Regelung von 200 Personen umschwenken wollte. Regnet es, werde man in die Mensa ausweichen und dann auf vier Veranstaltungen verteilt feiern.

Welche Bestimmungen es einzuhalten gibt, also beispielsweise die Maskenpflicht beim Gang durch das Schulhaus, die Niesetikette und natürlich der gebührende Abstand, davon war bereits in den Einladungen an Schüler und Eltern zu lesen.

Eine Band, ein Buffet und Abendgarderobe gehörten bislang auch bei der Ludwig-Erhard-Schule zum Verabschiedungsprogramm dazu. Die große Feier der Berufsschulabsolventen in den kaufmännischen Berufen findet traditionell in der Stadthalle statt. Heuer jedoch werde es "recht unspektakulär" sein, mutmaßt Jutta Böhm, die die Schule momentan kommissarisch leitet. Aber bei rund 500 Absolventen bleibt ihr kaum Spielraum. Nicht alle Schüler werden ihr Zeugnis deshalb in der Aula bekommen, wo, zeitlich versetzt, die Klassen aufgerufen werden, um ihre Abschlusszertifikate in Empfang zu nehmen. Nicht zuletzt, weil viele der Schüler aus ganz Nordbayern kommen. Eine Anreise an einem bestimmten Termin lediglich für die Übergabe sei nicht zumutbar.

Manche dürften deshalb an einem anderen Tag nach Fürth kommen und ihr Zeugnis einfach im Sekretariat abholen.

Lange überlegt hat man auch an der Hans-Böckler-Schule, wie man die Absolventen der Real- und Wirtschaftschule möglichst feierlich ins weitere Leben entlässt. Schulleiter Thomas Bedall glaubt, ein "Top-Konzept" gefunden zu haben, auch wenn dieses sehr viel Zeit kostet. Am 24. Juli sollen quasi den ganzen Tag lang Zeugnisse verteilt werden. Zunächst an die unteren Klassen, ab dem Vormittag bis zum späteren Nachmittag soll der Abschlussjahrgang drankommen. Neun Klassen verlassen heuer die Schule.

Sie sollen nun nacheinander in die Turnhalle kommen; jeder Schüler darf von einem Elternteil begleitet werden. Für jede Klasse wird in der rund halbstündigen Zeremonie die Videobotschaft von Bürgermeister und Oberbürgermeister eingespielt. Ob Bedall seine Worte an die Schüler live sprechen wird, weiß er noch nicht genau. "Ich würde es schon gern lebendig halten und auf eine Videoansprache verzichten", sagt er. Ob er das allerdings angesichts der Fülle an Klassen auch durchhält, darüber grübelt er noch.

Fest steht aber, dass die Turnhalle dank vieler Helfer kaum mehr als solche zu erkennen sein wird. Seit Jahren nämlich findet die Abschlussveranstaltung in der mit Girlanden, Ballons und Blumen geschmückten Umgebung statt. Damit die Feier unvergesslich wird. Nicht nur wegen Corona.

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