Sieben-Tage-Inzidenz: Fürth überschreitet die 200er-Marke

9.11.2020, 20:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Das Corona-Testzentrum in Atzenhof hat sich nach zwei Monaten etabliert und wird rege genutzt. Waren es anfangs zwischen 150 und 200 Tests am Tag, die meisten bei Reiserückkehrern, sind es jetzt 300 bis 400. Bis zu 80 Prozent davon stammen inzwischen von möglichen Kontaktpersonen der Kategorie 1. Das heißt, sie hatten engeren Umgang mit Infizierten.


Corona in Nürnberg: 7-Tage-Inzidenz auf 180


"In diesen Zahlen spiegelt sich das dynamische Infektionsgeschehen wider", sagt Klaus Meyer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth (AGNF), die die Station betreibt.

Erstmals liegt die Inzidenz bei über 200

Am Montag betrug der Sieben-Tage-Inzidenzwert laut dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Landkreis 170,55, in der Stadt Fürth sogar 226,45. Am Sonntag hat Fürth die 200er-Marke überschritten - noch vor Nürnberg. Zum Vergleich: In Nürnberg lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 180,95.

In Bayern können sich alle Menschen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen – auch wenn sie keine Symptome haben, aber fürchten, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben. Dazu wurden zahlreiche Stationen errichtet. Eine davon ist das gemeinsame Testzentrum für Stadt und Landkreis Fürth im Gewerbegebiet Golfpark, das im September in Betrieb gegangen ist.

Es soll den Menschen niederschwellig ermöglichen, sich testen zu lassen. Ursprünglich war vorgesehen, die Abstriche bei Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern in Zelten abzunehmen. Aufgrund der Windverhältnisse auf dem Gelände und wegen der sinkenden Temperaturen war das den Mitarbeitern aber nicht mehr zuzumuten. Nun werden sie durch ein Fenster aus einem Container heraus entnommen.

Online zum Termin

Die Voraussetzung: Es muss vorab ein Termin vereinbart worden sein. Das sei wichtig, um den Zustrom steuern zu können, sagt Klaus Meyer. Auf den Internetseiten von Stadt und Landratsamt Fürth findet sich der Link zum Testzentrum und seinem Buchungsportal. Viele Menschen greifen aber lieber zum Telefon.

Mit 200 bis 300 Telefonanfragen wird die Einrichtung täglich überhäuft – nicht selten erhoffen sich die Anrufer außer einem Termin auch eine Beratung. "Das ist eine irrsinnige Menge. Das können wir natürlich nicht leisten", so Meyer.

Die Folge dieses Ansturms: Die Leitungen sind oft belegt, Menschen ohne Internetzugang, die auf eine telefonische Anmeldung angewiesen sind, haben das Nachsehen. Sie kommen schlichtweg nicht durch. Das betrifft vor allem ältere Leute.

Wer zu seinem Termin erscheint, muss im Durchschnitt eine Wartezeit von 15 bis 30 Minuten einkalkulieren, manchmal länger. "Zu uns kommen ja auch Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, kleine Kinder, die die Prozedur nicht über sich ergehen lassen wollen, oder Leute, die sich beim Prozedere wenig kooperativ zeigen", so Meyer.

Der QR-Code hilft

Eingeplant sind pro Person zwei Minuten, es kommt aber auch vor, dass es zehn sind. Hilfreich ist es, wenn die Testpersonen, wie vorgesehen, mit ihrem Smartphone einen QR-Code einscannen. Danach ploppt auf dem Handy-Bildschirm eine Maske auf, in die man seine Daten eingibt, damit diese sofort digital erfasst und der Probe zugeordnet werden können. Sie wird dann an das Labor geschickt. "Das hilft uns sehr", betont Meyer.

Leider verfügen aber nicht alle Smartphones über diese Möglichkeit. Dann sollte man seine elektronische Gesundheitskarte dabei haben, weil die Daten damit maschinell erfasst werden können. Sonst müssen sie per Hand eingegeben werden. Das führt zu Verzögerungen.

Unmut übers lange Warten

Den Unmut bekommen oft die Mitarbeiter der Einrichtung ab – auch wenn die Ergebnisse nicht, wie angestrebt, innerhalb von 48 Stunden da sind. Dabei können die medizinischen Fachkräfte gar nichts dafür. Zur Zeit dauert die Auswertung im Schnitt zwischen drei und fünf Tagen.

Meyer: "Es gibt zwischen 80 und 90 Stationen in Bayern, die die wenigen Testlabore mit Proben füttern. Diese Labore sind am Anschlag. Es geht nicht schneller." Umso wichtiger ist es zur Zeit, mit den Testkapazitäten vernünftig umzugehen.

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