Sorge um Kiefern: Der Wald steht vor dem Umbruch

21.6.2019, 21:00 Uhr
Alles andere als gesund sieht dieser Waldrand aus. Wo eigentlich sattes Grün hingehört, prägt das Braun abgestorbener Äste und ganzer Bäume die Szene. Die Folgen der Trockenheit werden zunehmend deutlicher.

Alles andere als gesund sieht dieser Waldrand aus. Wo eigentlich sattes Grün hingehört, prägt das Braun abgestorbener Äste und ganzer Bäume die Szene. Die Folgen der Trockenheit werden zunehmend deutlicher. © Foto: Bund Naturschutz

Die ehrenamtlichen Waldbeauftragten hatten in der jüngsten Stadtratssitzung mehrheitlich nichts Gutes zu berichten. Wie es hieß, steht den Wäldern ein radikaler Umbruch bevor.

Die Hälfte der Kiefern auch in den Wäldern der Stadt und der Hospitalstiftung sind durch Unwetter und extreme Trockenheit vor allem im vergangenen Jahr geschädigt, berichtete Bürgermeister Jürgen Habel (CSU). Im Stadtwald wurden zwischen 1985 und 2018 insgesamt 34,4 Hektar Forst neu angelegt, im Stiftungswald 12,4 Hektar.

Unterstützung für Privatleute?

Demnächst sollen Gespräche auch mit den Forstbehörden über den anstehenden Umbau hin zu mehr Mischwald beginnen. Es stelle sich die Frage, so Habel, ob die Besitzer von Privatwald effektive Unterstützung benötigen. Bernhard Heeren (Grüne) pflichtete bei, der Forst müsse umgebaut werden, um bestehen zu können. Thomas Ziegler (CSU), seit 30 Jahren Waldpfleger, betonte, die städtischen Wälder hätten in Sachen Pflege stets gut dagestanden.

Die Waldbeauftragten Martin Sand (Keidenzell und Dillenberg) und Manfred Däumler (Dillenberg und Oberreichenbach) berichteten von enormen Unwetterschäden und Folgen der Dürre. Es werde Jahrzehnte dauern, bis dies wieder ausgeglichen sei. Der Brennholzverkauf laufe immer spärlicher wegen des Überangebots durch Sturmbruch und Notfällung.

Der scheidende Waldpfleger Günther Mahr (Laubendorf) erwähnte, dass extreme Hitze und Trockenheit die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers begünstigt haben, besonders schlimm in einem Waldstück mit Fichten im Spitalwald, wo 200 Festmeter Käferholz gerodet werden musste.

Die Witterung habe auch Aufforstungsmaßnahmen bedeutend erschwert. Durch die massiven Käfer-Schäden in Deutschland und angrenzenden Ländern wie Tschechien sind immense Holzmengen auf den Markt geschwemmt worden, so Mahr, was den Festmeter-Preis und die Abnahmemengen natürlich stark beeinflusst habe.

Pilz löst das Kiefernsterben aus

Der Kirchfembacher Waldbeauftragte Reinhard Grasser konnte in seinem Zustandsbericht vermerken, dass trotz der unterdurchschnittlichen Niederschläge der Schädlingsbefall im Fichtenbestand gering war, so dass durch gezielte Fällung einzelner Bäume eine Ausbreitung verhindert wurde. Bei den Kiefern zeigen sich schon Trockenschäden. Ein Pilz ist der Erreger des sogenannten Kieferntriebsterbens. Für den Kiefernprachtkäfer sind durch den Pilz vorgeschädigte Stämme ein willkommener Brutraum.

Der Brennholzmarkt kam total zum Erliegen, so Grasser; von den drei bis fünf Selbstwerbern, die immer angerufen hatten, meldete sich keiner mehr. Aufforstungen wurden 2009 an der Pirkacher Straße (Auracher Weg) als ökologische Ausgleichsfläche für die Erweiterung des Waldfriedhofs angelegt (auch mit Exoten wie Mammutbäumen) und 2012 an der Oberfembacher Straße als Ausgleichsfläche fürs Baugebiet Klaushofer Weg.

Dies ließ etliche Stadträte den Kopf schütteln: Weshalb muss für einen erweiterten Waldfriedhof eine Umwelt-Ausgleichsfläche angelegt werden? Man habe Flächen für mehr Baumbestattungen ausgewiesen und diese zählten nicht als Wald, erläuterte der Bürgermeister. "Das ist Deutschland", kommentierte Hans-Peter Krippner (Freie Wähler).

Kurz und bündig hielt Waldpfleger Thomas Ziegler (Langenzenn) seinen Bericht: "Keine besonderen Vorkommnisse." Roland Schönfelder (Horbach) rekapitulierte ein ruhiges Jahr in einem "gut in Schuss" gehaltenen Wald. Problem sei ein stetig wachsender Müllhaufen rings um einen umgelegten Hochsitz, der ihn schon im vergangenen Jahr erzürnt hatte.

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