45 Prozent Reiserückkehrer

Spitzenreiter in Mittelfranken: Wie sich Fürths hohe Inzidenz zusammensetzt

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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27.8.2021, 21:00 Uhr
Bitte Platz nehmen: Das Fürther Impfzentrum an der Rosenstraße hat viel mehr Kapazitäten, als derzeit abgerufen werden.

Bitte Platz nehmen: Das Fürther Impfzentrum an der Rosenstraße hat viel mehr Kapazitäten, als derzeit abgerufen werden. © Claudia Ziob, NN

Rasant ging die Sieben-Tage-Inzidenz in Fürth zuletzt nach oben, inzwischen hat die Stadt alle anderen Orte in Mittelfranken überholt. Am Freitag lag der Wert laut Robert-Koch-Institut (RKI) schon bei 80,3, im Landkreis dagegen noch unter 30 (29,5).

Bereits seit Mittwoch gilt in der Stadt die 3G-Regel (im Landkreis nicht): Geimpft, genesen oder getestet muss man sein, um Zutritt zu vielen Innenbereichen zu bekommen. Nachdem die Inzidenz nun auch die 50er-Marke wiederholt überschritt, kommt es zu weiteren Verschärfungen – vermutlich allerdings nur vorübergehend.

Denn: In der kommenden Woche soll eine völlig neue Corona-Verordnung die 13. bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ablösen, das hat Ministerpräsident Markus Söder angekündigt. Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen, ist dann nicht mehr entscheidend, sondern die Belastung der Krankenhäuser. Schließlich sind auch bei höheren Inzidenzen schwere Krankheitsverläufe seltener als in der Vergangenheit zu erwarten, weil insbesondere die ältere Bevölkerung durch Impfungen gut geschützt ist. Kernstück der neuen Verordnung wird die 3G-Regel sein.

Bislang aber sind manche Regelungen noch an die Inzidenzgrenze 50 geknüpft. Konkret ändert sich daher ab diesen Sonntag Folgendes: Es dürfen sich in Fürth dann nur noch bis zu zehn Personen aus maximal drei Haushalten treffen (bisher gibt es keine Haushaltsbegrenzung). Vollständig Geimpfte und Genesene sowie die zu den Hausständen gehörenden Kinder unter 14 Jahre werden dabei weiterhin nicht mitgezählt.

Bei Geburtstagen, Hochzeiten und anderen privaten Feiern im Freien dürfen vorerst nur noch 50 Menschen zusammenkommen, bei Feiern im Innenbereich maximal 25 Menschen (bisher doppelt so viele). Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. Bei öffentlichen Veranstaltungen sind im Freien ebenfalls nur noch bis zu 50 und in geschlossenen Räumen bis zu 25 Teilnehmende erlaubt – allerdings einschließlich Geimpfter und Genesener.

Was nach den Ferien in den Schulen gilt, wird in den nächsten Tagen noch präzisiert. Der Freistaat will den Präsenzunterricht mit vermehrten Tests und einer vorläufigen Maskenpflicht am Sitzplatz sichern.

Angesichts des schnellen Anstiegs der Inzidenz appellieren Oberbürgermeister Thomas Jung und Landrat Matthias Dießl jetzt erneut an die Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen. Es gebe genug Möglichkeiten, "ohne Termin, ohne komplizierte Anmeldung". In einer Pressemitteilung betonen Jung und Dießl: "Jeder Mensch, der so geschützt ist, trägt dazu bei, dass sich die Einschränkungen aller im Alltag in Grenzen halten, und – das ist das Wichtigste – er schützt sich selbst und seine Mitmenschen."

Nach derzeitigen Erkenntnissen können Geimpfte, die mit der Delta-Variante infiziert sind, offenbar zwar so ansteckend sein wie Ungeimpfte. Aber: Sie infizieren sich eben deutlich seltener. Unter Ungeimpften gibt es viel mehr Neuinfektionen als unter Geimpften – die Inzidenz unter Ungeimpften ist also viel höher. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums ist sie zehnmal so hoch wie bei Geimpften, aktuell liege sie bei 110 im Vergleich zu 9,18.

Sieben Covid-19-Patienten im Klinikum

Die Impfung schützt zudem vor einem schweren Krankheitsverlauf, das beobachtet man auch im Fürther Klinikum: Momentan werden dort sieben Covid-19-Patienten behandelt, darunter ein Kind, sie alle sind nicht oder nur teilweise geimpft. Drei der erwachsenen Corona-Patienten liegen auf der Intensivstation – alle drei sind ungeimpft, wie Sprecherin Carmen Brückner mitteilte.

Die Inzidenz in Fürth ist binnen weniger Tage stark nach oben geklettert. Zum Vergleich: Vor einer Woche, am 20. August, lag sie noch bei 34,2. Den ganzen Juli über und noch bis zum 11. August blieb sie sogar unter 15.

Aktuell sind in Fürth 133 Menschen positiv, im Landkreis 58. Es gebe aber keinen größeren Ausbruch in der Stadt und keinen Hotspot im engeren Sinn, heißt es auf Nachfrage aus dem Fürther Gesundheitsamt. Das Infektionsgeschehen sei diffus. "Häufig sind es ganze Familien mit allen Familienmitgliedern, die positiv getestet sind", sagt eine Sprecherin des Landratsamts. Bei 45 Prozent handele es sich um Reiserückkehrer, 21 Prozent steckten sich im familiären Umfeld an, je 3,5 Prozent in der Arbeit oder in der Freizeit.

In den vergangenen vier Wochen waren in Stadt und Landkreis Fürth 30 der insgesamt 284 positiv getesteten Menschen vollständig geimpft – das entspricht 10,6 Prozent.

Impfangebote ohne Termin gibt es am Samstag, 28. August, vor Ikea (10 bis 19.30 Uhr), Decathlon (13 bis 19.30) und auf der Freiheit (9 bis 19.30), am Sonntag, 29. August, am Fürthermare (9 bis 19.30) und auf der Freiheit (9 bis 19.30).