Sportmeile dürfte Roßtal noch attraktiver machen

17.9.2018, 19:11 Uhr
Hallo Sportmeile: Wenn ein Festzug mit rund 650 Sportlern unterwegs ist, braucht es einen, der den Ton angibt (oben). Die Kleinsten freuen sich dagegen über Hilfe vor der Rutschpartie über die Langbank (li.). Aber auch einfach im Grünen sitzen macht Spaß (re.). (2)

Hallo Sportmeile: Wenn ein Festzug mit rund 650 Sportlern unterwegs ist, braucht es einen, der den Ton angibt (oben). Die Kleinsten freuen sich dagegen über Hilfe vor der Rutschpartie über die Langbank (li.). Aber auch einfach im Grünen sitzen macht Spaß (re.). (2) © Fotos: Berny Meyer, Thomas Scherer

Maximilian ist mit seiner Schwester und seinen Eltern gekommen. Zusammen steht Familie Hübl mitten in der Sportmeile und lässt den Blick über das Areal schweifen: Das Gebäude mit den Hallen und der Vereinsgaststätte mit der in markantem Rot gestrichenen Fassade. Die Fußballfelder mit dem A-Platz, dessen sattes Grün ins Auge fällt. "Groß und schön", sagt Horst Hübl, ein gebürtiger Roßtaler, der mit Frau Nadja und den Kindern in Stein wohnt. Max wird aber wohl schon bald hier in Roßtal mit dem Fußballspielen beginnen, vom Kindergarten in Großweismannsdorf bis hierher ist es schließlich nur ein Katzensprung.

Man habe "gemeinsam bleibende Werte" geschaffen, das hatte Roßtals Bürgermeister Johann Völkl beim offiziellen Festakt am Freitagabend in seiner Ansprache gesagt, "ein Sport-Angebot für Jahrzehnte". Natürlich eine Heimat für Fußballer, Turner und Judoka, aber darüber hinaus noch für andere. Weil TV und Tuspo ihre alten Sportgelände mit in das Projekt eingebracht haben, kann die Gemeinde dort zentrumsnah Bauplätze schaffen, und die, so Völkl, "sind für den Markt Roßtal wichtig".

Sie wird es brauchen, denn die Sportmeile als Standortfaktor dürfte Roßtal für Zuzügler noch attraktiver machen. Hans Kittler, Vorsitzender des ehemaligen Tuspo, rechnet mit 300 bis 400 Neubürgern, die sich einmal dort niederlassen werden, wo früher Athleten ihren Schweiß vergossen haben. In 30 Jahren, so hofft er, werde man bilanzieren können, "dass sich das für die Gemeinde gelohnt hat".

Die Roßtaler jedenfalls zog es von Anfang an auf ihre Sportmeile: Schon während der vergangenen Monate, so erzählte es Herbert Erdorf, Ex-Chef des Turnvereins, in seiner Rede schmunzelnd, "waren mehr Besucher als Handwerker auf der Baustelle". Am Samstag zur Eröffnung der Außenanlagen kamen dann über 1000 Menschen und machten sich ein Bild. Am Sonntag sind die 100 Parkplätze auf dem Gelände schon am frühen Vormittag belegt. An der Buchschwabacher Straße stehen die Autos am Rand der Felder, die Schlange reicht bis zum Ortseingang von Roßtal. Joachim Kuchlbauer gibt deshalb den Parkeinweiser und leitet die Neuankömmlinge mit ihren Fahrzeugen auf ein abgeerntetes Stoppelfeld, "damit das Chaos etwas entzerrt wird".

Der TSV zeigt, was er alles im Angebot hat

Wie am Schnürchen läuft dagegen das Programm, bei dem der TSV zeigt, was er alles im Angebot hat. In den Hallen geht es rund: Die Turnflöhe schlagen Purzelbäume, die Minis lassen Handbälle fliegen, ruhiger ist es beim Pilates. Natürlich alles vor Publikum, überall gibt es für Zuschauer mit Filzvlies abgeklebte Bereiche; die neuen Böden sollen schließlich unter dem Ansturm nicht leiden.

Und dann ist da der Kinder-Parcours. An Seilen hangeln sich Mädchen und Buben hier etwa über eine am Kasten angelehnte Weichboden-Matte und rutschen auf der anderen Seite auf Langbänken wieder hinab. Stephanie und Jochen Pelz haben das lustige Treiben im Blick. Das Diplomsportlehrer-Paar zeichnet für ein neues Angebot verantwortlich, auf das der TSV besonders viel Wert legt: die "Kinder-Sportmeile". Dabei sollen die Jüngsten eine "motorische Grundausbildung" bekommen, also vielseitige Bewegungserfahrungen machen, sich mit Bällen und Schlägern probieren, bevor sie gezielt in eine spezielle Sportart wechseln.

Gute Ausstattung statt Luxus

Es brummt in den Hallen und davor. Während das Leben auf der Sportmeile pulsiert, sitzt Herbert Erdorf kurz auf einer Bierbank im Schatten und nippt an einem Getränk. Viel Lob haben sein Vereinsfreund Hans Kittler und er beim Festakt erhalten, stellvertretend für alle, die sich für das neue Projekt engagierten. Lothar Sölla etwa, im Kreis Nürnberg Vorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), freute sich, dass anstatt auf Holzdecken und schön gestrichene Wände auf "eine gute sportliche Ausstattung" Wert gelegt wurde. Die eine Million Euro Steuergeld, die der BLSV zugeschossen hat, sieht er in der Sportmeile gut investiert. Landrat Matthias Dießl sprach von einem "Leuchtturmprojekt".

Herbert Erdorf fühlt sich gerade ein wenig wie am Ende eines Langstreckenlaufs, der einige Hindernisse bereit hielt und kurz vor dem Ziel noch einen "gnadenlosen Sprint" erforderte. Doch alles wurde fertig – fast jedenfalls. Fußbodenleisten gibt es noch keine, was zu verschmerzen ist; ebenso die fehlende Boulderwand, die Anfang November kommen soll. Die Bäume haben es auch nicht bis zur Eröffnung geschafft – egal, stört alles nicht beim Start des offiziellen Betriebs, den gleich am Montag in der Frühe eine Damen-Fitnessgruppe übernommen hat. Die Hallen sind nach verdienten Sportlern getauft, auch die Gaststätte hat einen Namen.

Eine Gaststätte namens "Schnitzelgrube"?

Apropos, "Schnitzelgrube" war dafür im Gespräch – in Anlehnung an den gleichnamigen mit Schaumstoffwürfeln gefüllten Pool in der Turnhalle, der im Falle eines unfreiwilligen Abgangs vom Reck eine sanfte Landung verspricht. "Das wäre ein Knaller gewesen" sagt Erdorf. "Vielleicht hätten wir mutiger sein sollen." Doch mutig waren sie in Roßtal bei ihrem gemeinsamen Projekt in den vergangen sieben Jahren oft genug. Die Gaststätte heißt übrigens "Zur Sportmeile".

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