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Stadt Fürth wirft der Bahn Rechentricks vor

Aktion gegen den S-Bahn-Schwenk durch das Knoblauchsland wird untermauert - 08.08.2014 11:00 Uhr

An der Bestandsstrecke – hier vom Bahnhof Vach aus Richtung Fürth – ist genug Platz für ein weiteres S-Bahn-Gleis. Doch die Bahn beharrt auf ihren überholten Plänen aus den 90er Jahren. © Günter Distler


Kein aussichtsloses Unterfangen, wie Oberbürgermeister Thomas Jung meint. Denn für die Bahnplanung müsste in großem Stil enteignet werden. Doch genau diese drohende Zwangsmaßnahme hat vor 15 Jahren schon zum Scheitern der Pläne für einen gemeinsamen Gewerbepark der Nachbarstädte im Knoblauchsland geführt. „Wenn der Schwenk gebaut wird, könnten die überholten Gewerbepark-Pläne wieder aufleben“, befürchtet BN-Landeschef Hubert Weiger aus Fürth.

92 000 Quadratmeter werden nach Angaben von Stadtplanungsamtschef Dietmar Most allein für den Gleisbau benötigt. Einschließlich ökologischer Ausgleichsflächen und Baustelleneinrichtung werden nach Berechnungen von Jürgen Kraft sogar 150 000 bis 200 000 Quadratmeter benötigt. Kraft vertritt als Fachanwalt für Agrarrecht 15 Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen im Bereich der Schwenktrasse, die stellvertretend gegen die Bahnplanung klagen.

Unnötige Verlärmung der Landschaft

Schwerwiegende Mängel bei der Prüfung der Umweltverträglichkeit kreidet der für die Stadt und den BN tätige Würzburger Fachanwalt für Verwaltungsrecht Wolfgang Baumann der Bahnplanung an. Er kennt sich aus mit verfahrenen Großprojekten. Seine Kanzlei befasst sich auch mit dem Berliner „Fluchhafen“. Eine trotz Alternativen unter großen Schwierigkeiten geteilte Bahntrasse würde nach seinen Worten nicht nur dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit widersprechen, sondern auch zu einer unnötigen Verlärmung der Landschaft führen.

An Prozessbetrug grenzen für Baumann die Berechnungen der Bahn. Während der Ausbau entlang der Bestandsstrecke nach städtischen Erhebungen mit nur 37 Millionen Euro zu Buche schlägt, gibt die Bahn die Kosten mit 48 Millionen an. Dagegen beziffert sie die Schwenk-Kosten mit 39 Millionen Euro, während die Stadt auf 50 Millionen Euro kommt. Außen vor bleiben in der Bahn-Rechnung die Kosten für den Schallschutz (4,75 Millionen Euro) und Versorgungsleitungen (3 Millionen Euro) am Schwenk. Ein Aufwand, der an der Bestandsstrecke laut Baumann deutlich geringer ausfallen würde.

Dass der Bahn an der Bestandstrasse rund 70 Prozent der zum Ausbau benötigten Fläche gehört, an der Schwenkstrecke hingegen nur drei bis fünf Prozent, merkt der Sprecher des Bündnisses Pro S-Bahn ohne Verschwenk, Harald Riedel, an. Lediglich 30 000 Quadratmeter fehlen der Bahn zum Ausbau entlang der Bestandsstrecke noch, präzisiert Jung. Nach seinen Informationen sind die Grundbesitzer hier zudem durchaus verkaufsbereit.

Den Vorwurf aus der Nachbarschaft, Fürth bremse den S-Bahn-Bau, lässt Riedel nicht gelten. Wenn der weitgehend ausgebaute S-Bahn-Bogen im Innenstadtbereich mit zusätzlichen Signalen und Weichen endlich in Betrieb genommen würde, könnte die S-Bahn schon jetzt problemlos im 20-Minuten-Takt verkehren. Bis zur in drei bis vier Jahren erwarteten Gerichtsentscheidung und dem anschließenden Ausbau wären jedenfalls keine Nachteile zu erwarten. Und die zusätzlichen Kosten sind für Jung durch die Einsparungen beim Ausbau entlang der Bestandsstrecke allemal abgedeckt.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kämpft auf der Fürther Seite mit. Wie er im Gespräch mit den Fürther Nachrichten erklärte, will er weitere Verbündete gewinnen und mit einer Verkehrskonferenz im Großraum Vorbehalte gegen die Fürther Forderung abbauen. 

VOLKER DITTMAR

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