Stadttheater Fürth: "Mutter Corage" ist Domes' Triumph

15.1.2018, 17:15 Uhr
Michaela Domes (Mitte) spielt die Hauptrolle in Bertolt Brechts Anti-Kriegsstück „Mutter Courage“, das Werner Bauer am Theater Fürth inszeniert hat.

© Foto: Edgar Pfrogner Michaela Domes (Mitte) spielt die Hauptrolle in Bertolt Brechts Anti-Kriegsstück „Mutter Courage“, das Werner Bauer am Theater Fürth inszeniert hat.

Am Ende macht sich die Mutter Courage "auf die Socken", so, wie es die Kattrin, der Eilif und der Schweizerkas, ihre längst toten Kinder, gesungen haben. Hundert Jahre dauert der Krieg, und auch wenn das Frühjahr kommt, wird er doch nie aus sein: "Wach auf, du Christ!", mahnen die Opfer, während die Täter schon wieder zu den Waffen rufen. Doch da hinten, ganz am Ende der Bühne, die Courage mit ihrem wackligen Marketendergefährt, das sie jetzt ganz alleine ziehen muss, scheint diesem Ruf nicht zu folgen. Ihr "Nehmts mich mit" gilt nicht den Regimentern mit ihren Pfeifen und Trommeln, sondern den Toten, der Kattrin, dem Eilif, dem Schweizerkas und all den anderen Gefallenen: Sie hat genug von dieser Welt, die ihr nur im Krieg die Existenz sicherte und in der gerade der Frieden Überlebenskampf und Verlust bedeutete.

Die "Mutter Courage" der Michaela Domes ist im Fürther Stadttheater eine von Anfang an gebrochene und desillusionierte Frau. Eine wütende, keifende, schnoddrige bisweilen, wenn es um die Verteidigung ihrer wenigen Habseligkeiten geht. Doch sie ist vergrämt, verlebt, erschöpft und die Hoffnung auf bessere Zeiten hat sie aufgegeben. "Der Mensch denkt und Gott lenkt" singt die Domes mit einem Ausdruck tiefster Verachtung (musikalische Arrangements: Norbert Nagel).

Finstere Zeiten

Ihr Leben passt auf einen Planwagen, in dem alles Gerümpel Platz hat, bis auf die Moral. Die gehört zwar auch zum alten Eisen in diesen finsteren Zeiten, aber ohne sie lässt sich eben leichter Gewinn herausschinden aus dem Leid und der Verzweiflung der anderen. Am Krieg verdient die Courage, der Frieden treibt sie in den Bankrott.

Es ist exakt dieser Widerspruch, den Michaela Domes hier beeindruckend verkörpert. In ihr kämpft es, sie wehrt sich gegen ihre Skrupellosigkeit und immer noch träumt sie von "den jungen Jahren", in denen sie dachte "was ganz Besondres" zu sein. Aber sie ist zum Guten nicht mehr fähig, der Mut, der ihr den Namen gab, zerrinnt ihr zwischen den Fingern, selbst die späte Liebe ist nur ein falsches Spiel, das auf Kalkulation beruht.

Es war zu erwarten, dass diese Schauspielern die Inszenierung von Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" allein tragen wird. Die Domes ist eine Idealbesetzung: resolut und mit diesem Funken Sehnsucht im Sinn, der aus ihr eine einsame, dem Glück abhanden gekommene Frau macht. Und in der Tat ist Regisseur Walter Bauer dann auch nicht viel mehr eingefallen als Michaela Domes spielen zu lassen, wie sie es eben kann. Bauers Blick auf Brechts strapaziertes Stück ist ansonsten ein altmodischer, man kann ruhig sagen: uninspirierter. Hier wird nichts falsch gemacht, weil es streng nach Vorlage geht, ohne dass groß Ideen oder eigenes Querdenken verschwendet werden. Ein reichlich in die Länge gezogener, braver Abend, an dem mit der Zeit die Schrecken des Krieges und der Finsternis zur Gewohnheit werden. Manchmal theaterdonnert es, aber auch nur so verhalten, dass keine wahren Empfindungen und Befürchtungen aufkommen.

Marlen von Heydenaber hat eine Ruinenlandschaft geschaffen, die an einen Ausgrabungsort antiker Stätten erinnert. Diese Bühne dreht sich wacker, und auf ihr der gummibereifte Wagen auf seinem Irrweg durch die Schlachtfelder. Drumherum die Figuren, denen mehr oder weniger Charakter anzumerken ist: der Feldprediger (Rainer Appel) muss ein bisschen täppisch-komisch sein; der Koch (Paul Kaiser) ein gebremster Hallodri; die stumme Kattrin der Theresa Martini steckt arg in ihrer Verzweiflung fest und wenn sie trommelt, um die Stadt vor der Vernichtung zu retten, dann kommt es zu einem so putzig-harmlosen Showdown, dass man die ganze Angelegenheit doch eher auf die leichte Schulter nehmen möchte.

Die Zeitlosigkeit, die Bauer der Geschichte, zu der ihm kein Zeitbezug in den Sinn gekommen ist, verordnet hat, äußert sich allein im Stilmix der Kostüme und Requisiten: Auf die Menschen in Klamotten früher Jahrhunderte zielen Soldaten in modernen Kampfanzügen mit moderner Gewehrtechnik und wenn die Courage sich ein Pfeifchen anzündet, hört man das leise Klacken eines elektronischen Feuerzeugs.

Weitere Vorstellungen: 17., 18., 19., 20., 21. und 23, Januar. Kartentel.: 0911/ 9 74 24 00.

Verwandte Themen


1 Kommentar