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Steilvorlage der Politik

«Adler, Geier & Co»: Kabarett im BiKul mit Bagaasch - 07.10.2009

So schrill wie bei der jüngsten Dullnraamer-Kampagne im Fürther Karneval agieren Ute und Uwe Weiherer nicht immer. Neben dem Klamauk pflegen die Kabarettisten auch das ernste Genre. © Hans-Joachim Winckler


«Manchmal», sagt Ute Weiherer, «fühlt man sich als Kabarettist sehr müde.» Ein melancholischer Satz, der aber kaum davon ablenkt, dass ihre Augen äußerst unternehmungslustig blitzen. Knapp neun Jahre gab es kein Kabarett von den «Bagaaschs». Doch jetzt, sagen Ute und Uwe Weiherer, haben sie einfach wieder richtig Lust darauf, sich «mit diesem Land auseinanderzusetzen».

Die beiden Leiter der Fürther Ensemblebühne, die sich in den vergangenen Jahren mit Ur- und Erstaufführungen wie Pasolinis «Orgia» oder Klassikern wie «Faust» hervor taten, haben sich auch für ihre neue Produktion Verstärkung geholt: Neben ihnen stehen Tanja Busch und Tochter Rike Weiherer auf der Bühne.

«Adler, Geier & Co» will sich mit «60 Jahren Hüben und Drüben in Dekaden» beschäftigen, verspricht Ute Weiherer, die die Texte schrieb und Regie führt. Der Blick geht nämlich nicht nur in die Vergangenheit der Bundesrepublik, sondern nimmt auch die DDR und, logisch, der Wiedervereinigung unter die Lupe.

Eine Kombination, sagt die Autorin, die ihr nicht schwer fällt: «Ich bin ein klassisches Flüchtlingskind, ich kenne beide Welten.» Deutsch-deutsche Sprachlosigkeit und «Entwicklungsabgründe» habe sie am eigenen Leib erlebt.

Keine Frage, der Abend soll natürlich nicht nostalgisch, sondern taufrisch daher kommen. «Die Bundestagswahl ist zwangsläufig ein wichtiges Thema», verraten die beiden Protagonisten. Fälle wie Guido Westerwelles «Hier spricht man Deutsch»-Pressekonferenz, in der er dem Englischen mannhaft eine Absage erteilte, empfinden sie zwar einerseits als Steilvorlage für Kabarettisten. Andererseits fühlen sie sich angesichts solcher Situationen manchmal «einfach sehr müde», versichern die beiden Theatermacher.

Die Besucher des Bagaasch-Abends erwartet ein klassisches Programm ohne Mätzchen. Uwe Weiherer lässt keine Zweifel: «Wir sind Anhänger des literarischen Kabaretts». Mehr noch: «Wir verweigern uns der Comedy.»

Abgesehen von ein paar Ausflügen ins Fränkische, respektive ins Sächsische wird man sich auf der Bühne dementsprechend auch dem Hochdeutschen verpflichtet fühlen, wenn unter anderem die Frage erörtert wird: «In welcher Verfassung befinden wir uns eigentlich?»

Auf der Liste der Themen, die abgearbeitet werden, steht das doppelte Ampelmännchen genauso wie die Folgen einer heftigen «Angela Pectoris». Und es wird nicht zuletzt um Sprachpossen gehen, die zum Beispiel aus Kriegen sanft abgefederte «Bedrohungslagen» machen. «Undogmatisch komisch und beißend satirisch», versichert Ute Weiherer, soll die Deutschland-Geburtstagsfeier auf jeden Fall werden. Auf der relativ jungen Bühne des Bildungs- und Kulturzentrums Lindenhain fühlt sich das Kabarettensemble längst richtig wohl: «Schöner Saal, nette Leute, entspannte Atmosphäre, gut zu bespielen» heißt das Urteil der Akteure. Einen Wunsch haben die Bagaaschs vor der Premiere in der Kapellenstraße: «Es wäre wirklich klasse», hoffen Ute und Uwe Weiherer, «wenn möglichst viele Fürther einfach rüber kommen.»

SABINE REMPE

«Adler, Geier & Co»: Uraufführung am heutigen Mittwoch, 7. Oktober, 20 Uhr im BiKul Lindenhain, Kapellenstraße 47. Weitere Termine 9. und 10. Oktober. Näheres im Internet unter www.fuerther-bagaasch.de

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