Stillstand nährt neue Kino-Spekulationen in Fürth

16.12.2014, 06:00 Uhr
Ende Oktober kam ein bisschen Bewegung in die Brache an der Gebhardtstraße - doch inzwischen ist es wieder ruhig geworden.

© Mark Johnston Ende Oktober kam ein bisschen Bewegung in die Brache an der Gebhardtstraße - doch inzwischen ist es wieder ruhig geworden.

Vor drei Wochen sollten eigentlich Betonarbeiten für die Fundamente des Kinos mit seinen sechs Sälen beginnen - so hatte es Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller nach einem Gespräch mit dem Architekten gegenüber den FN kommuniziert. Passiert ist bis heute nichts dergleichen - einmal mehr, wie zunehmend frustrierte Beobachter konstatieren.

"Mich würde es sehr interessieren, welche Ausreden unser Multiplex-Kinobauer Herr Ach diesmal hat", heißt es in einem von mehreren Schreiben an die Redaktion. "Nichtstun des Bauherren" gehöre doch wohl nicht zu den neuen Bedingungen der Stadt, ätzt ein anderer Leser.

Spott zur Kenntnis genommen

Auch im Rathaus nimmt man solchen Spott besorgt zur Kenntnis und beobachtet die Entwicklung mit Unbehagen - hatte man doch gehofft, unter dem Druck der zusätzlichen vertraglichen Klauseln werde mehr Tempo in das Projekt kommen. Schon seit zweieinhalb Jahren dümpelt es vor sich hin, eine öde Brache erstreckt sich, wo eigentlich längst das schicke Multiplex-Kino stehen sollte.

Wie berichtet, hatte sich die Kommune jüngst ausbedungen: Ach muss bis Anfang November 2014 zu bauen begonnen haben, und er muss das Kino bis spätestens 31. Oktober 2015 "bezugs- und betriebsfertig" stellen. Teil eins, daran lässt die Stadt keinen Zweifel, hat Ach erfüllt, indem er Bagger in Gang setzte, die das Gelände einebneten. Ob es nun tatsächlich weitergeht und ob hier jemals unter Achs Regie Filme gezeigt werden - niemand wagt noch Prognosen.

Oberbürgermeister vertrötest

Auch Fürths Oberbürgermeister nicht, der bereits im Kommunalwahlkampf vor einem Jahr auf Handzetteln und unter dem Motto "Wünsche werden wahr" ein "attraktives Kino" versprochen hatte. Die Fürther haben das nicht vergessen, wie Jung derzeit besonders oft feststellen darf. Auf Weihnachtsfeiern werde er immer wieder gefragt: "Wärd etz des nu wos mit unserm Kino?", gestand der OB auf Anfrage unserer Zeitung. Doch er winke immer ab und vertröste auf den Beginn des neuen Jahres.

Mit gutem Grund, denn in den nachgebesserten Vertrag mit dem Bauherren hat sich die Kommune vorsichtshalber eine weitere Klausel einbauen lassen. Was sie genau besagt, darüber schweigen sowohl Jung als auch Wirtschaftsreferent Müller aus juristischen Gründen. Der OB spricht vage von "alternativen Ausstiegsszenarien" bis zum Jahresende, in Stadtratskreisen indes wird als offenes Geheimnis gehandelt: Das Grundstück an der Gebhardtstraße würde an die Stadt zurückfallen, sollte Ach bis Ende 2014 nicht hieb- und stichfest die Finanzierung seines Millionenprojekts nachweisen können.

Rathaus schweigt weitgehend

Ob diese Finanzierung, wie schon einmal Mitte dieses Jahres erneut wankt, auch dazu äußert sich Thomas Jung nicht. Allerdings formuliert der Rathauschef vielsagend: Das Ausbleiben weiterer Aktivitäten lasse "darauf schließen, dass Herr Ach immer noch verschiedene Probleme hat" - und fügt dann nicht weniger vielsagend hinzu: "Ob ihm die Lösung bis zur Jahreswende gelingt, beurteile ich persönlich als sehr fraglich."

Alfred Ach selbst bezog auf schriftliche Anfrage unserer Redaktion zum Thema Finanzierung keine Stellung, per Mail ließ er lediglich ausrichten "dass die Koordination mit den ausführenden Firmen nach Plan verläuft" Und: "Die Zuleitung zum Gebäude" könne sich "schwierig gestalten, da unter zirka einem Drittel des Grundstücks die U-Bahn-Röhre verläuft".  Derzeit gebe es nichts Neues, "sobald sich etwas ergibt, werden wir Sie unterrichten".

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