Donnerstag, 21.11.2019

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Theater bringt Solo-Besucher am "Sektdischla" zusammen

Zusammen ist man weniger allein: Zwei neue Projekte bringen Menschen ins Gespräch - 13.10.2019 16:00 Uhr

Allein mit Schaumgetränk und Knabberzeug? Das muss nicht sein. Die große Doris Kunstmann gastierte in Yasmina Rezas Komödie „Bella Figura“ im März vorigen Jahres im Stadttheater. © Foto: Hans-Joachim Winckler


"Mein Mann schaut zum Beispiel lieber Fußball", bekennt Angelika Franzen, die sehr gern ins Stadttheater geht. So gern, dass die erst vor sechs Jahren in die Kleeblattstadt Gezogene inzwischen stellvertretender Vorstand des Theatervereins ist; dort ging Franzen bereits vor über einem Jahr mit einer Idee hausieren, jetzt wird sie Wirklichkeit.

Was, wenn die bessere Hälfte oder der Bekanntenkreis das Sofa dem brasilianischen Tanztheaterabend vorzieht? Dann ist es wie so oft: Man geht solo - und wieder mal ist niemand zum Reden dabei. Schon gar nicht in der Pause. Die dann stets besonders lang und zäh gerät. Und zu einem Grüppchen sich dazu stellen - eher nicht. Das "Sektdischla", Franzens Idee, soll nun die Laune aller einsam flanierenden Theatergängerinnen und -gänger heben. Zwei grün gedeckte und dezent beschilderte Bistrotische, erstmals ab diesem Wochenende im Einsatz, sollen signalisieren: Hier warten andere Theaterfans, gesprächs- und konversationsbereit. Postiert sind die Tische im großen Mittelfoyer des 1. Ranges, und wenn es nach Angelika Franzen geht, so soll das "Sektdischla" ein Selbstläufer werden. "Zwanglose Gespräche mit Gleichgesinnten" machen, sagt die Initiatorin, den Abend gleich viel schöner - und manchen rätselhaften Regieeinfall vielleicht etwas weniger rätselhaft. Keine Kontaktbörse für traurige Singles soll das Dischla sein, stattdessen ein Treffpunkt für Mitmenschen, die in der Pause ungern stumm bleiben wollen.

Theaterbesuche als gruppendynamisches Erlebnis, das ist auch die Grundlage jener Idee, die Johannes Beissel ausgeheckt hat. "Theater gemeinsam erleben" heißt das Projekt des Theaterpädagogen, der von sich sagt: "Ich kann auch nicht alleine ins Kino gehen. Mir macht das überhaupt keinen Spaß." Eingeladen sind erstmals am 8. November Menschen ab 16 Jahren, die gerne ins Theater gehen und bei der Gelegenheit neue Menschen kennenlernen möchten. "Es gibt ein Bedürfnis nach Gemeinschaft", will Beissel festgestellt haben; als Beispiel nennt er Jutta Czurdas auch nach Jahren noch erfolgreichen Community Dance, der Woche für Woche bis zu 100 Bewegungswillige ins Kulturforum lockt.

Und warum nicht auch Community im Großen Haus? Treffpunkt für die Auftaktveranstaltung ist an jenem 8. November um 18 Uhr am Haupteingang. Bis 19 Uhr ist im Nachtschwärmer-Foyer Zeit zum Kennenlernen und für den Austausch über Theatervorlieben und gemeinsame Kunsterlebnisse. Dann kommt abermals Czurda ins Spiel: Um 19 Uhr bittet sie zur Einführung in die Tanztheater-Produktion "#JeSuis", die sich mit dem Leben in Krisenzeiten befasst. Um 19.30 Uhr schließlich beginnt die Vorstellung. Für Teilnehmer von "Theater gemeinsam erleben" gibt es 20 Prozent Rabatt auf alle Preisgruppen. Danach besteht abermals Gelegenheit zum Gespräch.

Zwei bis drei solcher Abende plant Beissel in dieser Saison, "und ich würde mir wünschen, dass sich über unser Projekt hinaus Besuchergruppen bilden, die dann regelmäßig in unser Theater kommen".

Toll, diese Tänzer, findest du nicht auch?

"Theater gemeinsam erleben": Anmeldung bis spätestens 1. November unter Tel. 9742431 oder an johannes.beissel@fuerth.de. Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie auch die Vorstellung "#JeSuis" besuchen und für welche Preisgruppe Sie eine Karte reservieren möchten.

Matthias Boll

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