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Traumfabrik wäscht den Staub des Alltags von der Seele

Das Regensburger Ensemble forderte in der Fürther Stadthalle zum Staunen, Lachen und Träumen auf - 05.02.2019 11:30 Uhr

Licht, Akrobatik und Musik im Einklang: Faszinierende Illusionen zauberte die Traumfabrik auf die Bühne der Fürther Stadthalle. © Fotos: Stefan Hippel


Hätte es Preise vergeben können, das Publikum in der Stadthalle hätte mit Sicherheit mehrfach zu Gold und Silber gegriffen. Und sich dem vielfachen Tenor der vergangenen Jahre angeschlossen, demzufolge es sich bei der Traumfabrik um epochemachendes Theater handelt. Tatsächlich verzaubert das Programm mit seinen geglückten Illusionen, umfängt mit tiefgründigem Humor und sanfter Ironie. Und es erstaunt den Zuschauer ob der Bühnentechnik, die mit sympathischer Schlichtheit Licht und Musik in Einklang bringt.

Nur 28 Köpfe stark ist das Team um Begründer Rainer Pawelke auf und hinter der Bühne. Pawelke gab die ersten Impulse für die Traumfabrik als Dozent an der Universität Regensburg. Der Einfluss des Sportpädagogen ist immer noch in manchem Act spürbar, wenn auch die Traumfabrik heute mit Akzenten des modernen Varietés jongliert und man der Vielgestalt der Aufführung anmerkt, dass da nicht wenige kreative Köpfe fürs Gesamtprojekt verantwortlich zeichnen.

Für international gefragte Akrobatik steht die Leichtigkeit, mit der Hugo Noel aus Kanada etwa in seinem Singlewheel über die Bühne wirbelt. Man kann sich daran kaum sattsehen und möchte, ebenso fasziniert, endlos der federnd eleganten Fassadenkletterei der Catwall Acrobats folgen. Mit Noel als Frontmann wird das Trampolin in blitzschneller Folge für Höhenflüge von über fünf Metern genutzt.

"Lebe Deinen Traum", ermutigt Eva Aibaz ihr Publikum. Die aus Russland stammende Künstlerin malt – mit Sand. Mit wenigen Fingerstrichen, getupften Häufchen hier und hingehauchten Strukturen da lässt sie auf einer Glasplatte Szenerien und Traumbilder entstehen. Die Poesie von Anfang, Ende und wiederholtem Neubeginn findet in ihrer Kunst eine zutiefst berührende Ausdrucksform.

Man könnte die Liste der Höhepunkte im knapp zweistündigen Programm schier endlos fortsetzen. Da sind Christiane Hapt und Sebastian Berger aus Wien, die mit Fackeln und Stableuchten dreidimensionale Kunstwerke für den Augenblick wirbeln. Da ist die witzige Interpretation der Mondlandung: Im Stil des "Theatre noir" spielen ein bayerischer und ein amerikanischer Astronaut, von der Schwerelosigkeit in ihrem Fortkommen verlangsamt, mit der Erdkugel Fußball.

Man lächelt und schaut und wundert sich, wie diese Bewegungen zustande kommen. Die Musik rockt, von Richard Strauß über Rammstein bis zu Major Tom spannt sich der Bogen. Und am Ende schießt der Bayer den Siegtreffer. Gott sei Dank!

Die Traumfabrik hat es in den vergangenen Jahren zu internationalem Ansehen gebracht. Das ist nicht verwunderlich, denn die Stücke sind von hinreißender Schönheit und von einem Humor durchdrungen, der das Herz erfrischt. Und nichts bannt den Menschen mehr, als das Wechselspiel zwischen Darbietung und eigener Phantasie.

Pablo Picasso sagte, dass Kunst den Staub des Alltags von der Seele wäscht. So steht es im Programmheft — und so geschieht es in der Traumfabrik. 

Petra Fiedler

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