Trinkbrunnen für die Schüler

28.6.2012, 13:00 Uhr
In historischen Kostümen präsentierten sich Hardenberg-Schüler hundert Jahre nach dem Bau ihres Schulgebäudes, das im Bild als Teil einer Ausstellung der Fachschaft Kunst zu sehen ist.

In historischen Kostümen präsentierten sich Hardenberg-Schüler hundert Jahre nach dem Bau ihres Schulgebäudes, das im Bild als Teil einer Ausstellung der Fachschaft Kunst zu sehen ist. © Mark Johnston

Als Seminarlehrer für Geschichte am Hardenberg hat sich Manfred Winkler intensiv mit der Geschichte des Hauses befasst, in dem er, seine Kollegen und Hunderte Schüler Tag für Tag ein- und ausgehen. Beim Festakt zum Baujubiläum gab er in der historischen Turnhalle C vor vielen Gästen auch aus Politik und Wirtschaft Einblick in die Geschichte des Hauptgebäudes mit dem Turm, der einst als astronomische Beobachtungsstation diente, und den vier ionischen Säulen vor dem Eingang.

Es war ein kühnes Projekt. Denn, so Winkler: Aus München gab es kein grünes Licht für den Bau einer zweiten naturwissenschaftlichen Oberrealschule in Mittelfranken. Und Nürnberg hatte eine solche schon. Im Zuge der Industrialisierung aber wuchs Fürth und wuchs, daher beschloss man im Rathaus 1909 Fakten zu schaffen und die Schule zu bauen. Unter der Regie von Stadtbaurat Otto Holzer entstand nicht weit von der Heinrichskirche in 13 Monaten Bauzeit und ohne Maschineneinsatz das mächtige Schulgebäude.

In seinen Ausführungen erklärte Manfred Winkler, was es zum Staunen der Fürther in seinem Innern beherbergte: So sollten auf Steinsockeln ruhende Aquarien und Terrarien den Schülern manche Tiere lebend vorführen. Chemie- und Physiksäle waren ausgestattet mit Gasleitungen mit Doppelhähnen an allen Tischen, für „photographische Zwecke“ stand eine Dunkelkammer zur Verfügung, und es gab 22 lange, eher schmale Klassenzimmer. „Sie waren konzipiert für den Frontalunterricht und für Lehrkräfte mit kräftiger Stimme“, sagte Winkler und fügte schmunzelnd hinzu, das mache dem Kollegium heute noch zu schaffen.

Manches von dem, was vor hundert Jahren eingerichtet wurde, gibt es nicht mehr. So sind die Trinkbrunnen, an denen die Schüler lange vor der Zeit der Getränkeautomaten ihren Durst an Wasserstrahlen stillen konnten, längst Geschichte. Wie die Aquarien und Terrarien wurden sie in den 1950er Jahren entfernt.

In jüngster Zeit hat das Hardenberg einen dringend benötigten Erweiterungsbau bekommen, die Langhans-Anlage wurde Teil des damit größeren Schulhofs, und 2011 wurde eine Fassade des Hauptgebäudes saniert. „Eine von vier Seiten“, wie Schulleiter Dietmar Jungkunz beim Festakt anmerkte. Mit den anderen drei Seiten „wird uns der Sachaufwandsträger wohl nicht im Stich lassen“, sagte er mit Blick zu Oberbürgermeister Thomas Jung und schob augenzwinkernd nach: „Das Gestühl im Physiksaal I feiert übrigens auch 100. Geburtstag.“ OB Jung signalisierte Entgegenkommen: Auch wenn es 30 Schulen und 60 Kindertagesstätten in Fürth gebe, werde sich die Stadt weiter um das Hardenberg kümmern. Denn es sei das Zentrum der Südstadt, und hier finde Fürths „dynamischste Entwicklung“ statt.

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