Erfolgreicher Extremsportler

Trotz Trommelfellriss: Apnoetaucher aus Zirndorf holt drei WM-Medaillen

20.10.2021, 11:00 Uhr
Mit einem Atemzug und ohne zusätzlichen Sauerstoff so tief abtauchen wie möglich: Das Foto zeigt Jens Stötzner auf einem seiner Tiefgänge bei der Weltmeisterschaft im türkischen Kas. In der Disziplin ohne Flossen und Berühren des begleitenden Sicherungsseils stellte er mit 65 Metern einen neuen Weltrekord auf.

Mit einem Atemzug und ohne zusätzlichen Sauerstoff so tief abtauchen wie möglich: Das Foto zeigt Jens Stötzner auf einem seiner Tiefgänge bei der Weltmeisterschaft im türkischen Kas. In der Disziplin ohne Flossen und Berühren des begleitenden Sicherungsseils stellte er mit 65 Metern einen neuen Weltrekord auf. © Foto: Feredico Buzzoni

Anfang Oktober waren in Kas die besten Freitaucher aus 29 Ländern angetreten. Ihr Ziel: Mit nur einem Atemzug und ohne zusätzlichen Sauerstoff so tief hinabzutauchen wie möglich. Schon neun Mal war der 54-Jährige für den deutschen Freitaucherverband bei Weltmeisterschaften dabei. Herausgekommen war bislang nur ein vierter Platz. Heuer, beim zehnten Versuch, wollte er es in seiner bestechenden Form endlich aufs Treppchen schaffen.

Trotz Pause an die Spitze

Doch dann der Schock: Trommelfellriss am ersten Trainingstag. "In nur zehn Metern Tiefe ist mir das passiert", erzählt Stötzner. Natürlich sei kurz der Gedanke dagewesen, dass die WM für ihn damit vorbei sein könnte, bevor sie richtig angefangen hat. Doch der gebürtige Berliner, seit gut 30 Jahren Wahl-Franke, wollte nicht aufgeben. Die nächsten vier Tage pausierte er.

"Eigentlich sind das extrem wichtige Trainingstage bei so einem Wettbewerb, auch zur Akklimatisierung", erklärt er. Grundsätzlich habe das Tauchen im Meer zwar Vorteile gegenüber Seen, weil die Sicht besser und das Wasser wärmer ist. Dennoch sei immer eine Umstellung nötig, die eben Zeit braucht.

Jens Stötzner taucht auf, im Bild nach einem Tauchgang bis auf 64 Meter. 

Jens Stötzner taucht auf, im Bild nach einem Tauchgang bis auf 64 Meter.  © Foto: Jens Stötzner

Glücklicherweise hatte der routinierte Tieftaucher schon Erfahrung mit solchen Verletzungen. Und tatsächlich: Nur vier Tage nach seinem Trommelfellriss tauchte Stötzner in der Masters-Klasse der über 50-Jährigen zu seiner ersten WM-Bronzemedaille. In der Disziplin Constant Weight mit Monoflosse – dabei stecken beide Füße in einer großen Flosse – kam er bis auf 71 Meter hinunter.


Apnoetaucher aus Franken knackt einen neuen Rekord


Doch damit nicht genug. Noch im Freudentaumel über seine erste Platzierung auf dem Treppchen, stand nur wenige Tage später die Disziplin Constant Weight No Fins auf dem Programm. Diese gilt als anspruchsvollste Disziplin, da man ohne Flossen abtauchen muss und dabei auch das begleitende Sicherungsseil nicht anfassen darf. Als einziger Masters-Athlet erreichte Stötzner eine Tiefe von 65 Metern. Das bedeutete nicht nur den Weltmeistertitel sondern auch einen neuen Weltrekord. Eine starke Leistung, die der Zirndorfer ein bisschen relativiert: "Eigentlich liegt meine Bestleistung in dieser Disziplin bei 74 Metern. Das war aber beim Wettbewerb für einen anderen Veranstalterverband."

Seine Leistung und die Goldmedaille kann das aber nicht schmälern. Beinahe nebensächlich wirkte da am letzten Wettkampftag ein weiterer dritter Platz: In der Disziplin Constant Weight Bi-Fins – also mit einer Taucherflosse an jedem Fuß – ging es bis auf 78 Meter hinunter. "Für mich ist 2021 auf jeden Fall das bisher erfolgreichste Jahr im Freitauchen", sagt Stötzner erfreut.

Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis antwortet er, dass er trotz widriger Umstände niemals aufgehört hatte zu trainieren. Als im Winter coronabedingt die Hallenbäder geschlossen hatten, sei er bei minus acht Grad Außentemperatur in der Rednitz geschwommen. Auch auf dem Hometrainer habe er viele Stunden zugebracht. Stötzner: "Ich glaube, das hat mir heuer den entscheidenden Vorteil verschafft."

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