Schluss mit Einwegprodukten

Umweltschutz: Zur Gartenfeier gibt’s Palmblattgeschirr

28.6.2021, 11:00 Uhr
Essen zum Mitnehmen in der Plastik- oder Styroporbox soll bald der Vergangenheit angehören. Lediglich Restbestände dürfen Besitzer von Imbissbuden oder Schausteller noch bis 1. Januar 2022 aufbrauchen, damit sie nicht ungenutzt im Müll landen. Schluss ist ab 3. Juli außerdem unter anderem mit Wattestäbchen, Strohhalmen und Eislöffeln.

Essen zum Mitnehmen in der Plastik- oder Styroporbox soll bald der Vergangenheit angehören. Lediglich Restbestände dürfen Besitzer von Imbissbuden oder Schausteller noch bis 1. Januar 2022 aufbrauchen, damit sie nicht ungenutzt im Müll landen. Schluss ist ab 3. Juli außerdem unter anderem mit Wattestäbchen, Strohhalmen und Eislöffeln.

Strohhalme, Geschirr und Besteck, Wattestäbchen und Luftballonstäbe: Diese und andere Plastikprodukte sind ab Anfang Juli aus Umweltgründen tabu, wenn eine neue EU-Richtlinie in Kraft tritt. Schon seit den neunziger Jahren hat der Roßtaler Michael Brak dem Material den Kampf angesagt, seit 2014 arbeitet er mit dem Kindermarktgemeinderat daran, seinen Heimatort plastiktütenfrei zu bekommen. Die FN haben mit ihm über die neuen Maßnahmen und die Verantwortung jedes Einzelnen gesprochen.

Bald sind einige Einwegplastik-Produkte in Deutschland verboten. Sinnvoll oder eher ein zu kleiner Schritt?

Auf jeden Fall ist das sinnvoll. Aber dennoch hätte ich mir gewünscht, dass neben Politikern und Juristen auch ein paar Praktiker an der Ausarbeitung des Gesetzes beteiligt gewesen wären. Es gibt nämlich etliche Schlupflöcher. Beim Einwegbesteck etwa fürchte ich, dass künftig stabilere Varianten aus Plastik zum Einsatz kommen werden, die zwar als Mehrweg deklariert sind, letztendlich aber doch sofort im Müll landen.

Der Roßtaler Michael Brak (62) ist seit 2008 Umweltreferent der Gemeinde und kämpft schon lange gegen Plastik.

Der Roßtaler Michael Brak (62) ist seit 2008 Umweltreferent der Gemeinde und kämpft schon lange gegen Plastik. © Foto: privat

Nun braucht es ja Alternativen zu den Produkten, die wegfallen. Welche sind denn empfehlenswert?

Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit Tellern aus Palmblättern gemacht. Für einen Grillabend taugen sie gut, sie sehen hübsch aus und ließen sich auf meinem Komposthaufen problemlos entsorgen. Ein Jahr später waren sie abgebaut. Ebenso positiv war mein Test mit Bioplastikbeuteln aus Maisstärke, die auch gut verrotten. Plastikstrohhalme ersetzt man am besten durch Mehrwegexemplare aus Glas oder Edelstahl. Solche aus Pappe weichen oft zu schnell auf, und wenn man Drinks aus Nudeln schlürft, kann das Allergien auslösen.

Ein weiteres großes Problem sind Verpackungen. Wenn man sie nicht vermeiden kann, worauf sollte man zumindest achten?

Nicht wiederverwerten lassen sich Mischmaterialien, also beispielsweise Brottüten, die ein Sichtfenster aus Folie haben. Um diese recyclen zu können, müsste man Papier vom Plastik trennen und in den jeweiligen Tonnen entsorgen. Doch wer macht das schon? Nicht kaufen sollte man außerdem Kosmetika oder Zahnpasta mit Mikroplastik. Diese winzigen Teile werden in der Kläranlage nicht herausgefiltert und landen irgendwann im Meer, wo sie großen Schaden anrichten. Um die Produkte auf Mikroplastik zu untersuchen, lohnt sich eine entsprechende App, mit deren Hilfe man die Inhaltsstoffe herausfinden kann. Duschgel und Haarshampoo gibt es mittlerweile in großer Auswahl in fester Seifenform, ganz ohne Plastik.


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Wer sich damit nicht anfreunden kann, findet inzwischen auch schon Flaschen aus recyceltem Material. Ist das denn sinnvoll?

Wenn ich nicht ganz verzichten kann, sollte diese Option auf jeden Fall Vorrang kriegen. Leider sind diese wiederverwerteten Stoffe nicht geeignet für Lebensmittel, deshalb kommen sie dafür nicht zum Einsatz. Das ist übrigens auch ein Problem bei den massenhaft verwendeten Pizzakartons. Sie bestehen auch aus Recyclingkarton. Das Fett der Pizza allerdings kann daraus giftige Schwermetalle lösen, weshalb man die Pizza möglichst schnell aus dem Karton nehmen und auf einen Teller legen sollte.

Wie, glauben Sie, wird es mit Plastik weitergehen?

Nun ja, bis jetzt gibt es ja noch keine eierlegende Wollmilchsau, die das Material perfekt ersetzt. Wichtig wäre es, etwas zu finden, das sich nicht erst nach 500 Jahren abbaut. Ich denke, man wird dazu auch in die Vergangenheit schauen müssen. Früher gab es zum Beispiel Zellophan, ein Produkt aus Holzfasern. Damit hat man auch viel verpackt. Weil Plastik mit seinen Weichmachern aber ein angenehmeres Gefühl erzeugt hat, wurde Zellophan irgendwann abgelöst. Vielleicht kommt es ja irgendwann zurück. In Roßtal, das ja der erste plastiktütenfreie Ort in Franken werden will, setzt man auf den Stoffbeutel zum Einkaufen. Er passt in jede Jackentasche, liegt immer im Auto, und man muss auf keinen Komfort verzichten.

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