Im Golfpark Atzenhof

Umzug: Fürth hat ein neues Hospiz- und Palliativzentrum

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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30.8.2021, 13:45 Uhr
Hell und freundlich sind die neuen Räume. Das Quartier bietet mehr Platz - und damit auch neue Chancen.

Hell und freundlich sind die neuen Räume. Das Quartier bietet mehr Platz - und damit auch neue Chancen. © Claudia Ziob, NN

Der Abschied fiel schwer. 32 Jahre war der Hospizverein im Klinikum beheimatet, vor zwölf Jahren kam das Palliativ-Care Team dazu.

Beide Einrichtungen kümmern sich um Menschen im Raum Fürth, die wissen, dass sie bald sterben werden, und um ihre Angehörigen. Sie sorgen auf unterschiedliche Art dafür, dass das Lebensende mit viel Leben gefüllt ist: der Hospizverein mit seinen 125 geschulten Ehrenamtlichen, die Schwerstkranke und Sterbende kostenfrei zuhause, im Heim oder im Krankenhaus begleiten, manchmal nur einige Tage lang, manchmal über Jahre; das Palliative-Care Team mit seinen Pflegekräften und Medizinern, deren Einsatz von den Krankenkassen bezahlt wird.

Dass man direkt am Krankenhaus angesiedelt war, sei ein "Alleinstellungsmerkmal" in Süddeutschland gewesen, sagte Dr. Roland Hanke. Vorsitzender des Hospizvereins, bei der Einweihung der neuen Bleibe. Es bedeutete extrem kurze Wege: Gleich nach der Diagnose konnte man beim "Aushalten" helfen. Bei Besprechungen saß man mit Mitarbeitenden des Klinikums zusammen. Die enge Verflechtung möchte man beibehalten – "und wenn wir uns eine Dienst-Vespa anschaffen". Vier Minuten Fahrtzeit seien es jetzt nur.

Sie sind für die medizinische und pflegerische Arbeit zuständig: die Pflegekräfte und Ärzte des Palliative-Care Teams in den neuen Räumen.

Sie sind für die medizinische und pflegerische Arbeit zuständig: die Pflegekräfte und Ärzte des Palliative-Care Teams in den neuen Räumen. © Claudia Ziob, NN

Die hauptamtlichen Kräfte des Vereins und das Palliative-Care Team sind nun in freundlich gestalteten Räumlichkeiten in der Gustav-Weißkopf-Straße 9 im Golfpark Atzenhof zu finden. Der Umzug wurde nötig, weil das Klinikum seine Räume selbst braucht. Das Quartier bietet viel Platz und neue Chancen. Ein "Kompetenzzentrum Sorgekultur Lebensende" soll hier entstehen: eine Anlaufstelle für Menschen, die zum Beispiel ethische Fragen umtreiben.

Das Herz des Hospizvereins sind 125 ehrenamtliche Hospizbegleiter. Sie werden von den hauptamtlichen Koordinatorinnen Monika Neumann (v. li.), Angelika Hecht und Katharina Billmann unterstützt, deren Büros jetzt auch im neuen Quartier zu finden sind.

Das Herz des Hospizvereins sind 125 ehrenamtliche Hospizbegleiter. Sie werden von den hauptamtlichen Koordinatorinnen Monika Neumann (v. li.), Angelika Hecht und Katharina Billmann unterstützt, deren Büros jetzt auch im neuen Quartier zu finden sind. © Foto: Claudia Ziob

Wichtig war es Hanke, dass bei der Einweihung Vertreter der großen Religionen ihren Segen gaben. Der katholische Dekan und ein Vertreter des evangelischen Dekanats waren ebenso dabei wie der Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde, der Imam der Ditib-Moschee und ein Sprecher der Humanistischen Vereinigung. Man begleite schließlich Menschen aller Religionen und Hautfarben, in allen Familienkonstellationen. "Wir weinen und lachen alle in der gleichen Sprache", sagte eine Mitarbeiterin des Palliative-Care Teams.

Als "Hospiz-Botschafter" hat Hanke den Komödianten Martin Rassau gewonnen, der helfen will, das Engagement bekannter zu machen. Der Verein finanziert sich über Spenden – die aber sind zuletzt stark eingebrochen. Rassau freut sich auf die Zeit, in der Benefizveranstaltungen wieder möglich sind.

Corona, auch das wurde bei der Eröffnung deutlich, ist für die Sterbebegleiter eine schwierige Zeit: Oft starben Heimbewohner mutterseelenallein, weil selbst in Notsituationen und trotz Impfung ein aktueller negativer Testnachweis verlangt wurde und wertvolle Zeit verstrich. Immens sei die Belastung aber auch fürs Personal in den Heimen gewesen, das so viele Menschen sterben sah.

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