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Unfallgefahr: Braucht es einen Fahrradführerschein?

Experten sind skeptisch, befürworten aber ein Training - 07.06.2018 06:00 Uhr

Auf einem Parcours an der Freiheit konnte das Publikum des Aktionstags vor einem Jahr seine Geschicklichkeit im Lenken ausprobieren. Das war vollkommen ungefährlich und machte obendrein jede Menge Spaß. © Foto: Patricia Blind


Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa befürworten 52 Prozent der Befragten eine Art Prüfung. Dem stehen hiesige Fahrradexperten jedoch kritisch gegenüber. Für Volkmar Paulus, Verkehrserzieher bei der Fürther Polizei, fehlen dafür schlicht die rechtlichen Voraussetzungen. Dass jedoch Training hilft, unbeschadet durch den Verkehrsdschungel zu kommen, weiß er aus seiner Arbeit an Grundschulen: Nach vier Doppelstunden kennen Viertklässler in der Regel die wichtigsten Verkehrszeichen.

Allerdings muss Paulus feststellen, dass die Fahrpraxis schon bei vielen Kindern sehr zu wünschen übrig lässt. Das sei vergleichbar mit den Defiziten beim Schwimmen. Paulus: "Wenn sich die Eltern nicht genug kümmern, bleibt die ganze Motorik auf der Strecke." Auch der Auto Club Europa (ACE) geht mit Verkehrssicherheitstraining auf Schulhöfen erfolgreich dagegen an. Als Belohnung gibt es einen kleinen Führerschein samt Urkunde.

Was an Schulen nach Angaben des ACE-Kreisvorsitzenden Manfred Rühl prima funktioniert, könnte seiner Meinung nach auch älteren Jahrgängen zu mehr Sicherheit verhelfen. Wie das gehen kann, hat der ACE vor einem Jahr mit einem Parcours auf der ehemaligen Bustrasse an der Fürther Freiheit gezeigt. Gefährlich ist in Rühls Augen nicht allein der Mangel an Fahrpraxis, sondern auch eine riskante Radwegführung auf kombinierten Fußwegen. Passanten, die aufs Smartphone starren oder mit Kopfhörern unterwegs sind, kämen Radlern häufig unvermutet in die Quere.

Für kontraproduktiv hält der Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Olaf Höhne, einen Radführerschein. Das könnte Menschen abschrecken, aufs Fahrrad umzusteigen. Es gebe genug Regelungswahn, und ein Schein verhindere keine Verstöße. Alle Verkehrsteilnehmer zusammen müssten mit Umsicht für Sicherheit sorgen. Aber auch bessere Radwege seien nötig, um Unfallgefahren vorzubeugen.

Was Höhne wie auch Rühl und Paulus große Sorgen bereitet, ist mangelnde Fahrpraxis von Pedelec-Fahrern. Die höhere Geschwindigkeit birgt hier zusätzliche Risikofaktoren. Ein Fahrtraining, wie es der ADFC in Nürnberg bereits für Neueinsteiger anbietet, kann sich Höhne auch für Pedelecfahrer vorstellen. Aber natürlich auf freiwilliger Basis.

Volker Dittmar

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