Vacher im Jubiläumsrausch

21.9.2009, 00:00 Uhr
Besonderer Blickfang des Vacher Kirchweihzuges gestern Nachmittag war das maßstabsgetreue Kirchenmodell.

Besonderer Blickfang des Vacher Kirchweihzuges gestern Nachmittag war das maßstabsgetreue Kirchenmodell. © Anestis Aslanidis

Mit der Weihe der romanischen Kapelle durch den Eichstätter Bischof Gundekar II auf den Namen des Apostels St. Matthäus ist der Flecken im Jahre 1059 in das Licht der Geschichte getreten. Und noch heute hat die 1422 zur Pfarrei erhobene Kirchengemeinde entscheidenden Anteil an der Ortsentwicklung.

Ein großes Aufgebot politischer Prominenz war zum Jubiläumsgottesdienst am gestrigen Kirchweihsonntag in die mit rund 350 Besuchern restlos gefüllte Kirche gekommen. Allen voran der frühere Bayerische Ministerpräsident und stellvertretende Synodalpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Günther Beckstein.

In seiner Festpredigt ging der Präsident des Diakonischen Werkes Bayern und ehemalige Fürther Dekan, Ludwig Markert, auf die enormen Anforderungen an die diakonische Arbeit in der Gegenwart ein. Dazu zählte er den Einsatz für Hartz IV-Empfänger.

«Viel zu viele Bescheide sind fehlerhaft und der Einzelne kann sich kaum noch dagegen wehren», klagte Markert. In der Pflege seien es die zunehmend umfangreicheren Vorschriften, die den Pflegekräften immer weniger Zeit für ihre auch von der Öffentlichkeit geforderte eigentliche Arbeit ließen: nämlich den liebevollen Umgang mit alten Menschen. Zwar ging der Diakonie-Präsident nicht auf die jüngsten Schlagzeilen über Missstände in der Pflege ein, meinte aber, man müsse auch sehen können, was nicht gut gelaufen ist. Markert: «Wir brauchen nicht fehlerlos zu sein, nur wahrhaftig.» Das sei schließlich ein lutherischer Grundsatz.

Die Reformation hat St. Matthäus im Jahre 1528 erfasst. Seit dieser Zeit liegen Aufzeichnungen über Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen vor. Historisch von besonderer Bedeutung sind die Notizen des Ortspfarrers Johann Georg Renner über das Leid, das der 30-jährige Krieg in der Bevölkerung angerichtet hatte.

Seit der Gebietsreform 1972 gehört Vach zur Stadt Fürth. Die Dorfgemeinschaft hält aber auch in der Großstadt noch immer zusammen. Zum Jubiläum haben die Vacher ein Kirchenmodell im Maßstab 1:7 gebaut. Zum Blickfang wurde es auch beim Kirchweihzug gestern Nachmittag. Wer mehr über die Geschichte von Vach und St. Matthäus erfahren möchte, der findet in einer 176 seitigen Festschrift zum Kirchenjubiläum alles Nötige.

Das weitere Festprogramm des Jubiläumsjahres bietet am 23. Oktober eine Soiree, am 1. November ein Konzert der Musikkapelle Cadolzburg, zum Ausklang am 8. November die Hubertusmesse und am 15. November ein Jugendkonzert «Wegbilder». VOLKER DITTMAR