Demonstration gegen Jobverlust

Vapiano-Schließung in Fürth: Mitarbeiter in Rage

16.6.2021, 19:34 Uhr
2015 eröffnete die Vapiano-Filiale in der Poppenreuther Straße. Nun ist sie insolvent; alle Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Dagegen begehrten sie nun auf.

2015 eröffnete die Vapiano-Filiale in der Poppenreuther Straße. Nun ist sie insolvent; alle Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Dagegen begehrten sie nun auf. © Foto: Gwendolyn Kuhn

"Wir sind gekommen, um zu bleiben", skandierten rund 35 Vapiano-Mitarbeiter vor dem Standort der Pizza-Kette in der Poppenreuther Straße. Ihnen war kürzlich völlig unvermittelt von der Betreibergesellschaft von Vapiano gekündigt worden.

Mit der Kundgebung wollten sie auf ihre missliche Situation aufmerksam machen – und für ihren Arbeitsplatz kämpfen. Am 25. Mai hatte die VPO Betriebs GmbH Fürth 1 Insolvenzantrag beim Fürther Amtsgericht gestellt. Allen 49 Angestellten wurde betriebsbedingt gekündigt.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) befürchtet allerdings, dass hinter der Insolvenz Kalkül stecken könnte. "Es gab Fälle, bei denen ein Standort erst dichtgemacht wurde, der dann aber unter einem anderen Namen wieder eröffnet hat", sagt Laura Schimmel, die bei der NGG unter anderem für die Fürther Gastronomie zuständig ist.

Der Haken daran: Die Altbelegschaft und der Betriebsrat bleiben Schimmel zufolge in solchen Fällen in der Regel auf der Strecke. Zum Zug kämen neue Mitarbeiter mit weniger lukrativen Verträgen. Die NGG fordert deshalb, den Standort, den sie als umsatzstark und gewinnbringend einstuft, zu erhalten – ebenso wie die Arbeitsplätze.

Darauf hofft auch Frank Strohmeier, der seit 16 Jahren für Vapiano arbeitet. Der Betriebsleiter am Fürther Standort hat für die Kundgebung eigens bunte Plakate gefertigt, die er nun in die Höhe streckt. "Wir sind eine der umsatzstärksten Filialen", sagt er – und hinter ihm stehe ein tolles Team, das auch künftig mit ihm zusammenarbeiten wolle.

Dass es in dem 2015 eröffneten Lokal mit der markanten Architektur nahe dem Frankenschnellweg weitergeht, daran ist auch dem städtischen Wirtschaftsreferenten Horst Müller gelegen. Bei der Kundgebung versprach er, das Gespräch mit der Standortgesellschaft, Vapiano als Gebäudeeigentümer und dem Insolvenzverwalter zu suchen. Sein Ziel sei es, dass dort, wo nach der Bebauung des Kavierleins viele Wohnungen entstanden sind, die Gastronomie erhalten bleibt. "Wir werden alles tun, was wir als Stadt tun können."

"Wir sind nur Nummern"

Dass dieser Einsatz am Ende ihren Arbeitsplatz rettet, würde sich auch Danielle Hurtig wünschen. Sie arbeitet im Management und war, ebenso wie ihre Kollegen total überrascht von der Kündigung. "Es ist schon erschreckend, dass wir alle nur Nummern sind", sagt sie. Umso mehr würde sie es sich wünschen, dass ihr engagiertes Team doch noch eine Chance bekommt.

Die Insolvenz der Fürther Vapiano-Dependance ist übrigens bereits die zweite Schieflage, die der Betrieb zu vermelden hat. Bereits im April 2020 hatte die Kette Zahlungsunfähigkeit angemeldet; auch die Poppenreuther Filiale machte dicht. Verschiedene Unternehmer, darunter der frühere Vapiano-Vorstand Mario C. Bauer, schlossen sich daraufhin zur Love & Food Restaurant Holding zusammen – das Konsortium bekam Anfang Juni 2020 den Zuschlag.

30 Restaurants in Deutschland wurden direkt an den neuen sogenannten Master-Franchisenehmer, die Hildesheimer Gastro & Soul Gruppe, veräußert. Das Lokal schien damit gerettet zu sein – ein Irrtum, wie sich nun herausstellte.

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