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Vier Menschen erzählen: So ist der Arbeitsalltag mit Masken

Gartencenter-Mitarbeiter schreibt ans Ministerium - Zahnarzt: Nur am Anfang lästig - 29.05.2020 10:31 Uhr

„Uns ist Kundenbindung sehr wichtig – die Maske erschwert das“: Monika und Andreas Fehr halten dennoch in ihrem Café wacker die Stellung. © Fotos: Isabel Pogner


"Das Lächeln fehlt." Monika Fehr bedient in ihrem "Café Krümelchen" tagtäglich Kunden – neuerdings mit Mundschutz, der sie beim Sprechen stört. "Uns ist Kundenbindung sehr wichtig – die Maske erschwert das", sagt sie

Nun müsse man sich eben auf das Wesentliche beschränken, ergänzt Andreas Fehr. Er war, bevor er das Café eröffnet hat, Hygienebeauftragter in einem großen Unternehmen. Deswegen hat er die Theke, in der die Fehrs Kuchen, Plätzchen, Brötchen und andere bunte Leckerbissen präsentieren, so konzipiert, dass sie räumliche Distanz zwischen Kunden und Verkäufer schafft. Auch Händewaschen und Oberflächenreinigung sind Standard im Café. "Ich find’s klasse, dass jetzt auch andere Unternehmen mehr auf Hygiene achten müssen", sagt Andreas Fehr. Die Masken seien jedoch eher lästig als hilfreich. Immerhin aber sorgen sie für neue Gesprächsthemen.

Die Fehrs staunen täglich, wie viel Kreativität die Kunden beim Masken-Basteln an den Tag legen: Da gibt es Fliegengitter, einen roten Mund mit Zähnen, einen Kussmund oder – ganz pragmatisch – den maskenförmig zugeschnittenen Spüllappen. Alles in allem sind sie froh, dass sie ihr Café nicht geschlossen haben. "Mir hätte sonst die Beschäftigung gefehlt", sagt Andreas Fehr. Und auch mit Maske mache ihm sein Job viel Spaß.

Die Freude ist dahin

Sven Schmidt kann das nicht von sich behaupten. Er arbeitet in einem Fürther Gartencenter und hat inzwischen gänzlich die Freude an seiner Arbeit verloren. Der Grund: Er muss die Maske volle acht Stunden jeden Tag tragen – auch bei Arbeiten wie dem Verräumen schwerer Säcke oder ganzer Steinblöcke.

"Dabei ist die Maske schnell voll mit Erde, Blütenstaub, Dreck und Nasenflüssigkeit", sagt er. Besonders wenn es wärmer wird, störe der Stoff vor Mund und Nase. "Einige Kollegen klagen über Kopfschmerzen." Eine Kollegin sei fast kollabiert. Schmidt ist sich sicher: Wenn die Temperaturen weiter steigen, wird die Arbeit mit Maske besonders für die älteren Kollegen gefährlich.

"Im direkten Kundenkontakt können wir die Masken gern weiter tragen, da stört sie gar nicht. Bei anderen Arbeiten sollten wir sie aber abnehmen dürfen," fordert er. Schließlich sei der Markt groß genug, um sich aus dem Weg zu gehen. Schmidt hat einen Eilantrag mit diesem Wunsch an das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geschickt. Auf die Antwort wartet er noch.

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Entspannter zeigt sich Harald Walther, Wirt des Lokals "Zum Kütt" mit großem Biergarten. Er brauche in der Küche ohnehin keine Maske, sagt er. Aber auch seine Servicekräfte hätten sich seit Öffnung der Biergärten in der vergangenen Woche noch nicht beklagt. "Das hat mich selbst überrascht – aber die Masken sind bei uns kein Gesprächsthema", so Walther.

Er – und auch seine Gäste – seien einfach nur froh, dass die Wirtschaft wieder öffnen durfte. "Wir machen jetzt das Beste draus", sagt Walther. Lediglich die Regelung, dass Besucher um 20 Uhr gehen müssen, hält er für unsinnig. Die meisten kämen doch erst nach der Arbeit gegen 18 Uhr. So gehe es sehr gedrängt zu, "weil alle gleichzeitig hier sind". Walther wünscht sich deshalb, dass seine Gäste bis 21 Uhr bleiben dürfen.

Doppelter Schutz in der Zahnarztpraxis

Dr. Volker Ludwigs "Gäste" bleiben freiwillig wohl keine zwei Stunden. Bei ihm, dem Zahnarzt, gehörte das Mundschutz-Tragen freilich schon vor Corona ganz selbstverständlich zum Berufsalltag. Der Unterschied heute: Unter der klassischen Einwegmaske trägt das Praxisteam die nahezu virenundurchlässigen FFP 2-Masken.

Dass der doppelte Mundschutz das Atmen erschwert, stört niemanden, daran gewöhne man sich. "Das ist so, als ob man eine Brille bekommt, am Anfang lästig, aber irgendwann will man nicht mehr darauf verzichten", sagt Ludwig.

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Zudem sei es allemal besser, einen Mundschutz zu tragen, als sich mit Corona zu infizieren. Lediglich der Preis – zu Beginn der Pandemie über sieben Euro für eine FFP2-Maske – stößt dem Zahnarzt sauer auf.

Am wertvollsten ist für ihn und sein Team die Kommunikation. Gern klären Ludwig und seine Kollegen über die Wichtigkeit sowie das richtige Tragen der Masken auf. Darüber kann man sich auch auf der Facebook- und Instagramseite der Praxis informieren.

Isabel Pogner

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