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Volker Heißmann privat: "Mein ganzes Leben ist Improvisation"

16.5.2021, 17:07 Uhr
Auf der Bühne gibt er immer den Kasper: Im Gespräch schlägt Komödiant und Sänger Volker Heißmann auch mal ernstere Töne an. Grundsätzlich ist er aber entschiedener Optimist: „Ob ich lache oder weine, ändert ja an der Situation nichts. Deshalb lache ich lieber“, sagt der Fürther.

Auf der Bühne gibt er immer den Kasper: Im Gespräch schlägt Komödiant und Sänger Volker Heißmann auch mal ernstere Töne an. Grundsätzlich ist er aber entschiedener Optimist: „Ob ich lache oder weine, ändert ja an der Situation nichts. Deshalb lache ich lieber“, sagt der Fürther. © Stefan Hippel, NNZ

Dunkelblaues Jackett, hellgrauer Rollkragenpulli, optisch eher Banker als Komödiant, empfängt Volker Heißmann uns vor dem Berolzheimerianum in Fürth. Eigentlich mag er es gern bunt, nicht nur in seiner Rolle als "Mariechen": "Aber für die Zeitung hab’ ich mir gedacht, da zieh’ ich mich mal a weng seriös an", sagt er und lacht. In sein zweites Wohnzimmer hat er eingeladen, die Garderobe hinter der Bühne in der Fürther Comödie. Vor Corona hat er hier die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Gummibärchen liegen verlockend in einer Schale ("An denen kann ich nie vorbeigehen") und der Lippenstift seiner Paraderolle Mariechen liegt auch bereit. Wie lange er auf seinen Einsatz hier im Theater noch warten muss, ist noch nicht klar.


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Seit Herbst 2020 ist die Comödie wegen der Pandemie geschlossen, das Leben auch für Volker Heißmann ein anderes. Er, der sonst bis zu 300 Auftritte im Jahr absolviert, auch mal 30 Tage am Stück auf der Bühne stand, hat nun wie die gesamte Kulturbranche, Zwangspause. Immerhin gibt es für ihn und seinen Bühnenpartner Martin Rassau ab und an Fernsehauftritte. "Wir sind noch privilegiert", sagt der Fürther. Bald, hofft man, wenigstens open air wieder loslegen zu können.

"Als Single bin ich jetzt so begehrt wie nie"

30 Jahre Bühnen-Ehe feiert er dieses Jahr mit Rassau, oder besser, könnte er feiern. An der Hans-Böckler-Schule haben sich die beiden damals kennengelernt. Rassau ist perfektionistisch, Heißmann improvisiert gerne. Zwei Drittel ihrer Sketche entstehen auf der Bühne aus dem Stegreif. "Mein ganzes Leben ist eigentlich eine Improvisation", sagt Heißmann. Auch am Herd improvisiert er lieber. Er kocht sehr gerne, aber nicht unbedingt nach Rezept, sondern lieber danach, was sich gerade im Kühlschrank befindet. Heraus kommt dann vielleicht eine Suppe. "Ich bin ein Suppenkasper", sagt er.

Backstage in der Comödie Fürth: Hier bereitet sich Volker Heißmann normalerweise auf seine Auftritte vor oder zieht sich während der Vorstellung um. Vom Fenster der Künstlergarderobe aus kann er zur Paulskirche schauen, neben der er aufgewachsen ist und wo heute noch seine Mutter lebt.

Backstage in der Comödie Fürth: Hier bereitet sich Volker Heißmann normalerweise auf seine Auftritte vor oder zieht sich während der Vorstellung um. Vom Fenster der Künstlergarderobe aus kann er zur Paulskirche schauen, neben der er aufgewachsen ist und wo heute noch seine Mutter lebt. © Stefan Hippel

Der Fürther ist ein geselliger Typ, der normalerweise auch gerne Gäste empfängt. Durch Corona sind es nun Einzeltreffen. Wegen der Regel, die einem Hausstand nur eine weiter Person als Gast erlaubt, sei er als Single "jetzt so begehrt wie nie zuvor", sagt Heißmann und lacht. Wenn der Theaterbetrieb normal läuft, gibt es für ihn eigentlich nicht viel Zeit, allein zu sein. Jetzt geht er auch schon oft vor der Ausgangssperre vor zehn Uhr heim. "Man hat sich an den abendlichen Ritt auf dem Sofa gewöhnt", stellt der 52-Jährige fest. Daheim schaut er sich gern alte Filme aus den 40er und 50er Jahren an oder er liest Textbücher. Netflix und Co. ist er nicht verfallen, er hat gar kein W-Lan in der Wohnung.

Seit 27 Jahren wohnt er im selben Mietshaus am Rathaus. Drei Zimmer, 80 Quadratmeter. Nicht puristisch karg, sondern gern etwas bunt und dekoriert. "Wenn Gäste kommen, muss ich erst mal klar Schiff machen", gibt er zu. Die Presse dahin einzuladen wäre ihm zu privat. Außerdem habe er auch schon unangenehme Stalking-Erlebnisse gehabt, erzählt er. Da lässt er allzu Privates lieber privat.

Volker Heißmann liebt ausgefallene Schuhe und bunte Socken. Diese haben ihm seine „Theatermädels“ geschenkt.

Volker Heißmann liebt ausgefallene Schuhe und bunte Socken. Diese haben ihm seine „Theatermädels“ geschenkt. © Stefan Hippel

Um die 50 Anzüge hat er, einige davon bunt gemustert. "Wenn sich’s einer trauen kann, dann ich", sagt er und grinst. Die ehemalige Speisekammer hat er zu einem begehbaren Kleiderschrank umbauen lassen. Besondere Schuhe mag er gerne, mehrere Farben haben die, die er an diesem Vormittag trägt. Zwischen Schuh und Hosenbein blitzen gelbe Entchen hervor. Lustige Socken – ein Geschenk des Sekretariats, seiner "Theatermädels". Als Gag hat er das Enten-Motto eine Etage höher weitergeführt. "Also gut, jetzt zeig‘ ich’s euch halt", sagt Heißmann und lässt kurz die Boxershorts hervorblitzen – mit gelben Entchen drauf.

"Manche treibt diese Zeit in den Suizid"

Insgesamt wirkt der Komiker, der sonst vor allem in der Rolle des "Mariechen" auf der Bühne herumblödelt, im Gespräch eher ernsthaft. "Diese Zeit macht etwas mit den Leuten", stellt er fest. Für viele kein fester Rhythmus mehr, das Sozialleben sehr eingeschränkt. "Manche treibt es sogar in den Suizid", sagt Heißmann. Er selbst findet Trost im Glauben. In der evangelischen Peter-und-Paul-Kirche ist er immer wieder als Sänger aufgetreten. Schon als Kind hat er dort gesungen und die Angst vor der Bühne verloren. "Denn auch wenn ich mal nicht so gut gesungen habe, wurde ich nie geschimpft", erzählt er.

Neben der Kirche ist der Fürther Komödiant aufgewachsen, durch die Fenster der Garderobe kann er sie sehen. Seine 85-jährige Mutter wohnt immer noch da. Täglich telefoniert er mit ihr, schaut vorbei, so oft es geht. Seine sechs Jahre ältere Schwester lebt in Langenzenn. "Wir sind alle bodenständig", sagt Heißmann. Zwei Neffen hat er, seine Familie ist klein, aber hält zusammen. Heißmanns Vater, ein Malermeister, ist vor 20 Jahren gestorben. Aber er hat ja noch eine zweite große Familie, die Theaterkollegen.


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Er hat sich dazu entschieden, Optimist zu sein. Im Zweifel lieber zu lachen. "Denn es ändert ja nichts an der Situation, ob man weint oder lacht. Also lach’ ich lieber." In seiner Familie sei das die Haltung gewesen. Und wenn seine Mutter heute mal keinen so guten Tag hat, dann sagt er: "Komm Muddi, lach’ mer a weng!"

"Mama, lach' mer a weng!"

Wenn er abends ins Bett geht, dann immer mit der Zuversicht, von Gott oder wie man die Macht auch immer nennen will, behütet zu werden, sagt er. Und dass es für alles schon einen Grund gibt. Was nach dem Tod kommen mag? Er überlegt, dann muss er lächeln: "Stell dir vor, du stirbst und dann steht am End’ bloß des Mariechen vor dir!"

Zur Person: Volker Heißmann, 1969 in Fürth geboren, ist Komödiant, Sänger und Mitbetreiber der "Comödie Fürth". Bekannt ist er mit Martin Rassau als "Waltraud und Mariechen", etwa bei der "Fastnacht in Franken". Er tritt regelmäßig im TV, auf, sang am Nürnberger Staatstheater in der "Fledermaus" und in eigenen Musicalproduktionen. Er ist u. a. Träger des Bayerischen Verdienstordens.

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