Volle Betten: Fürther Klinikum kämpft mit Patientenandrang

18.4.2016, 06:00 Uhr
Bilder, die trotz aller Bemühungen immer wiederkehren: Patienten müssen im Fürther Klinikum mit ihrem Bett auf einem Gang ausharren.

Bilder, die trotz aller Bemühungen immer wiederkehren: Patienten müssen im Fürther Klinikum mit ihrem Bett auf einem Gang ausharren. © Archivfoto: Iannicelli

Krisensituationen erfordern bisweilen drastische Maßnahmen: In dieser Woche herrschte ein derart großer Andrang im Krankenhaus, dass die Leitung entschied, ab Mittwoch alle geplanten internistischen Eingriffe, zum Beispiel Magen-Darm-Spiegelungen, zu verschieben, um für Entlastung sorgen.

"Die letzte Woche war extrem", sagt Klinik-Vorstand Peter Krappmann. Das will etwas heißen in einer Phase, in der die Belegungssituation seit Monaten äußerst angespannt ist. Immer wieder mussten Patienten vorübergehend in einem Bett im Gang liegen, an manchen Tagen traf das bis zu 30 Menschen, sagt der Medizinische Direktor Dr. Manfred Wagner.

Wie kommt es dazu? Da wären die Grippewellen in der kalten Jahreszeit, so Wagner, da wäre aber auch das rasante Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre. Wagner nennt noch einen dritten Grund: "Die Zeiten, als wir der Allgemeinarzt unter den Krankenhäusern waren, sind vorbei." Um die Menschen in Stadt und Landkreis "angemessen zu versorgen", bietet das Klinikum mehr spezialisierte Leistungen, etwa in der Kardiologie, es hebt auf diese Weise seine Qualität - und zieht somit weitere Patienten an.

Das Haus stößt längst an seine Kapazitätsgrenzen - obwohl alles getan werde, so Wagner, um die ungeliebten Gangbetten zu vermeiden. Jeden Mittag trifft sich der Medizinische Direktor zu einem Jour fixe mit Chefärzten des Klinikums, um die Belastung möglichst gleichmäßig über das Haus zu verteilen.

Welche Station ist überlaufen? Wo ist noch Luft?

Auch mit den umliegenden Häusern stimmt sich Fürth ab. Rund 20 Kliniken der Region sind über einen Server der Leitstelle in Nürnberg verknüpft. Per Mausklick können sie sich abmelden, wenn bestimmte Stationen überlastet sind - auch stundenweise. Der Rettungsdienst bringt die Patienten dann in andere Häuser. "Ohne dieses Instrument wäre die Lage in diesem Winter eskaliert", meint Professor Harald Dormann, Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in Fürth.

Mittel- und langfristig, darüber herrscht im Klinikum Einigkeit, könne es nur helfen, die Kapazitäten zu erweitern - und zwar um deutlich mehr als die zuletzt vom Gesetzgeber genehmigte Aufstockung von 706 auf 742 Betten. Schon in naher Zukunft will das Fürther Krankenhaus auf 800 Betten kommen, langfristig auf 900 bis 1000. Zwingend notwendig sei das, sagt ZNA-Chef Dormann: "Wir sind so knapp gebaut, dass jede Welle das Fass überschwappen lässt."

"Klinikum 2030"

"Klinikum 2030" nennt sich ein ehrgeiziges Bauprogramm, das dieses Ziel erreichen soll. Es beinhaltet zum einen Sanierungen, zum anderen Neubauten, denn eines ist klar: In den bestehenden Gebäuden lässt sich die angestrebte zusätzliche Bettenzahl nicht unterbringen.

Als mögliches Baufeld gilt unter anderem der Hubschrauberlandeplatz nahe dem Verwaltungsgebäude. Der erste Teil soll, sofern das Ministerium mitspielt, schon in fünf Jahren stehen und neben Allgemeinbetten auch Raum für moderne OP-Säle bieten sowie für dringend benötigte zusätzliche Intensiv- und Überwachungsbetten.

Ob in einem Fürther Krankenhaus mit 1000 Betten nie mehr ein Patient auf dem Gang liegen muss, sei dahingestellt. Zum einen wächst die Einwohnerzahl weiter, zum anderen ist nicht alles vorhersehbar. "Wir sind nun mal keine Autofabrik, wo man genau weiß, wie viele Wagen in drei Wochen vom Band rollen", sagt Manfred Wagner. Oder anders gesagt: Die Frage, wie viele Fürther an einem Tag einen Herzinfarkt erleiden, wird vorab wohl niemals zu beantworten sein.

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