18°

Sonntag, 19.05.2019

|

Vom Müllberg zum Biotop

Der Solarberg in Atzenhof war ein Hingucker beim Tag der Artenvielfalt - 17.05.2010

Eine außerordentliche Pflanzenvielfalt zeigte der Biologe Klaus Gross (vorne) den Exkursionsteilnehmern an den rekultivierten Flanken der ehemaligen Fürther Deponie. Schafe halten hier den Bewuchs kurz. © Thomas Scherer


Aus einer ehemaligen Müllkippe ist in den vergangenen Jahren ein Lebensraum für rund 250 Blütenarten entstanden. »Ich würde sogar schätzen, dass es sich tatsächlich um bis zu 280 verschiedene Pflanzen handelt«, sagt Klaus Gross. Der Biologe hat im Auftrag des Fürther Amts für Umweltplanung die Artenvielfalt auf dem Solarberg untersucht und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Unterschiedliche Böden

Als er den gesamten Berg im vergangenen Jahr kartierte, entdeckte Gross, dass sich die Pflanzen mosaikartig ansammelten. »Das liegt einerseits daran, dass der Berg nach und nach bepflanzt wurde und andererseits daran, dass der dabei verwendete Boden aus unterschiedlichen Gebieten stammte.«

Monika Preinl vom städtischen Amt für Umweltplanung deutet auf die Südseite des Bergs, wo unter den Solarpaneelen größere Steine zu sehen sind. Ganz anders der Nordhang, der Richtung Wiesengrund zeigt: Dort wurde ein lehmiger Untergrund verwendet. Dieser ist wasserabweisend und nährstoffreich. Doch für eine große Artenvielfalt sei gerade karger Boden förderlich, wie Gross seinem erstaunten Publikum erklärt. Denn: Auf nährstoffreichen Flächen könne eine Pflanzenart leichter die anderen zurückdrängen.

Darüber hinaus lassen sich unter den am ehemaligen Müllberg angesiedelten Pflanzen so genannte Ruderalarten finden, eine Bezeichnung die sich aus dem lateinischen Wort für Schutt oder Ruinen ableiten lässt. »Dabei handelt es sich um Pflanzen, die etwa an alten Bahngleisen oder Industrieflächen zu finden sind«, sagt Monika Preinl und nennt den Rainfarn und die Brennnessel als Beispiel.

Zum Erhalt der Artenvielfalt muss ein solches Biotop gepflegt werden: Diese Aufgabe übernimmt Felix Wüst mit seinen Schafen. 500 bis 600 Tiere lässt er drei Mal pro Jahr für einige Tage auf dem Berg grasen – auch auf der Südseite, wo die Solarzellen stehen. Laut Preinl wurden diese extra hoch genug angebracht, damit die Schafe darunter Platz haben und sie von Bewuchs freihalten können. Von einem außergewöhnlichen Zusammenspiel zwischen Tier und Technik berichtet Schäfer Wüst. Wenn die Sonne kräftig scheint und die Tiere etwas Schatten haben wollen, ziehen sie sich unter die Sonnenkollektoren zurück.

Auftakt für Reihe von Aktionen

Im Zuge seiner Kartierung der Artenvielfalt auf der ehemaligen Mülldeponie gab Klaus Gross auch Empfehlungen zur Pflege der Vegetation ab, die in einem Pflegekonzept des Amtes berücksichtigt werden sollen. Zudem wird daran gedacht, die Ergebnisse der Studie auf Infotafeln oder Flyern zu präsentieren.

Die Veranstaltung am Fürther Solarberg stellte den Auftakt für eine Reihe von Aktionen während der Tage der Artenvielfalt am 19. und 20. Mai dar. Während dieser beiden Tage können nicht nur Schulklassen, sondern auch Privatpersonen Flora und Fauna in Fürth entdecken.

SABINE GÄRTNER 

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth