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Vor 100 Jahren: Tragische Explosion im Fürther Pulvermagazin

54 Menschen starben am 25. April 1917 - Ehrendenkmal auf dem Friedhof - 24.04.2017 21:20 Uhr

„Auch sie starben für das Vaterland. Ehre ihrem Gedächtnis“, so lautet die Inschrift des Denkmals, das auf dem Kriegsgräberfeld 43 auf dem städtischen Friedhof an das tragische Ereignis erinnert. © Foto: Ahmad Alakel


Das Unglück ereignete sich urplötzlich an jenem Morgen im April 1917. 54 Menschen verloren dabei ihr Leben: 47 Frauen und sieben Männer. Die Nachricht löste - in einer an traurigen Nachrichten reichen Zeit - größte Bestürzung aus: "Meine Mutter, die das Unglück in der Nähe miterlebte, erzählte oft davon, welch lähmendes Entsetzen sich an jenem 25. April 1917 über das ganze Fürth legte und wie am 28. April Tausende Fürther auf dem Friedhof von diesen Toten Abschied nahmen", berichtete ein Leser den Fürther Nachrichten vor einigen Jahren in einem Brief.

Damals steckte das Land bereits seit drei Jahren im Ersten Weltkrieg. Das war auch an diesem Tag nicht zu übersehen: "Vormittags 8 Uhr brachte ein Lazarettzug 300 Verwundete", sollte Paul Rieß später in der Stadtchronik schreiben. "Kaum waren die Sanitäter mit der Unterbringung in den Lazaretten fertig, es war 3/4 10 Uhr, als sich die Kunde von einem schrecklichen, grässlichen Explosionsunglück im hiesigen Pulvermagazin in der Schwabacher Straße mit Windeseile in der Stadt verbreitete."

In dem Pulvermagazin an der Ecke zur Rothenburger Straße wurden damals Granaten befüllt. Vor allem Frauen waren hier beschäftigt, da Männer und Jungen an der Front kämpfen mussten. Zunächst wogen die Arbeiterinnen Sprengstoff ab, um diesen dann in kleine Säckchen und dann in Granaten zu füllen. Man mutmaßte nach dem Unglück, jemand habe eine Geschosshülse fallen gelassen, die Funken schlug, die auf eine Pulverspur auf dem Boden übersprangen. Sofort stand der ganze Raum in Flammen.

Die blockierte Tür wurde zur Falle

Während der Vorarbeiter und eine Arbeiterin aus dem Fenster sprangen, versuchten die restlichen Mitarbeiter, durch die Türe zu flüchten. Doch diese ging nur nach innen auf. Durch die aufkommende Panik verkeilten sich viele Menschen vor der blockierten Tür und starben. "Schrecklich verbrannt, zu unkenntlichen Klumpen zerkohlt, wurden sie später aus den rauchenden Trümmern gezogen", heißt es in der Stadtchronik. Zehn Menschen konnten gerettet werden und neun weiteren war die Flucht gelungen.

Feuerwehrleute aus Fürth und Nürnberg versuchten, den Brand zu löschen, bevor er das benachbarte Gebäude, ein großes Munitionslager, erreichte. Da der Feuerwache selbst nicht genügend Pferde zu Verfügung standen, um die Löschgeräte in die Schwabacher Straße zu befördern, wurden die Pferde der vorbeifahrenden Wagen kurzerhand ausgespannt.

200 Soldaten trugen die Särge

Weil die meisten Verunglückten nicht mehr zu identifizieren waren, wurden sie in einem gemeinsamen Ehrengrab beigesetzt, um ihre Vaterlandsliebe und Arbeitstreue zu würdigen. Die Opfer wurden denen gleichgesetzt, die im Kriegsgeschehen für Deutschland starben. Die Anteilnahme der Bevölkerung war immens. 200 Soldaten trugen die Särge.

An der Stelle wo einst das Feuer ausbrach, erinnerte ab 1918 ein Gedenkstein an das Unglück - es war das erste Weltkriegsdenkmal in Bayern, das Heimatopfer ehrte. Er wurde jedoch 1989 mit dem Magazin abgerissen. Bestehen blieb das sargartige Denkmal aus Sandstein auf dem städtischen Friedhof, das beim Kriegsgräberfeld 43 zu finden ist.

Nach einer ähnlichen Explosion am 1. Mai 1917 in Köln wurde festgesetzt, dass sich alle Türen nach außen öffnen lassen müssen.

Mehr über das Denkmal und das Kriegsgräberfeld erfährt man bei der Stadtführung "Verschwiegene Gedenkstätten und fremde Rituale" am 7. Mai um 14 Uhr, Treffpunkt: städtischer Friedhof vor der Aussegnungshalle. 

jlh

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